Permakultur im Garten – wie geht das?

  • Der Begriff klingt positiv und naturnah, aber für viele auch ein wenig abstrakt.
  • Wenn vom Gartentrend Permakultur die Rede ist, wissen die wenigsten, worum es genau geht.
  • Ob dieses Prinzip des nachhaltigen Gärtnerns auch für kleine Gärten und womöglich sogar Balkone geeignet ist, lesen Sie hier.
Stefanie Syren
|
Anzeige
Anzeige

Die große Zahl an Büchern, Websites und Workshops lässt vermuten, dass Permakultur „in“ ist. Dabei ist sie nicht neu – Idee und Begriff entstanden schon in den 1970er-Jahren: Der 2016 verstorbene Australier Bill Mollison gilt als Pionier dieses Konzepts, das sich aus den englischen Worten „permanent“ und „agriculture“ zusammensetzt und als „nachhaltige Landwirtschaft“ übersetzt werden kann. Sein Mitstreiter David Holmgren ist bis heute einer der wichtigsten Protagonisten der Permakulturbewegung. Viele Anhänger betreiben gar keine Landwirtschaft, sondern setzen die Ideen der Permakultur im Garten um.

Keine Patentrezepte

Für Permakultur gibt es keine geschützten Gütesiegel oder Label. Es geht um eine grundsätzliche Lebenseinstellung, die über das Gärtnern hinaus geht. Mollison und Holmgren entwickelten drei Handlungsanweisungen als Basis der Permakultur: Sorge für die Erde und für die Menschen zu tragen („earth care, people care“) sowie fair zu teilen und Konsum zu begrenzen („fair share“). Die kompletten Prinzipien lassen sich beispielsweise unter permacultureprinciples.com nachlesen.

Anzeige

Grundsätzlich geht es darum, das Gärtnern als Teil eines natürlichen Kreislaufs zu sehen. So angelegte Gärten sind im Idealfall sich selbst erhaltende Systeme, die permanent, also dauerhaft im Sinne von nachhaltig funktionieren. Das heißt nicht, dass diese Flächen pflegefrei, sondern dass sie unabhängig von Erdöl oder anderen begrenzten Ressourcen dauerhaft produktiv bleiben. Kunstdünger oder chemische Pflanzenschutzmittel kommen aus diesem Grund ebenfalls nicht zum Einsatz.

Pragmatisch gärtnern

Anzeige

Wie viel Permakultur möglich ist, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Die beiden Begründer Mollison und Holmgren haben ein Idealmodell entwickelt, das den Garten in fünf verschiedene Zonen einteilt: angefangen vom Kräutergarten direkt am Haus bis hin zu Obstbäumen weiter weg und zur Wildnis als Abschluss nach außen. Völlig klar, dass dieses Vorbild nur zu größeren Grundstücken passt. In Kreisläufen zu denken und zu gärtnern ist aber auch im kleinen Maßstab möglich. So wie beim Boden: Nach den Prinzipien der Permakultur sollte er geschützt und bedeckt, also bewachsen oder gemulcht sein. Dadurch soll das Bodenleben aktiv und Feuchtigkeit länger im Boden gehalten werden.

Zum Mulchen eignet sich organisches Material, das ohnehin im Garten anfällt – wie Rasenschnitt oder Laub. Im Sinne der Permakultur handelt es sich nicht um Abfall, sondern um Rohstoffe, die im Garten bleiben und dort zu nährstoffreichem Humus verrotten. Was nicht als Mulch gebraucht wird, kommt auf den Kompost und wird dort zu nährstoffreicher Erde. Säcke mit gedüngtem Substrat sind dann im Idealfall überflüssig.

Ideen für die Stadt

Und auf dem Balkon? Ein Komposthaufen braucht den Anschluss zum Boden und lässt sich dort nicht umsetzen. Dafür verwandeln kleine „Wurmkompostkisten“ Kartoffelschalen und andere Küchenabfälle in Humus. Sie stehen auf dem Balkon und werden vor dem Frost in die Wohnung oder den Keller geholt. Wem das nach zu viel Leben klingt, holt stattdessen Erde vom örtlichen Kompostwerk oder als torffreies Substrat aus dem Handel. Torf ist als begrenzter Rohstoff in der Permakultur tabu – insofern ist in vielen Fällen auch sogenannte „Bio-Erde“ keine Option: Der Begriff „Bio“ ist im Hinblick auf Substrate nicht geschützt und viele „Bio-Erden“ enthalten Torf.

Pflanzgefäße werden im Sinne der Permakultur wiederverwendet. Plastiktöpfe und -kästen sollten zwar nach Möglichkeit nicht gekauft werden – wenn sie aber schon vorhanden sind, werden sie so lange bepflanzt, bis sie irreparabel kaputt sind. Auch Ausrangiertes und vermeintlicher Müll, wie Obstkisten oder Kanister werden zu Gefäßen umfunktioniert. Sparsam verwendet wird auch das Wasser: Während im Permakulturgarten Regentonnen das kostbare Nass speichern, ist es auf dem Balkon einfacher, das Leitungswasser optimal zu nutzen: Wer den Salat zum Beispiel in einer Schüssel wäscht und mit dem aufgefangenen Wasser Pflanzen gießt, geht einen kleinen Schritt in Richtung Permakultur.

Gemeinsam günstig gärtnern

Ganz nebenbei schont Permakultur nicht nur den Naturhaushalt, sondern auch den Geldbeutel. Das gilt nicht nur für Erde, Wasser und Gefäße, sondern beginnt schon bei der Aussaat von Blumen und Gemüse: Statt vergleichsweise teurer Hybridzüchtungen werden samenechte Sorten gesät, die kostenloses Saatgut für die nächste Saison liefern. Wer davon zu viel hat, gibt die Vielfalt im Idealfall weiter: Saatguttauschbörsen sind nur eine der diversen Möglichkeiten, um andere kennenzulernen, die nach den Prinzipien der Permakultur gärtnern und nicht nur Saatgut, sondern auch Erfahrungen teilen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen