Neues Jahr, wenig Schwung? Was gegen Erschöpfung hilft

  • Neues Jahr, neue Pläne, neuer Schwung? Irrtum. Pünktlich zum Jahresbeginn schwinden bei vielen Menschen die Kräfte.
  • Das hat verschiedene Gründe: Licht- und Bewegungsmangel gehören dazu. Corona verstärkt die emotionale und oft auch körperliche Erschöpfung.
  • Psychologin Tanja Michael hat einen unaufgeregten Tipp.
Katrin Schreiter
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Hannover. Der Januar – oft ist er grau und trüb. Und schon nach wenigen Tagen im neuen Jahr zeigt sich, was von den guten Vorsätzen zu halten ist: Nichts – oder zumindest nicht viel. „Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, warum wir Anfang des Jahres müde und schlapp sind“, sagt Tanja Michael, Professorin für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität des Saarlandes. „Das ist kein Anlass zu großer Sorge.“

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Schlaf- statt Glückshormon

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Als Erstes wäre da der Lichtmangel: „Das ist ja wissenschaftlich hinreichend erwiesen, dass es in der dunklen Jahreszeit an Botenstoffen wie dem Glückshormon Serotonin fehlt. Stattdessen wird das Schlafhormon Melatonin vermehrt ausgeschüttet. Außerdem kann es zu einem Mangel an Vitamin D kommen.“ Das alles könne aufs Gemüt schlagen, antriebslos machen.

„Dazu kommt, dass sich die meisten Menschen eher verkriechen, als nach draußen zu gehen“, weiß die Fachfrau. „Aber vom Ausruhen auf der Couch allein laden sich die Batterien nicht auf.“ Die Psychologin empfiehlt deshalb, regelmäßig bei Tageslicht an die frische Luft zu gehen. „Das klingt zwar simpel, ist aber meist die beste Medizin.“ Alternativ könnten auch Tageslichtlampen helfen.

Anspannung mit Folgen

Einen weiteren Grund für die Müdigkeit im Januar sieht Michael in den Festtagen, die viel Kraft gekostet hätten. „Man ist beschäftigt, aktiv, bereitet viel vor, damit zum Fest und zu Silvester alles möglichst perfekt wird. Das ist oft auch eine große innere Anspannung, die man erst danach spürt.“

Corona trage zusätzlich zur Mattigkeit bei, so die Wissenschaftlerin. „Schon allein die Entscheidungen, mit wem und mit wie vielen Leuten kann ich in der Pandemie feiern oder wie oft muss ich mich testen und so weiter, kann ermüdend sein.“

Zudem fühlten sich viele Menschen von den Belastungen der letzten Monate körperlich und emotional erschöpft, meint Michael und nennt als Beispiel Intensivmediziner und ‑pflegekräfte oder Alleinerziehende im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling.

„Viele schauen voller Sorge auf das neue Jahr, weil sie nicht wissen, wie sich ihre berufliche Situation entwickeln wird.“ Nicht zuletzt sei es derzeit schwer, Urlaubspläne zu machen und sich auf schöne freie Tage – zum Beispiel im Sommer – zu freuen.

Nicht alles negativ sehen

Ist man dieser Schlappheit hilflos ausgeliefert? Michael relativiert: „Es ist nicht schlimm, wenn man sich mal müde fühlt“, sagt die Psychologin und rät: „Es ist sehr hilfreich, wenn man diesen Zustand akzeptiert, als einen vorübergehenden. Schließlich kann man ja nicht jeden Tag topfit sein.“

Wichtig sei vielmehr, dass man nicht gleich alles negativ bewertet und in die Zukunft projiziert.“ Ein wenig mehr Gelassenheit würde helfen. Und die Erkenntnis: Man darf zu Jahresbeginn ruhig auch ein wenig müde sein.“

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