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Königreich der Nacht: So belebt eine Ausstellung das New Yorker Studio 54 wieder

  • Das Studio 54 in New York war Ende der Siebzigerjahre die Disco schlechthin.
  • Eine Ausstellung in Dortmund zeigt die „Welt zwischen Himmel und Hölle“, wie die Mutter eines US-Präsidenten den Club nannte.
  • Die Foto von damals zeigen: Auch die Mode ist heute wieder in.
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Was zieht man an, wenn man in die berühmteste und angesagteste Disco der Welt geht? Was trägt man, wenn man weiß, dass man die ganze Nacht durchtanzen und vielleicht auch Drogen nehmen wird, wenn man erwartet, vibrierende Lust und schnellen Sex zu erleben? Wenn man nicht weiß, ob einen der Himmel oder die Hölle erwartet?

Das Studio 54 in New York war 33 Monate lang die Welthauptstadt der Partyszene. Glamouröse Promis und feierlustige Normalo-New-Yorker, Frackträger und Nacktgeher, Hetero- und Homosexuelle, Verklemmte und Enthemmte – hier trafen sich alle, die der strenge Türsteher passieren ließ, zu legendären Partynächten. Sie nannten es Freiheit.

Das Studio 54 – benannt nach seiner Lage an der West 54th Street – feierte seine Eröffnung am 26. April 1977. Die beiden Gründer Steve Rubell und Ian Schrager, die im Februar 1980 wegen eines Steuerskandals wieder schließen mussten, hatten 5000 Einladungen verschickt. Als sich die Massen vor der Tür sammelten, wurde der Laden bereits am ersten Abend zum „place to be“. Cher, Frank Sinatra, Bianca Jagger, Margaux Hemingway und der damals noch recht unbekannte Donald Trump feierten die Eröffnungsnacht mit. Der Club wurde vom ersten Tag an zum Magneten für Promis und Nichtpromis.

Jackson, Minnelli, Halston: In den Siebzigern feierten alle im Studio 54

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Überhaupt die Musik – wer die Ausstellung betritt, dem fliegen sofort die Discohits der Siebziger um die Ohren: „Staying Alive“ der Bee Gees, „Le Freak“ von Chic oder „Upside Down“ von Diana Ross. Der berühmte Hit „Le Freak“ hat seine besondere Verbindung zum Studio 54: Die beiden Musiker Bernard Edwards und Nile Rodgers waren Ende 1977 von Grace Jones zur Silvesterparty in dem Nachtclub eingeladen worden, wo Jones auftrat. Als die beiden durch die Backstagetür in den Club wollten, glaubte ihnen der Türsteher nicht und wies die beiden mit den Worten „Fuck off“ ab. Frustriert gingen sie nach Hause, musizierten ein wenig vor sich hin, und sangen immer wieder „Fuck off – Fuck Studio 54″. Die spontane Melodie gefiel ihnen, den Text änderten sie in „Ah, freak out – Le freak, c‘est chic“ und der Song wurde zum Hit. Natürlich lief er dann auch im Studio 54.

Neben der Musik der Zeit präsentiert die Dortmunder Schau zahllose Fotos aus dem New Yorker Nachtclub. Michael Jackson lächelt in jungen Jahren in die Kamera, halb nackte Menschen feiern tanzend Halloween, Liza Minnelli hat Spaß mit dem Designer Halston, Bianca Jagger reitet auf einem Pferd in die Disco. Das Pferd ist Teil einer der skurrilsten Geschichten der Studio-54-Historie.

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Bianca Jagger feiert ihren Geburtstag im Studio 54 – und reitet augenscheinlich auf einem Pferd in die Disco. © Quelle: Rose Hartman

„Eine Diktatur an der Tür und eine Demokratie auf der Tanzfläche“

Vor der Eingangstür wachte damals der Türsteher Marc Benecke so wie heute sein Pendant Sven Marquardt vor dem Berghain. Benecke entschied, wer in ist und wer rein darf. Natürlich versuchten es die Gäste mit möglichst verrückten Outfits, die Schwelle ins Heiligtum der Partygesellschaft zu übertreten. Doch für den Herrn über den Zutritt war die Mischung wichtig – Benecke nannte es „gemischten Salat“, was er da Abend für Abend anrichtete. Andy Warhol kommentierte die Alleinherrschaft von Benecke einst mit den Worten: „Es ist eine Diktatur an der Tür und eine Demokratie auf der Tanzfläche.“

Auf besagtem Pferd kamen nun eines Abends zwei halb nackte Frauen angeritten. Benecke ließ das Tier hinein in den Club, die beiden Frauen aber mussten draußen bleiben. Das Foto mit Bianca Jagger und dem Pferd zeigt den Geist dieser verrückten Zeit. Selbst Lillian Carter, Mutter des damaligen Präsidenten Jimmy Carter, kam im Studio 54 vorbei und fand die unsterblichen Worte: „Ich weiß nicht, ob ich im Himmel war oder in der Hölle, aber es war wundervoll.“

Aber was nun sollte man anziehen? Auch darauf gibt die Ausstellung Antworten, sie zeigt eine faszinierende Auswahl an Kleidern der Studio-54-Ära. Zu sehen ist zum Beispiel der seinerzeit beliebte Tüllrock mit goldener Zackenlitze, den Antonio Lopez für Fiorucci entworfen hatte. Oder Zandra Rhodes‘ extravagantes Kleid mit Glaskristallsteinen. Oder futuristisch angehauchte Mäntel und Kleider von Norma Kamali.

Studio-54-Ausstellung: Inspiration auch für aktuelle Mode

Vom Maison Charles Jourdan sind High Heels aus rotem Leder mit Ripsband zu sehen. Vom Glamourfaktor leben die beiden Sandalenpaare in Silbermetallicleder von Halston, die Elizabeth Taylor 1978 bei zwei Veranstaltungen im Studio 54 getragen hat (eine war ihre eigene Geburtstagsparty). Auch ist Modedesigner Halston, der als einer der Hausstilikonen des Nachtclubs (die Netflix-Serie „Halston“ erzählt von dieser Zeit) gelten kann, mit zahlreichen Kleidern vertreten.

In der Netflix-Serie „Halston“ spielt Schauspieler Ewan McGregor (l.) einen namhaften Modedesigner der Siebziger, Roy Halston Frowick (r.). © Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Die Kleidungsstücke der Zeit sind natürlich geprägt von Glitzer und Glam. Schlichte schwarze Kleider werden durch silberfarbene oder weiß reflektierende Gürtel und Bauchbinden ergänzt. Liza Minnelli trug auf der Geburtstagsparty von Bianca Jagger am 12. Dezember 1977 ein Halston-Ensemble – Jacke, Hose, Halstuch – aus weißer und blauer Seide mit Pailletten. Auch dies ist in Dortmund im Original zu sehen. Wer die Renaissance der Discomode, die seit einiger Zeit die Augen der Designer und Designerinnen unterschiedlicher Modelabels glänzen lässt, auch in seinem Kleiderschrank feiert, findet hier viele Anregungen. Und wenn demnächst noch mehr Clubs wieder ihre Türen öffnen dürfen, kommt sowieso das Discogefühl wieder zurück. Dann heißt es endlich wieder: runter vom Sofa, rein in die Nacht. Oder wie die Bee Gees 1976 sangen: „What you doin‘ on your bed on your back? Ah. / You should be dancing, yeah / Dancing, yeah!“

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