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High Fashion

YSL in XXL: Ausstellung vereint Kunst und Couture des französischen Modeschöpfers Yves Saint Laurent

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Modeliebhaber können in diversen Pariser Museen noch bis Mitte Mai eine Ausstellung zum Modeschöpfer Yves Saint Laurent bewundern.

Zwei Kunstwerke hängen nebeneinander. Das eine ist nur zum Ansehen, das andere auch zum Anziehen. Beide zeigen ein ähnliches Motiv: eine schwarz-blaue Kostümjacke mit großen Knöpfen, einmal getragen von der Büste einer Schaufensterpuppe, einmal auf eine Leinwand gemalt. Auf dem Gemälde ragt aus dem Kleidungsstück ein Frauenkopf mit asymmetrisch versetzten Augen und einem spitzen Dreieck als Hut – Elemente des Kubismus, typisch für Pa­blo Picasso. Dessen Bild „Porträt von Nusch Éluard“ inspirierte den Modeschöpfer Yves Saint Laurent erkennbar beim Entwurf der geometrisch gestalteten Jacke. 1979 widmete er Picasso eine ganze Kollektion.

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Sechs Museen beteiligen sich an der Ausstellung

Die beiden Werke, Kunst und Couture, hängen derzeit nebeneinander im Picasso-Museum in Paris. So wird sichtbar, wie der Designer die Malerei als konkrete Inspirationsquelle nutzte. Und nicht nur jene von Picasso. Während seiner langen Karriere ließ sich Saint Laurent, kurz YSL genannt, für seine Kollektionen von Künstlern wie Henri Matisse, Georges Braque oder Pierre Bonnard oder auch von Schriftsteller Marcel Proust beeinflussen. Diesem Dialog, in den er mit anderen Kreativen eintrat, widmet sich eine Ausstellung in Paris, die sich nicht auf einen einzigen Ort beschränkt. Vielmehr sei sie „wie ein Archipel“, sagt Mouna Mekour, eine der Kuratorinnen: „Man kann sie ganz besuchen oder sich seine Inseln aussuchen.“

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„Yves Saint Laurent in den Museen“ heißt die Schau, die von der Stiftung Pierre Bergé – Yves Saint Laurent getragen wird und sich auf sechs große Pariser Kultureinrichtungen erstreckt. Es beteiligen sich der Louvre, das Picasso-Museum, das Musée d‘Orsay, das Museum für zeitgenössische Kunst Centre Pompidou, das Pariser Museum für moderne Kunst sowie das Museum Yves Saint Laurent, welches einen Teil seiner Archive geöffnet hat. In dem ehemaligen Geschäft der Luxusmarke im schicken Pariser Westen, das seit 2004 die Stiftung beherbergt, wird nur ein einziges Kleidungsstück gezeigt: eine Jacke aus dem Jahr 1988 mit Sonnenblumen, die aussehen, als hätte sie Vincent van Gogh direkt auf den Stoff gemalt. Darüber hinaus befinden sich hier 340 Entwürfe des französischen Designers, die eine Vorstellung von seiner Arbeit, seiner Ideenwelt und den Etappen seiner Kreation geben.

Auf Augenhöhe mit großen Künstlern: Yves Saint Laurent.

Auf Augenhöhe mit großen Künstlern: Yves Saint Laurent.

Die Ausstellung läuft noch bis 15. Mai und wurde am 29. Januar eröffnet – genau 60 Jahre nach der ersten Modenschau, die Yves Saint Laurent unter seinem Namen in Paris zeigte und die den Beginn einer spektakulären Karriere markierte. Der damals 26-Jährige hatte seine Anfänge im Haus Christian Dior gemacht und galt von diesem Zeitpunkt an neben Karl Lagerfeld über Jahrzehnte hinweg als großes Genie und absolute Ikone der Pariser Modewelt. Saint Laurent war der erste Modeschöpfer, dessen Kreationen zu seinen Lebzeiten Eingang in Museen fanden. Das Metropolitan Museum of Art in New York widmete ihm 1983 eine erste große Retrospektive. Seither folgten etliche weitere. Nun gibt es also die vielseitige Hommage in Paris, die das Modedesign in die Nähe der Kunst stellt. „Meine Waffe ist der Blick, den ich auf meine Epoche und die Kunst meiner Zeit habe“, sagte der Modeschöpfer. Eine starke Waffe.

Exklusive Mode und imposante Kunst

Im Picasso-Museum ist Saint Laurent ein Raum gewidmet, der mehrere Werke des Modeschöpfers und des spanischen Malers einander gegenüberstellt. Im Museum für moderne Kunst wiederum knüpfen die Muster und Farben von Jacken, einem Mantel und einem Kleid in frühlingshaften Tönen an eine Variation von Édouard Manets „Frühstück im Grünen“ des Pop-Art-Künstlers Alain Jacquet an.

Auch im Centre Pompidou, wo Saint Laurent im Januar 2002 sechs Jahre vor seinem Tod seine letzte Kollektion präsentierte, entsteht ein Dialog der Objekte. Hier verteilen sich die Kleider auf eine umfangreichere Ausstellung, die zahlreiche Meisterwerke unter anderem von Henri Matisse, Georges Braque oder Ellsworth Kelly zeigt. Besonders ins Auge sticht ein Kleid in kraftvollem Orange mit schwarzer Schleife um die Taille und bunten Streifen auf dem Rock, für das Saint Laurent exakt die Farbelemente eines Gemäldes von Robert Delaunay übernahm, welches im Hintergrund hängt. Ähnlich verblüffende Parallelen gibt es auch zwischen dem grafisch gemusterten Cocktailkleid mit dem Titel „Hommage an Piet Mondrian“ und der berühmten „Komposition in Rot, Blau und Weiß II“ des niederländischen Malers aus dem Jahr 1937. Das sogenannte Mondrian-Kleid zählt zu den berühmtesten und erfolgreichsten Entwürfen von YSL.

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Im Impressionistenmuseum Musée d‘Orsay hat man für Yves Saint Laurent den „Uhrensaal“ reserviert. Dort ist unter anderem eine für die Baronin von Rothschild entworfene, elfenbeinfarbene Seidenrobe ausgestellt, die sie 1971 anlässlich eines Balls zum 100. Geburtstag des Schriftstellers Marcel Proust getragen hat. Im Werk des Autors von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sei die Frage nach dem Geschlecht sehr präsent, sagt Kuratorin Mekour: „Proust gab seinen Figuren pluralistische und wechselnde Identitäten. Das hat Yves Saint Laurent zutiefst geprägt, der 1966 seinen ersten Smoking kreierte.“ Wohlgemerkt handelte es sich um Smokings für Damen, von denen mehrere Exemplare im Musée d‘Orsay präsentiert werden – mit dieser Alternative für das klassische Abendkleid gelang Saint Laurent eine kleine Revolution. Über Jahrzehnte hinweg hat der Designer den Smoking für die Dame immer wieder neu interpretiert.

Der Pariser Louvre reservierte den prachtvollen Apollo-Saal für seinen Teil der YSL-Ausstellung. Die üppigen Goldverzierungen an Wänden und Decken treten in einen Dialog mit Entwürfen, die Saint Laurents Faszination für die Farben der Sonne und des Lichts zeigen. Darunter eine silberne, mit Bergkristall und Goldelementen bestickte Seidenjacke aus der Frühlings-/Sommerkollektion 1990, die Saint Laurent „Hommage an mein Haus“ (gemeint war wohl sein Modehaus) genannt hatte, da sie „eine Abspiegelung des Himmels und der Sonne“ darstelle. Hier ist auch die Brosche aus Strass in Herzform ausgestellt, die bei jedem seiner Defilees eine seiner Musen trug. Ob man sich die Schau in ihrer Gesamtheit oder lediglich einzelne „Archipele“ anschaut – sie ist eine gelungene Hommage an den Modeschöpfer und Kunstliebhaber, der die Kreativität der anderen zu schätzen wusste.

Preise und Öffnungszeiten für die Schau richten sich nach den jeweiligen Museen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Mai.

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