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„Emotionen bleiben hinter den Türen“: Das sagt ein Promianwalt zur Gates-Scheidung

  • Nach 27 Jahren Ehe haben Melinda und Bill Gates ihre Trennung bekannt gegeben.
  • 130 Milliarden Dollar Vermögen, drei Kinder und ein gemeinsames Zuhause müssen nun aufgeteilt werden.
  • Der Münchner Rechtsanwalt Andreas Vitti hat mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) darüber gesprochen, warum Geld kaum eine Rolle spielt und was diese von der Pitt-Jolie-Scheidung unterscheidet.
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Der Microsoft-Mitgründer Bill Gates und Managerin Melinda Gates werden sich nach 27 Jahren Ehe scheiden lassen. Das gab das Paar am Montag mit einem gemeinsamen Statement auf Twitter bekannt. Der Grund: „Wir glauben nicht mehr daran, dass wir in dieser nächsten Phase unseres Lebens als Paar zusammenwachsen können“, wie die beiden schreiben. Einen Ehevertrag hat das Paar laut den Scheidungspapieren, die unter anderem dem US-Magazin „People“ vorliegen, nicht. Das stattliche Vermögen von geschätzten 130 Milliarden Dollar soll anhand einer Trennungsvereinbarung aufgeteilt werden.

Ein gemeinsames Leben wieder zu trennen ist allerdings nicht immer so einfach. Besonders bei Prominenten werden Scheidungen oft zu öffentlichen Rosenkriegen. Der Münchener Rechtsanwalt Andreas Vitti war bereits bei zahlreichen Promischeidungen rechtlicher Beistand. Zu seinen prominenten Kunden zählten Sky Du Mont, Rudi Völler oder Mehmet Scholl.

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Immer dabei: sein Onkel und Chef Hermann Messmer, der oftmals als bekanntester Promianwalt Münchens bezeichnet wird. Seit zehn Jahren hat Vitti die Federführung der Kanzlei von dem mittlerweile Ende Achtzigjährigen übernommen. Gerade vertritt er Dennis Schick von „Traumfrau gesucht“ bei dessen Scheidung. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland kommentiert der 59-Jährige die Gates-Scheidung – und erzählt, warum Geld kaum eine Rolle spielen wird.

Was sind die Herausforderungen bei einer Trennung wie bei den Gates?

Die gleichen wie bei uns. Neben der Vermögensverteilung könnte der Unterhalt eine Rolle spielen. Aber weil jeder ein paar Milliarden kriegt, sind beide nicht wirklich darauf angewiesen. Auch die elterliche Sorge für noch minderjährige Kinder könnte zur Debatte stehen. Das ist immer eine große Herausforderung. Brad Pitt und Angelina Jolie streiten ja praktisch nur noch darum. Es ist nicht anders als bei allen anderen Leuten auch: Wer sich streiten möchte, der kann sich streiten. Das vermute ich bei den Gates aber nicht.

Andreas Vitti, Promianwalt aus München. © Quelle: privat
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Warum nicht?

Bill Gates ist ein reiner Kopfmensch. Es macht nicht den Eindruck, als ob da noch eine große Schlammschlacht kommen wird. Das war ja bei Jeff Bezos auch nicht so. Das ist klar ein Vorteil, dass da genug für jeden übrig bleibt und keiner finanziell zu kurz kommen wird.

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Jetzt ist die Öffentlichkeit informiert. Was ist vorher schon im Hintergrund gelaufen?

Man kann vermuten, dass sich die Anwälte bis zum „offiziellen“ Trennungstermin schon weitestgehend verständigt haben, wer was bekommt. Das ist Teil der Mediation, die in den USA zum Trennungsprozedere gehört. Die Trennung selbst wird schon länger zurückliegen. Melinda und Bill Gates haben ja mehr oder weniger eine gemeinsame Presseerklärung rausgegeben und damit Geschlossenheit demonstriert. In der Bill & Melinda Gates Foundation wollen sie ja auch weiterhin zusammenarbeiten.

Die Scheidung könnte jetzt also schnell über die Bühne gehen?

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In den einzelnen Bundesstaaten in den USA gibt es überwiegend kein Trennungsjahr wie in Deutschland. Man braucht aber einen Scheidungsgrund. Der wird dann vorgetragen, und wenn sich beide einig sind, kann die Scheidung relativ schnell vonstattengehen. In Deutschland wird die Trennung durch das Scheidungsurteil hierarchisch entschieden, in den Staaten werden die Scheidungspapiere dann als Dokumentation unterschrieben.

Das Unterschreiben und die finale Einigung stehen also noch aus?

Das Formale, ja. Wenn so einer wie Bill Gates oder seine Frau die Scheidung einreicht, dann erfährt die Presse sofort davon. Zuerst die Rahmenbedingungen zu klären und dann diesen Schritt gemeinsam zu gehen ist sinnvoller, wenn man kein Aufsehen erregen möchte. Das nimmt dem Ganzen etwas die Brisanz. Und das machen die Gates offenbar so.

Gibt es überhaupt sowas wie ein Worst-Case-Szenario, das noch eintreten könnte?

Nein. Das ist jetzt mehr ein geschäftlicher Vorgang, der da abgewickelt wird. Da werden Verträge gemacht, die beiden ein Leben in Wohlstand sichern und auch das Verhältnis zueinander regeln. Das ist aber weitestgehend in trockenen Tüchern, sonst wären sie noch nicht an die Öffentlichkeit herangetreten. Die werden jetzt als Nächstes vor Gericht gehen, die Scheidung beantragen, geschieden werden und das war es. Was wer bekommen hat, wird natürlich durchsickern. Das interessiert die Leute – wobei es eigentlich egal ist, ob man 2 oder 10 Milliarden Dollar kriegt.

Obwohl so viel Geld da ist, geht es also gar nicht darum – oder weil?

Weil so viel da ist. Du kannst das Geld ja nicht verbrauchen. In der Vergangenheit hat sich Bill Gates ja auch immer hervorgetan als großer Gönner, als Wohltäter. Das wird er auch weiterhin tun – und offensichtlich sogar mit ihr zusammen. Und die beiden sind nie durch einen wahnsinnig extravaganten Lebensstil aufgefallen. Das einzig Luxuriöse ist sein Haus, das elektronisch auf dem neuesten Stand ist. Bill Gates wird seine Hamburger essen, ein normales Auto fahren und ein relativ normales Leben leben. Das sind Leute, die haben andere Werte und andere Inhalte im Leben als Geld. Natürlich werden die sich über Geld auseinandergesetzt haben, aber wenn so viel da ist, spielt das keine Rolle.

Worum geht’s dann?

Um andere Fragen: Wer bleibt im Haus, wer zieht weg und wohin? Wie wird das Sorgerecht aufgeteilt? Die beiden wohnen ja in Washington. Da wird er wahrscheinlich im Haus bleiben, vermute ich mal, vielleicht aber auch sie.

Man könnte also sagen: Das Skandalpotenzial ist nicht besonders hoch.

Das Skandalpotenzial wird dem Qualitätsstandard der Ehe gerecht werden. Da wird das öffentliche Interesse nur schwer bedient. Melinda und Bill Gates sind keine Schauspieler wie Angelina Jolie und Brad Pitt, da wirft keiner dem anderen Alkoholismus vor. Die machen das so, wie sie ihre Firmen und Stiftungen führen: vernünftig. Da wird der Name nicht beschädigt.

Woran liegt es, dass sich Jolie und Pitt so anders trennen als Bill Gates oder Jeff Bezos?

Schauspieler leben in und von der Öffentlichkeit. Die Bezos und die Gates dieser Welt leben von ihrem Geschäft und nicht von ihrem Privatleben. Bei Schauspielern steht das Privatleben ja viel in der Öffentlichkeit. Die Gates halten ihr Privatleben ja weitestgehend aus der Presse raus und geben keinen Einblick – mit Ausnahme von dem Haus. Eine Trennung wird zwar mitgeteilt, aber die Interna kommen nicht an die Öffentlichkeit.

Es ist also nicht unbedingt eine Frage von schlechter Beratung, wenn eine Trennung in einem Rosenkrieg endet?

Es gibt ja den Spruch „Es gibt keine negative Publicity“. Damit halten sie natürlich auch das Interesse hoch. Schauspieler lassen Leute an ihrem Leben teilhaben, um davon auch zu leben. Das ist Teil ihres Lebens. Der Schauspieler braucht diese Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, Bill Gates braucht die nicht. Dem ist das eher fremd und zuwider, der möchte ein Privatleben abseits der Öffentlichkeit. Das ist mehr so Sache von Musikern, Schauspielern, Sportlern. Gates und Bezos leben nicht von der Darstellung ihrer selbst, die leben von dem, was sie wirtschaftlich und kaufmännisch bewirken.

Woran entscheidet sich, wie emotional mit Trennungen umgegangen wird?

Das ist eine Charakterfrage. Man trennt sich so, wie man die Ehe gelebt hat. Bei den Gates ist das absolut geordnet, da wird nichts emotional nach außen getragen. Die haben sicherlich auch Emotionen, aber die bleiben hinter den Türen.

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