Die Pausetaste im Herbstalltag drücken: So geht Sauna in Corona-Zeiten

  • Die Nässe und Kälte kriechen in die Glieder, es wird dunkler und kalt.
  • Der Herbst ist eigentlich die richtige Zeit für gezielte Entspannung in der Sauna. Doch geht das während der Corona-Krise?
  • Die Saunas in Deutschland haben sich auf die neue Situation eingestellt.
Isabella Hafner
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Wer in die Sauna geht, stärkt sein Immunsystem. Ein gutes Immunsystem ist wichtig, um Krankheitserregern Paroli zu bieten. Doch zurzeit würden einige Menschen die Sauna eher meiden, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Saunabund, aus Angst sich anzustecken. Der Arzt Rainer Brenke berät den Deutschen Sauna-Bund: „Über den Schweiß werden keine Viren übertragen. Aber über die Aerosole beim Sprechen. Deshalb sollte man in der Sauna nicht sprechen.“

Zudem sollte man darauf achten, eine Sauna zu besuchen, die über Belüftungssysteme für regelmäßigen Luftaustausch sorgt. Wovon man sicher ausgehen könne: Ab 60 Grad sterben Viren ab. Deshalb haben alle Saunen, die Mitglied im Deutschen Saunabund sind, von Hans-Jürgen Gensow die Empfehlung bekommen, auf mindestens 60 Grad zu heizen. Außerdem gilt seit der Wiedereröffnung im Juni: Abstand halten, Hände desinfizieren, Mund-Nasen-Schutz tragen.

Sauna und Corona: Was erlaubt ist, und was nicht

„Bis zum Spind muss man Maske tragen, außerdem beim Gang zum Bistro. Auch die Hände muss man beim Betreten desinfizieren. In der Sauna selbst aber muss niemand mit Maske sitzen“, sagt Gensow. Aber: Die Betreiber achten darauf, dass der Abstand eingehalten wird. Da gibt es mittlerweile einen Trick: „Manche stellen zum Beispiel einfach vier, fünf Paar Schuhe vor die Tür. So erkennt der Saunagänger, wie viele Besucher hinein dürfen.“ In mehreren Bundesländern sind Aufguss und Wedeln derzeit nicht erlaubt: in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg und Baden-Württemberg. In Bayern wird es „nicht empfohlen“ – in den anderen Bundesländern darf beides stattfinden. Brenke rät: „Auf keinen Fall Wedeln. Dabei wird die Luft zu sehr verwirbelt. Und dort besser nicht auf die Bänke legen.“

Fieber gemessen wird bisher nicht an den Eingängen. „Fühlt sich jemand aber nicht fit, sollte er sowieso keine Sauna betreten. Das wäre kontraproduktiv fürs Herz-Kreislauf-System“, sagt Gensow. Seiner Erfahrung nach haben Menschen, die regelmäßig zum Schwitzen gehen, aber meist ein gutes Körpergefühl. „Sie sind trainiert darin, in ihren Körper hineinzuhören.“

Beim Schwitzen entschlackt der Körper

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Schätzungen zufolge gehen mehr als 25 Millionen Deutsche mehr oder weniger regelmäßig in die Sauna. Die Wärme entspannt die Muskeln und so regenerieren sie sich, die Lungen können zunehmend mehr Luft fassen, denn die Wärme öffnet die Blutgefäße. Und so werden auch die Schleimhäute in den Atemwegen besser durchblutet. Das Blut wiederum transportiert Sauerstoff und Nährstoffe an Ort und Stelle – auch durch die Haut.

Die Haut – das größte Organ des Menschen – wird in der Sauna gereinigt: Die oberste Hornschicht quillt auf, verhornte Zellen lockern sich und können leicht abgespült werden. Bei trockener Haut wird deren Struktur verbessert, indem Schweißdrüsen aktiviert werden und sich Wasser wieder besser einlagern kann.

Während des Saunierens entschlackt der Körper – die Schweißproduktion läuft ja auf Hochtouren. Der Körper erhitzt wie bei Fieber auf bis zu 39 Grad und verliert pro Saunagang etwa einen halben Liter Flüssigkeit. Den Verlust gleicht der Körper aus, indem er dem Gewebe Wasser entzieht und ins Blut gibt. Mit dem Wasser werden Säuren und Schlacken ausgeschwemmt. Ein kalter Guss im Anschluss zieht die Gefäße wieder zusammen. Durch den Wechsel zwischen Kalt und Warm werden Herz und Kreislauf auf Trab gebracht und das Immunsystem auf Vordermann gebracht. Das hilft im Winter, Erkältungen vorzubeugen.

Aromaaufgüsse stimulieren die Sinne

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Und dann ist da natürlich die Entspannung. Manche Saunen werden mit teilweilse wechselnden Lichtern ausgeleuchtet, auf die Menschen unterbewusst reagieren. Die Sinnesorgane wandeln Empfindungen im Limbischen System des Gehirns in Gefühle um. Dabei helfen – zu Nicht-Corona-Zeiten – auch die Aufgussdüfte. Wer Zimt, Orangen oder Tannennadeln riecht, denkt vielleicht automatisch an Weihnachten. Lavendel löst sowieso Entspannung aus, Zitrusdüfte oder Eukalyptus gelten als Stimmungsaufheller. Der Saunameister schüttet eine Kelle Wasser, versetzt mit einem Duft, auf Lavasteine. Es zischt, dampft, die Atemwege werden frei. Manche Saunen untermalen die Atmosphäre mit klassischen oder meditativen Klängen.

Aufgüsse mit Aromen wie Kiefernnadeln, Lavendel oder Orange können die Sinne zusätzlich anregen. © Quelle: Andreas Gebert/dpa

Sauna kann dennoch Stress auslösen. Etwa wenn ein Anfänger eine Finnische Sauna besucht – zwischen 70 und 110 Grad warm. Oder wenn er sich gleich auf die höchste Bank setzt: Denn heiße Luft steigt nach oben. Besser ist es, man startet mit einer Bio-Sauna und steigert langsam Temperatur und Dauer. Acht bis zwölf Minuten sollte ein Saunagang dauern. Danach gilt: Durch die kalte Luft laufen, dann kalt duschen oder ins Tauchbecken. Dann unbedingt eine halbe Stunde ruhen. Achtung: Mehrere Stunden vor dem Saunabesuch sollte man viel trinken. Zudem sollte man nicht mit Hunger oder vollem Magen in die Sauna.

Die Sauna gehört in Skandinavien zur Kultur

Die Sauna ist der finnische Exportschlager schlechthin. In fast jedem Haus, in Miets- und Ferienhäusern, existiert eine Schwitzhütte. In modernen Wohnhäusern werden Badezimmer und Sauna zusammengelegt. Wurde früher ein Haus gebaut, wurde erstmal die Sauna errichtet: Sie war der einzige Raum mit warmem Wasser. Und weil es auch der sterilste war, gebaren die Finninnen dort oft ihre Kinder. Auch heute nehmen Finnen ihre Babys früh mit in die Sauna. Das ist in Maßen medizinisch unbedenklich. Auch in anderen skandinavischen Ländern sowie in Russland, wo man ein „banja“ besucht, ist die Sauna ein Ort, um Sozialkontakte zu pflegen. Geschäftsleute besprechen dort Wichtiges.

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Sowohl in der finnischen Sauna als auch im russischen Banja werden Birkenzweige mit hinein genommen, mit denen der Körper abgeschlagen wird, um die Blutzirkulation anzuregen. Im Winter kann man tiefgefrorene Zweige in den dortigen Supermärkten kaufen. Sind die Zweige getrocknet, werden sie vorher in heißem Wasser eingeweicht; das wird dann als aromatischer Aufguss verwendet. Im deutschsprachigen Raum, in Skandinavien, Russland und den baltischen Ländern werden die Saunen meist nackt betreten. In vielen anderen Ländern aber ist das nackte Saunieren unüblich, manchmal auch verboten.

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