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Mit kleinen Schritten zum großen Glück: So funktioniert die japanische Erfolgsformel Kaizen

  • Einst war die Methode des Kaizen nur dazu gedacht, um einen Betrieb Stück für Stück zu verbessern.
  • Doch wie ein neues Buch der englischen Autorin Sarah Harvey zeigt, lässt sie sich darüber hinaus gut auf alle Lebensbereiche anwenden.
  • Auf diese Weise kann Kaizen für ein erfüllteres Dasein sorgen.
Helene Kilb
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Um das Prinzip von Kaizen (sprich: “Kai-sen”) am anschaulichsten zu erklären, lässt man am besten Beppo zu Wort kommen, den Straßenkehrer in Michael Endes Roman “Momo”: “Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich”, sagt er, “das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu beeilen, jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.”

Weiter verrät der Straßenkehrer Beppo: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.”

Von der Arbeits- zur Lebensphilosophie

Übersetzt bedeutet der japanische Begriff “Kaizen” so viel wie “Veränderung zum Besseren”. Wie bei Beppo, dem Straßenkehrer, bezog sich Kaizen zunächst auch nur auf die Arbeit. Denn das Konzept entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als Japans Wirtschaft zum Erliegen gekommen war. Die Lösung, um diese wieder in Gang zu bringen, war bald gefunden: Mitarbeiter wurden nach Kritik und Verbesserungsvorschlägen gefragt, Kundenbefragungen durchgeführt und Prozesse ständig optimiert, um die Produktion effizienter und die Produkte noch besser zu machen.

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Doch mittlerweile hat sich Kaizen vom reinen Arbeitskonzept zu einer umfassenden Lebensphilosophie gewandelt. Auf diese Weise kann Kaizen dazu beitragen, mehr Harmonie und Zufriedenheit in die verschiedensten Lebensbereiche wie Gesundheit, Beruf, Geld, Zuhause und Familie zu bringen.

Alte Routinen ablegen

Wie genau das funktioniert, zeigt das gerade erschienene Buch “Kaizen: Schritt für Schritt zu einem erfüllten Leben mit der japanischen Erfolgsformel” von Sarah Harvey. Dabei spricht die Autorin aus eigener Erfahrung. In ihrem Londoner Verlagsjob dem Burn-out nahe, beschloss sie 2017 nach Japan zu ziehen. Dort entdeckte sie das Prinzip von Kaizen – und begann, mit dessen Hilfe alte Routinen abzulegen und sich neue positive Gewohnheiten anzueignen. Dazu gehörte zum Beispiel, weniger aktiv auf Social Media zu sein, sich besser um sich selbst zu kümmern, jeden Morgen einige Minuten Yoga zu üben und nicht bis spät in die Nacht zu arbeiten.

Sarah Harvey: “Kaizen – Schritt für Schritt zu einem erfüllten Leben mit der japanischen Erfolgsformel”, Irisiana Verlag, 272 Seiten, 18,00 Euro. © Quelle: Irisiana Verlag

Eine Inventur für verschiedene Lebensbereiche

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Nach einer kurzen Einführung beschreibt Sarah Harvey, wie der Einstieg am besten gelingt: Als Erstes hilft es, sein Leben oder einzelne Lebensbereiche einer Art Inventur zu unterziehen. Beispielsweise beim Thema Gesundheit könne man fragen: “Wie ist es um Ihren Körper, Ihren Geist, Ihre Ernährung, Bewegung und Ihren Schlaf bestellt? Womit sind Sie zufrieden, was könnte besser sein?” Beim Thema Beruf und Karriere biete es sich an, seine Work-Life-Balance zu hinterfragen oder wie zufrieden man mit der Arbeit an sich und den Kollegen sei.

Was das Monetäre angeht, solle man einen ehrlicher Blick auf den aktuellen Finanzstatus und den eigenen Umgang mit Geld werfen. So könnte man sich zum Beispiel fragen, ob man unkontrolliert Geld ausgibt oder ob es vielleicht einen lang gehegten Wunsch gibt, für den es sich zu sparen lohnt. Weiter geht es mit den Themen Wohnen sowie der Beziehung zum eigenen Partner, zur Familie, zu Freunden und dem Punkt “neue Herausforderungen”. Darunter fällt alles, was sich über Jahre oder Jahrzehnte so an Wünschen und Träumen angesammelt hat: einen Kochkurs belegen, einen Marathon laufen, Gitarre spielen lernen, mehr Allgemeinwissen haben, das Kinderzimmer renovieren oder endlich einmal Jane Austens “Stolz und Vorurteil” lesen.

Einzelne Aspekte des Lebens langsam verbessern

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Sind die Antworten auf all diese Fragen notiert, ergibt sich mehr oder weniger ein Bild der aktuellen Lebenssituation. Auf einem neuen Papier widmet man sich jedem zuvor beleuchteten Bereich dann noch einmal ausgiebig. Und fragt sich: Welche positiven Aspekte sehe ich in diesem Bereich bereits? Wie sollte dieser Bereichs idealerweise für mich aussehen? Was kann ich selbst – in kleinen Schritten – an meinem Verhalten ändern, um die Idealsituation zu erreichen? Und: Wie lange soll es dauern, bis das Ziel erreicht ist?

Das Beantworten kann durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen: “Sie können sich jeden Tag eines der Gebiete vornehmen und Ihre Antworten im Laufe einer Woche zusammensammeln”, schreibt Harvey. “Vielleicht finden Sie ganz plötzlich eine Antwort, womöglich unter der Dusche oder in der Warteschlange beim Bäcker.”

Umfassende Anleitung, um das eigene Leben zu entrümpeln

In den sechs folgenden Kapiteln widmet sich die Autorin jedem der Gebiete noch einmal genauer und versorgt den Leser mit Fragestellungen für eine noch genauere “Inventur” des Bereichs. Sie gibt Tipps für Verbesserungen, konkrete kleine Kaizen-Schritte, neue Impulse und nützliche Tools wie etwa ein Dankbarkeitstagebuch. Auf diese Weise entsteht eine umfassende Anleitung, das eigene Leben zu entrümpeln und statt negativer alltäglicher Muster neue positive Gewohnheiten darin einziehen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund scheint es umso passender, dass die eingangs erwähnte Figur des Beppo aus dem Buch “Momo” ausgerechnet von einer Straße spricht: Schließlich könnte diese sehr gut für den individuellen Lebensweg stehen, den jeder von uns beschreitet. Statt durchs Leben zu hetzen, lohnt es sich, einmal langsam zu machen, einen ehrlichen Blick auf die eigene aktuelle Situation zu werfen und diese dann bei Bedarf zu verbessern – und zwar Schritt für Schritt.


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