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Ritterschlag für Instagram: Starfotografin Annie Leibovitz tritt Fotonetzwerk bei

  • Sie gilt als Königin der Fotografie: Annie Leibovitz hatte bereits halb Hollywood vor der Kamera.
  • Vor wenigen Tagen trat die US-Fotografin plötzlich der Fotoplattform Instagram bei.
  • Welche Strategie steckt dahinter?
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Hannover. Ein Name, vier Fotos, Zigtausende Abonnenten: Das Instagram-Profil von Annie Leibovitz wäre leicht zu übersehen, wenn nicht „Annie Leibovitz“ darüber stehen würde. Tatsächlich gibt es zahlreiche deutlich spannendere Charaktere, denen man auf der weltweit größten Fotoplattform folgen möchte, um sich an ihrer bunt bebilderten Selbstdarstellung zu erfreuen. Doch da ist er nun: Annie Leibovitz‘ offizieller Instagram-Account, bestätigt durch ein blaues Häkchen und ein kleines Selbstporträt mit gezückter Kamera. Keine sieben Tage ist es her, dass der Kanal plötzlich aufpoppte, schon hat die Starfotografin mehr als 78.000 Follower.

Frauen, Feminismus, Familie - mit Bildern Zeichen setzen

Die Bilder, die die 1949 in Connecticut geborene Fotografin bisher ihrem Profil beifügte, wirken auf den ersten Blick nahezu beliebig. Den Anfang machte ein typischer Leibovitz: ein sensationelles Schwarz-Weiß-Porträt, das sie 1997 von ihrer inzwischen verstorbenen Mutter Marilyn Leibovitz aufnahm. Danach postete sie, pünktlich zum internationalen Girls‘ Day am 11. Oktober, ein Bild der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die sie vor drei Jahren im britischen Birmingham traf und ablichtete. Der dritte „Schnappschuss“ ist wiederum aus diesem Jahr: Er zeigt die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi von hinten in einem senffarbenen Kleid, wie sie umringt von Anzugträgern, vermutlich Kollegen und Personenschützern, einen Gang entlangschreitet.

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Was Annie Leibovitz mit ihrer Bildauswahl sagen will, bleibt zunächst schleierhaft. Auf den zweiten Blick aber entdeckt man sie doch, jene geheime Botschaft, die man von einer solch legendären Künstlerin ganz einfach erwartet: Hier geht es um mächtige Frauen, um Feminismus, um die Stärke des vermeintlich schwachen Geschlechts – und letztlich um Liebe und Toleranz. Leibovitz, die mit ihrer speziellen Art und Weise, Prominente in Szene zu setzen, selbst zum Star geworden ist, setzt damit ein deutliches Zeichen: Sie nutzt Instagram nicht allein für das Zurschaustellen ihrer unendlich vielen Porträts schöner, reicher und mächtiger Menschen – von Schauspielern wie Angelina Jolie und Leonardo DiCaprio bis hin zu Staatenlenkern wie Barack Obama oder der Queen hatte sie fast jeden vor der Kamera –, sondern eher, um den Blick auf wichtige Debatten und Ziele wie Gleichberechtigung, Frieden und Klimawandel zu lenken.

Leibovitz-Bilder gibt es auf Instagram tausendfach

Tatsächlich hat es Leibovitz nicht nötig, ihre gesammelten Werke im Netz zu präsentieren. Erstens: Viele ihrer Bilder sind bereits weltberühmt, haben unzählige Magazine, Kalender und Kataloge geziert und Ausstellungen gefüllt. Es würde der „Königin der Fotografie“ mehr schaden als nützen, auf einer Social-Media-Plattform damit hausieren zu gehen. Zweitens: Instagram ist voll von Leibovitz-Bildern. Bevor die Fotografin ihren eigenen, offiziellen Account aus der Taufe hob, gab es bereits mehrere Kanäle und Beiträge, die unter dem Hashtag Leibovitz firmieren. Stars wie Julianne Moore, Scarlett Johannson, Johnny Depp, inszeniert und abgelichtet von Annie Leibovitz? Auf Instagram alles schon da gewesen, tausendfach gelikt, geteilt und kommentiert.

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Die Frage, warum sich eine der berühmtesten Fotografinnen der Neuzeit auf einmal auf Instagram tummelt, ist damit trotzdem nicht beantwortet: Will Leibovitz neue Kunden und Fans generieren? Will sie sich tatsächlich politisch engagieren? Oder will sie nicht mehr dem Zeitgeist hinterherlaufen? Die vor neun Jahren gegründete Fotoplattform Instagram ist inzwischen für viele Fotografen ein wichtiges Karriere- und Umsatztool, dass aber selbst Größen wie Annie Leibovitz ohne eigenen Instagram-Account nicht mehr agieren, kommt überraschend.

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Mit Social Media gegen die Schulden?

Wobei die Anfang Oktober 70 Jahre alt gewordene und durch mehrere Lebenskrisen (2004 starb ihre Lebensgefährtin, die US-Essayistin Susan Sontag, an Krebs, kurz darauf ihr Vater Samuel) gezeichnete Künstlerin zuletzt wegen eines beträchtlichen Schuldenberges negative Schlagzeilen machte und von ihren Gläubigern verfolgt und angeklagt wurde. Wie es heute um die Finanzen einer der bestbezahltesten Fotografinnen der Welt steht, ist nicht bekannt. Fakt ist: Zur Ruhe setzt sich die Kameraikone offenbar noch lange nicht.

Die vielen Follower, die Leibovitz binnen weniger Tage auf Instagram gesammelt hat, können also getrost darauf hoffen, dass neue oder gar bis dato unveröffentlichte Bilder in dem Account folgen werden. Wenn nicht spektakulär schön, sind sie doch garantiert ziemlich aussagekräftig.