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Große Unterschiede beim Material

Kerzen: Welche Variante ist die ökologischste?

Im Winter steigt die Nachfrage nach Kerzen und Teelichtern.

Im Winter steigt die Nachfrage nach Kerzen und Teelichtern.

Je kürzer die Tage, desto größer das Bedürfnis nach Behaglichkeit. Einen entscheidenden Beitrag dazu leisten Kerzen und Teelichter. Licht in dunklen Zeiten – das hat vor allem mit Blick auf Pandemie und politischer Weltlage und wenig mit LED und Glühbirne zu tun.

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Branchenberichten zufolge steigt die Nachfrage nach Kerzen seit Corona stetig. Die derzeitige Energiedebatte und die Angst vor einem Blackout dürften die Nachfrage weiter nach oben treiben. Doch in Sachen Produktsicherheit trügt der schöne Schein nicht selten.

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Geschichte der Kerze

Die ersten Kerzen – oder zumindest kerzenähnliche Gegenstände – gab es laut des europäischen Verbandes der Kerzenhersteller (ECMA) schon vor mehr als 5000 Jahren. So sollen bereits die alten Ägypter Schilf in geschmolzenes Tierfett getunkt und dann angezündet haben. Den Docht erfand man im antiken Rom. Die „candelae“, der Ursprung des englischen Wortes „candle“, wurde dann unter anderem bei religiösen Zeremonien eingesetzt oder um die Häuser zu beleuchten.

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Heute sind Kerzen ein Massenprodukt. So hat im vergangenen Jahr jeder Europäer und jede Europäerin durchschnittlich 1,8 Kilogramm Kerzen verbraucht – fast 13 Prozent mehr als noch 2020. Neben den Stearinkerzen, die ähnlich wie im alten Rom aus pflanzlichen und tierischen Fetten hergestellt werden, sind primär Paraffinkerzen auf dem Markt. Paraffin wird aus Erdöl gewonnen und ist damit wenig nachhaltig. Der Rohstoff ist für Hersteller jedoch recht preiswert, brennt durch den niedrigen Schmelzpunkt aber schnell ab, informiert die Verbraucherzentrale.

Kerzen aus Stearin oder Bienenwachs

Stearin ist zwar teurer, hält aber länger und rußt und tropft in der Regel kaum. Teilweise werden die beiden Stoffe auch miteinander vermischt. Um aber als Stearinkerze gekennzeichnet werden zu dürfen, muss diese zu mindestens 90 Prozent daraus bestehen. „Häufig aber sind die Inhaltsstoffe von Kerzen auf den Verpackungen nicht genau deklariert“, sagt Tristan Jorde, Experte für Umwelt und Produktsicherheit bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Eine Kennzeichnungspflicht gebe es auch nicht. Teilweise machten Hersteller sogar falsche Angaben – vor allem im Hinblick auf vermeintliche Ökoprodukte, sagt Jorde. Überprüft werde das kaum.

Es ist gefährlich, mehrere Teelichter nebeneinander anzuzünden.

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Bienenwachskerzen dürfen nur als solche bezeichnet werden, wenn sie auch vollständig aus Bienenwachs bestehen. Es ist zwar das teuerste Material unter den Kerzenarten, doch es brennt länger und riecht bereits von Natur aus angenehm. Für Experte Tristan Jorde sind Bienenwachskerzen die umweltfreundlichste und empfehlenswerteste Variante – zumindest, wenn man sie nicht allzu häufig nutzt. Denn das Wachs stammt aus den Waben der Honigbienen und ist damit nur begrenzt verfügbar. Als Massenprodukt sind Kerzen aus Bienenwachs also nicht geeignet – im Gegensatz zu Teelichtern.

Aluschale ist „ökologischer Wahnsinn“

Allerdings ist die Produktion der Lichter in der Aluschale unter Umweltaspekten bedenklich: Aluminium werde aufwendig produziert und schade der Umwelt, mahnt Jorde. Wird das Teelicht einmal angezündet, landet das Einwegaluminium schnell wieder im Müll. Für den Umweltexperten ein „ökologischer Wahnsinn.“ Er rät grundsätzlich von der Verwendung von Teelichtern ab.

Wer aber dennoch seinen Vorrat an Alulichtern noch verwenden möchte, muss bei der Entsorgung nicht allzu viel beachten: Ist das abgebrannte Teelicht nicht mehr heiß, kann man es im Restmüll entsorgen.

Sind Duftkerzen bedenklich?

Zu Dekozwecken und für eine extra Portion heimelige Atmosphäre sind Duftkerzen besonders beliebt: Ob gängige Sorten wie Vanille und Lavendel oder ausgefallenere Düfte nach Whiskey, Räucherspeck oder Lakritz – für jeden Geschmack ist mittlerweile was dabei. Auch dass mancher Kerzenhersteller damit wirbt, seine Produkte verströmten den „Duft eines herbstlichen Sonnenuntergangs“, mag für manch einen verlockend klingen. „Aber ich rate ganz dringend davon ab“, mahnt Jorde: „Duftstoffe sind schon per se, wenn sie kalt sind, oft Allergene oder sogar mit gesundheitlichen Gefahren verbundene Stoffe, die zum Beispiel pseudohormonell wirken können“, führt er aus.

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Antike Gerüche

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Generell könnten die Stoffe laut der Verbraucherzentrale zu Kopfschmerzen, tränenden Augen und Übelkeit führen und seien daher für empfindliche Menschen grundsätzlich nicht zu empfehlen. Auch im Umfeld von Menschen, die unter Asthma oder Allergien leiden, sowie von Schwangeren und Kleinkindern seien Duftkerzen nicht ratsam. Um welche Duftstoffe es sich in den Kerzen genau handle, sei ebenfalls selten deklariert, erklärt Jorde. Solche Stoffe mit den Verbrennungsvorgängen einer Kerze zu kombinieren bewertet der Verbraucherschützer kritisch: „Duftstoffe haben in der Verbrennung eigentlich nichts verloren.“

„Eine richtige Ökokerze gibt es nicht“

Vorgaben gibt es zwar kaum. Doch Gütesiegel wie das „RAL Gütezeichen“ sollen Orientierung bieten. Kerzen mit diesem Siegel garantieren, nicht zu tropfen, ruß- und raucharm zu sein und gütegesicherte Rohstoffe zu beinhalten. Das solle die Qualität und Sicherheit der Kerzen sichern. Ein Ökosiegel ist dies aber nicht. Und wie steht es denn um die Nachhaltigkeit der verschiedenen Kerzen? Zwar bestehen Stearin- und Bienenwachskerzen aus erneuerbaren Materialien und sind damit nachhaltiger als solche aus Paraffin.

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Doch: „Eine richtige Ökokerze gibt es nicht“, räumt Jorde ein. So wird das Stearin beispielsweise häufig aus Palmöl oder Schlachtabfällen gewonnen. Die wohl nachhaltigste Lösung sei die Restekerze. Dabei werden alte Kerzenreste zusammen erhitzt und zu einer neuen Kerze geformt. Hierfür braucht es lediglich einen Baumwollfaden als Docht sowie ein Gefäß zum Hineinfüllen.

Schadstoffe beim Verbrennen

Doch wirklich umweltfreundlich sei eine Kerze nie. Der Grund: „Sie stellt einen Verbrennungszustand dar. Das heißt, sie produziert beim Abbrennen immer Schadstoffe“, sagt Jorde. Dazu zählen laut Umweltbundesamt Stickstoffoxide oder Ruß. „Und je schlechter die Kerze abbrennt, desto schädlicher sind auch diese Verbrennungsrückstände“, ergänzt Jorde. Die Feinstaubpartikel gehen dabei in die Luft über und können eingeatmet werden. Dadurch, dass die Flamme Sauerstoff verbraucht, wird die Raumluft zusätzlich verschlechtert. Die Schadstoffbelastung der Kerzen selbst ist dabei meist eher gering. Ein Test von Stiftung Warentest im Jahr 2016 konnte in 16 untersuchten Produkten kaum Schadstoffe entdecken.

Entscheidend ist der richtige Umgang mit Kerzen: Bevor man eine angezündet hat und nachdem sie erloschen ist, sollte der Raum gründlich gelüftet werden, empfiehlt Jorde. Brennt die Kerze, sollte man Türen und Fenster geschlossen halten. Denn im Luftzug rußt sie schneller. Dadurch entstehen mehr Schadstoffe. Das Fazit des Verbraucherschützers: „Lieber sollte man selten Kerzen anzünden – und wenn, dann hochwertige.“ Und wer dem Teelicht nachtrauert, kann sich immerhin damit trösten, dass bald wieder Zeit für den Adventskranz ist.

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