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Mode als Protestaktion: Wie russische Designer ihre Wut zum Ausdruck bringen

  • Mode muss nicht immer trendy und schick sein, zumindest im klassischen Sinne – sie kann auch unbequeme Themen aufgreifen und Statements setzen.
  • Wie in Russland, wo einige Designer mit bunten T-Shirts und Pullovern ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollen.
  • Neben dem Wunsch nach Freiheit und Liebe zeigen die Designer auch deutlich, was sie von der russischen Polizei halten.
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Hannover. In Moskau gab es in diesem Sommer massive Proteste begleitet von gewalttätigen Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Mehr als 1000 Verhaftungen waren die Folge. Besonders junge Menschen waren bei der illegalen Kundgebung der Opposition vor Ort, wo sie für freie und faire Wahlen protestierten.

Demonstrationen, Proteste und Verhaftungen – all das ist mittlerweile Alltag in Russland. Unterstützung bekommen die Demonstranten nun von russischen Designern wie Jegor Jeremeyew und seiner Frau Alina Musytschenko. Sie zeigen Solidarität mit der Protestbewegung in Form von Mode.

Mit ihrem Kleiderlabel Kultrab transportieren die Designer Botschaften. So auch mit ihrer neusten Kreation: Ein T-Shirt, das die Festnahme einer Demonstrantin zeigt und den Aufdruck „Freiheit und Liebe“ trägt. Laut Modedesigner Jegor Jeremeyew zeige das T-Shirt, worum es wirklich geht und was man sich von der Regierung wünsche: „Freiheit und Liebe. Sie sollten keine Menschen verprügeln, sondern darüber nachdenken, wie man eine freundliche Gesellschaft aufbaut.“ Das T-Shirt war binnen weniger Tage ausverkauft.

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Statement: Pussy Riot entwarfen für Kultrab

Das russische Label Kultrab hatte bereits einen „berühmten“ Kooperationspartner: Pussy Riot. Die Aktivistinnen wurden 2012 über die Grenzen Russlands hinaus bekannt, da drei von ihnen nach einem Skandalauftritt in einer Kirche verhaftet worden waren. Die Frauen wurden zu jeweils zwei Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

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Gemeinsam mit Kultrab entwarfen die Aktivistinnen 2018 die Kollektion „It Gonna Get Worse“. Highlight der Kollektion sind vermutlich die Sturmhauben – das Markenzeichen von Pussy Riot – in verschiedenen Farben.

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Gefürchteter Artikel 228

Was die Designer von der russischen Polizei halten, machen sie – möglicherweise – mit einem zarten weißen T-Shirt deutlich. Blumenranken zeigen die Zahl 228. Das romantische Kleidungsstück bezieht sich dabei allerdings auf die Artikel 228 und 229, welche den Kauf, Besitz und Verkauf von Drogen verbieten. So kommt es jährlich zu Tausenden Verhaftungen, und die Regierung fährt quasi eine Null-Toleranz-Schiene gegen Missbräuche.

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Modebranche in Russland bekennt Farbe
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Die Opposition in Russland bekommt unerwartet Schützenhilfe von der heimischen Modebranche.  © AFP

Allerdings gibt es Verschwörungstheorien, die besagen, dass in vielen Fällen die Polizei den Beschuldigten die Drogen untergeschoben habe. Ob nun aus Angst vor dem Gesetz oder aus Wut vor korrupten Polizisten – die Zahl 228 ist ebenfalls ein Statement in Russland.

Die russische Polizei wird parodiert

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Ebenfalls sehr beliebt: Der Schulbus-Pulli vom russischen Modelabel Barking Store. Das Motiv zeigt einen Polizeiwagen mit der Aufschrift „School Bus“, in dem junge verhaftete Demonstranten sitzen – ein Fingerzeig darauf, dass die Protestbewegung immer jünger wird.

Roman Belusow betreibt das Modelabel Barking Store und freut sich über den Erfolg – aus zwei Gründen: „Du läufst in Moskau rum und siehst Leute, die unsere T-Shirts tragen und die gleiche Meinung vertreten wie wir. Das ist ein cooles Gefühl. Für mich ist es doppelt schön: Sie tragen unsere Klamotten, aber es ist auch cool, weil du mitkriegst, dass es viele Gleichgesinnte gibt.“

Statements lassen sich in Russland viele setzen – und das scheinen die Leute verstärkt zu tun, die ausverkauften Artikel der Modelabels deuten zumindest darauf hin.

RND/Alice Mecke