Nachhaltige Kerzen: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Paraffin, Palmöl oder Bienenwachs: Je nach Rohstoff sind Kerzen mehr oder weniger nachhaltig.
  • Orientierung liefert zum Beispiel der jüngst erschienene „Kerzencheck“ der Deutschen Umwelthilfe.
  • Außerdem nachhaltig: Aus Wachsresten kann man in der heimischen Küche neue Kerzen gießen.
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Der Tee dampft, die Kerze flackert: eine Atmosphäre zum Wohlfühlen im nass-nebeligem Herbst. Knapp eineinhalb Kilo Kerzen zündete jeder Europäer im Schnitt im Jahr 2018 an. Das geht aus einer Statistik des europäischen Kerzenverbandes (ECA) hervor. Doch Kerze ist nicht gleich Kerze. Je nachdem, welche Rohstoffe Hersteller für die Wachslichter verwenden, sind sie mehr oder weniger nachhaltig.

Für Verbraucher ist es momentan schwer nachzuvollziehen, woraus die Kerze besteht, die sie im Laden in der Hand halten. „Es fehlt Transparenz“, bemängelt Stefan Thomann, Geschäftsführer des ECA. Bisher müssen auf Kerzen nämlich keinerlei Angaben zu den Rohstoffen stehen, die im Produkt enthalten sind.

Paraffin hat eine schlechte Klimabilanz

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Laut dem ECA ist das meistens Paraffin. „Dieser Rohstoff ist so beliebt, weil er universell einsetzbar ist“, erklärt Thomann. Gießen, pressen oder ziehen: Paraffin lässt sich mit jedem Verfahren zu Kerzen verarbeiten. Billig ist der Rohstoff aber schon seit gut 15 Jahren nicht mehr, weiß der Experte. Die Raffinerietechnik habe sich verändert. Paraffin falle mittlerweile kaum noch als Nebenprodukt beim Verarbeiten von Erdöl an.

Die Deutsche Umwelthilfe und die Verbraucherzentrale Hamburg halten Kerzen aus Paraffin für nicht empfehlenswert. Grund dafür ist ihre schlechte Klimabilanz.

Eine Alternative sind Kerzen aus Stearin. Ausgangsstoffe dafür sind oft Palmöl, Kokosfette und seltener Tierfette. Letztere seien vor allem in Skandinavien beliebt, sagt ECA-Chef Thomann. Als Stearinkerzen beworbene Produkte müssen laut der Verbraucherzentrale mindestens zu 90 Prozent aus Stearin bestehen. Damit die Kerzen nicht bröckeln, mischen Hersteller gern etwas Paraffin hinzu.

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Palmöl aus nachhaltigem Anbau

Auch diesen Rohstoff sieht die Deutsche Umwelthilfe kritisch. „Wachs aus pflanzlichem Stearin und gehärtetem Pflanzenfett wird meist aus Palmöl hergestellt, das aufgrund von Regenwaldrodungen immer wieder in die Schlagzeilen gerät“, informiert die Organisation. Ähnlich wie beim Soja wird auch für Ölpalmenplantagen der tropische Regenwald abgeholzt. Besonders betroffen von dieser Palmölproblematik sind Malaysia und Indonesien.

Wenn schon Palmöl, dann sollte es laut der Deutschen Umwelthilfe aus zertifiziert nachhaltigem Anbau stammen. Denn dann dürfen die Palmen nicht auf neu gerodeten Flächen gepflanzt werden. Um den Verbrauchern mehr Transparenz zu bieten, hat die Organisation den DUH Kerzencheck initiiert. Darin listet sie auf, welche Unternehmen laut eigenen Angaben Palmöl aus nachhaltigen Quellen für ihre Kerzen verwenden. Dazu zählen zum Beispiel die Drogeriemarktkette dm, Aldi Nord, Aldi Süd, die Biomarktkette Alnatura und Ikea.

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Bienenwachskerzen sind nachhaltig

Weitere Alternativen zum Palmöl sind heimisches Rapsöl, andere Biomasse oder Bienenwachs. Letzteres gebe es aber nur in geringen Mengen auf dem Markt. Bienenwachskerzen dürfen sich laut der Verbraucherzentrale nur so nennen, wenn sie zu 100 Prozent aus Bienenwachs bestehen. „Verbraucher, die ein bisschen weniger Romantik vertragen, können zudem auch langlebige LED-Kerzen wählen“, sagt die Deutsche Umwelthilfe.

Pulverpressverfahren, Gießverfahren oder Kerzen ziehen: Wie die Kerzen hergestellt werden, habe keinen Einfluss auf die Nachhaltigkeit, meint Thomann. „Entscheidend ist, welcher Rohstoff verwendet wird“, sagt der Geschäftsführer des ECA.

Aluminium und Rotschlamm

Was aber in Sachen Nachhaltigkeit beim Kauf der Kerzen zu berücksichtigen ist: die Verpackung. Teelichter in Aluminiumtöpfchen sollte man besser nicht kaufen. Das Leichtmetall wird aus Bauxit gewonnen. Um an das Erz zu gelangen, werden laut der Verbraucherzentrale Hamburg auch Urwälder abgeholzt. Bei der Aluminiumproduktion entsteht giftiger Rotschlamm. Der landet dann auf Deponien und teilweise sogar in Flüssen. Aluminium ist also ein Material, das man besser nicht für Wegwerfprodukte wie Teelichter einsetzen sollte. Stattdessen eigenen sich wiederverwendbare Gefäße aus Glas oder Keramik.

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Transparenz gibt es auf dem Kerzenmarkt bisher wenig. Orientierung beim Kauf bietet das Ral-Gütezeichen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz empfiehlt dieses Siegel. Kerzen, die das Ral-Gütezeichen tragen, tropfen nicht. Außerdem sind sie ruß- und raucharm. Hersteller dürfen keine schadstoffbelasteten Rohstoffe, Farben und Lacke benutzen. Allerdings: Auch Kerzen aus Paraffin können dieses Siegel tragen.

Biokerzen genau prüfen

Am ehesten zu empfehlen sind laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Bienenwachskerzen – am besten aus einer Bioimkerei. Doch auch hier lohnt sich genaues Hinschauen. Der Begriff „Bio“ ist in Deutschland nur bei Lebensmitteln gesetzlich geschützt. Für Kosmetika oder Kerzen gilt: Jeder kann seine Produkte so deklarieren. Im Zweifel sollte man immer beim Händler nachfragen, welche wie zertifizierten Rohstoffe in der Kerze enthalten sind.

Paraffin, Stearin oder Bienenwachs: Alle Rohstoffe haben Vor- und Nachteile. „Eine klare Empfehlung im Bezug auf die Nachhaltigkeit auszusprechen, ist schwierig. Es kommt darauf an, was der Verbraucher will“, meint ECA-Geschäftsführer Thomann. Paraffin lehnten Käufer ab, die besonders auf ihre CO₂-Bilanz achteten. Kerzen aus tierischem Stearin oder Bienenwachs seien nichts für Veganer. Auch nachhaltiges Palmöl lehnten manche Verbraucher kategorisch ab. Thomanns Fazit: „Jeder muss nach seinen eigenen Kriterien entscheiden, welches Produkt er kauft.“

DIY-Tipp: Aus Wachsresten neue Kerzen gießen

Aus Wachsresten lassen sich selbst Kerzen gießen. Hier steht die minimalistische Variante: Wachs in einem Einmachglas, das gleichzeitig als Windlicht taugt. © Quelle: Sarah Franke

Ob beim Teelicht oder einer Stumpenkerze: Oft bleiben Wachsreste übrig. Statt diese in den Mülleimer zu schmeißen, kann man die Reste sammeln und neue Kerzen daraus gießen.

Das wird gebraucht:

- Wachsreste

- ausgespülte Konservendose oder Einmachglas

- Trink- oder Einmachglas als Kerzenform

- Baumwollfaden

- Topf mit Wasser

- Holzstäbchen oder altes Besteck

So geht’s:

1. Wasser erhitzen, aber nicht kochen lassen. Einen Teil der Wachsreste in die ausgespülte Konservendose oder das Einmachglas füllen. Im Wasserbad unter Rühren schmelzen. Wer Wert auf ein möglichst intensives Farbergebnis legt, sortiert die Wachsreste vorher nach Farben. Ansonsten gilt: Experimentieren und zum Beispiel weißes Wachs mit farbigem gemeinsam einschmelzen.

2. Einen Baumwollfaden als Docht zurecht schneiden – nicht zu knapp. Synthetische Materialien eigenen sich nicht als Docht. Den Faden in das geschmolzene Wachs legen und sich einige Minuten vollsaugen lassen. Eventuell wiederholen. Docht zum Trocknen aufhängen, zum Beispiel über ein Holzstäbchen. Alternativ gibt es Dochte fertig zu kaufen.

Aus Wachsresten lassen sich neue Kerzen gießen. Wichtig ist, den Docht richtig zu fixieren und am Boden mit etwas Wachs zu befestigen. © Quelle: Sarah Franke

3. Wenn der Docht trocken ist, mittig über das als Kerzenform gewählte Glas fixieren, zum Beispiel mittels Holzstäbchen und Faden (siehe Bild oben). Etwas flüssiges Wachs in das Glas gießen und fest werden lassen. So wird der Docht am Boden fixiert und verrutscht nicht.

4. So viel Wachs im Wasserbad einschmelzen, wie für das gewählte Gefäß nötig ist. Immer wieder mit Holzstäbchen oder altem Besteck umrühren. Das flüssige Wachs vorsichtig in das Glas gießen. Fest werden lassen. Den Docht einkürzen. Fertig ist die recycelte Kerze. Wer sie aus dem Glas nehmen möchte, stellt das Gefäß mit der Kerze für einige Minuten in den Gefrierschrank. So lässt sie sich leichter herauslösen.

Tipp: Kerzen müssen nicht schlicht in einer Farbe gegossen werden. Wie wäre es mit einer Schichtkerze? Dafür Wachs getrennt nach Farben einschmelzen. Je eine Schicht gießen, fest werden lassen und dann die nächste darauf gießen. Wer das Glas etwas gekippt hinstellt, kreiert Kerzen mit diagonalen Schichten. Im Bastelfachhandel gibt es färbendes Wachs. Wer Duftkerzen mag, fügt dem flüssigen Wachs einige Tröpfchen ätherisches Bioöl hinzu.

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