Welches Outfit triumphiert bei Olympia? Ein Stylecheck

  • Jede Nation will sich bei den Olympiaspielen in Tokio von der besten Seite zeigen.
  • Dabei geht es nicht nur um Fairness und Fitness, sondern auch ums Outfit: Und das soll Statements setzen.
  • Ein Stylecheck.
Kerstin Hergt
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Wer verreist, richtet sich beim Kofferpacken nicht zuletzt nach dem Wetter am Zielort. Für Tokio bedeutet das: heiße Tage mit Temperaturen um die 30 Grad ohne nennenswerte Abkühlung in der Nacht sowie eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 70 Prozent.

Urlaubsgäste kommen bei so einer schon fast subtropischen Wetterlage locker mit luftiger Strandkleidung aus. Doch die Olympioniken und Olympionikinnen haben traditionell viel repräsentative Garderobe im Gepäck. Da gibt es neben der regulären Wettkampfkleidung auch unterschiedliche Outfits für die Eröffnungs- und Abschlussfeier, für Siegerehrungen und Fernsehauftritte sowie für den „zivilen“ Look im olympischen Dorf.

Die Zusammenstellung der Kleidung folgt der Devise „dressed for success“, muss in diesem Jahr aber besonders auch die klimatischen Bedingungen berücksichtigen. Beim Design gleichzeitig modische Highlights zu setzen, Nationalstolz zu unterstreichen und für Tragekomfort trotz schweißtreibender Bedingungen zu sorgen gelingt den einzelnen Nationen mal mehr, mal weniger einfallsreich.

Japan: weiße und rote Akzente

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Das Gastgeberland gibt sich sowohl nostalgisch als auch innovativ: Die Delegation bei der Eröffnungsfeier wird, in Erinnerung an Olympia 1964 in Tokio, genau wie damals in weißen Oberteilen, hellen Blazern und roten Hosen beziehungsweise Röcken einmarschieren.

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Damals fanden die Spiele allerdings im Oktober statt – eine Jahreszeit, die auch in Japan blazertauglich ist. Bei den schwülwarmen Temperaturen im Juli und August könnte dieses Outfit selbst den Japanern und Japanerinnen die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Für die Wettkämpfe stellt Asics die Garderobe. Die japanische Marke hatte dafür im Vorfeld das Reborn Wear Project (ARWPJ) ins Leben gerufen und „erinnerungsträchtige Sportkleidung“ von Menschen im ganzen Land gesammelt, um daraus Polyesterfasern zu extrahieren und für die neue olympische Kleidung zu recyceln.

Deutschland: funktional und bodenständig

Deutschland zeigt sich praktisch und bodenständig: Das Land der Funktionsjackenträgerinnen und -träger setzt auf atmungsaktive Kleidung von Adidas. Der Sportartikelhersteller stattet das rund 400-köpfige Team mit einer besonders nachhaltigen Kollektion aus, deren Material zum Teil aus recyceltem Ozeanplastik besteht.

Farblich dominieren Mintgrün und Gelb sowie Orange-Rot. Der Bundesadler ziert den Oberarm von Jacken und Shirts, ist auf Oberteilen aber auch als dekonstruierte großflächige Variante zu sehen. Die Deutschland-Farben der Jacken fürs Posen auf dem Podium erscheinen in Form von diagonal verlaufenden Balken.

Die Kanutin Andrea Herzog bei der Einkleidung des Teams Deutschland für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. © Quelle: imago images/Eibner
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Bei der Wettkampfkleidung soll die exakte Platzierung von Belüftungszonen für angenehme Kühlung sorgen. Melina Hartmann, für die Kollektion verantwortliche Designerin bei Adidas, hat die Tokiolinie unter das Motto „Unity und Diversity – Einheit und Vielfalt“ gestellt. Damit „können die Athletinnen und Athleten ihre Verbundenheit zu Deutschland zeigen und gleichzeitig durch miteinander kombinierbare Farben und Schnitte ihren eigenen Stil ausdrücken“, sagte sie bei der Vorstellung.

Denise Schindler, Radsportlerin in der Paracycling-Klasse C3, gefällt’s: „Es erfüllt mich mit Stolz, das Teamoutfit tragen zu dürfen“, wird sie auf der Seite des Deutschen Olympischen Sportbunds zitiert.

Kanada: mutiger Streetstyle

Kanada beweist, dass die Olympiamontur nicht immer Euphorie auslöst. So hagelte es für das von der kanadischen Kaufhauskette Hudson’s Bay entworfene Outfit für die Abschlussgala harsche Kritik in Medien und sozialen Netzwerken.

Stein des Anstoßes ist vor allem eine Levi’s-Jeansjacke mit Patches und Graffitioptik. Sie wirkt ein bisschen so, als hätten Jugendliche sie handbemalt. Die „New York Times“ verglich die Teamkleidung denn auch mit dem Outfit von Straßengangs.

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Tatsächlich aber soll sie eine Hommage an die Kunst- und Streetstyleszene Japans sein. Unter modischen Gesichtspunkten hat das Medaillenrangqualität.

USA: ganz klassisch

Die USA mögen zwar über das Nachbarland lästern, haben aber selbst nichts Neues im Gepäck: Die weiß-rot-blauen Ralph-Lauren-Kreationen für die Teamauftritte kennt man schon von vergangenen Spielen.

Dafür machen die amerikanischen Athletinnen mit ihrer Unterwäsche von sich reden: Selbstvermarktungskünstlerin Kim Kardashian hat sie entworfen.

Russland: Betonung des Nationalen

Russland hat bei der Vorstellung seiner Olympionikenausstattung im April Trainingsanzüge mit dem Schriftzug „Russia“ präsentiert – eine kleine Provokation.

Russland hat bei der Vorstellung seiner Olympionikenausstattung im April Trainingsanzüge mit dem Schriftzug „Russia“ präsentiert. © Quelle: imago images/ITAR-TASS

Denn wegen des Dopingskandals bei den Winterspielen 2016 in Sotschi und nach einem entsprechenden Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs dürfen russische Sportler und Sportlerinnen nur unter bestimmten Voraussetzungen und als „neutrale Athleten“ teilnehmen.

Die Auswahl startet in Tokio daher unter dem Kürzel „ROC“ für „Russisches Olympisches Komitee“. Auch die Nationalflagge ist tabu. Doch die Wettkampfkleidung lässt trotzdem die russischen Farben Weiß, Blau und Rot erkennen.

Australien: diesmal lieber lässig

Down Under macht – endlich mal – kleidungstechnisch alles richtig: „Lässig, praktisch, inspirierend“ seien die Outfits, lobte der britische „Guardian“.

Vor dem Abflug nach Tokio stehen Athletinnen und Athleten des australischen Olympiateams in ihren Olympiaoutfits auf dem Rollfeld bereit. © Quelle: imago images/AAP

Bei vergangenen Spielen fiel der kleinste Kontinent eher mit modischen Fehltritten wie karierten Hemden oder Animalprints auf. Jetzt gehört er mit seinen weiß-grün-gelben Entwürfen aufs Olympiamodetreppchen.

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