Gemüseanbau auf dem Balkon: So pflanzen Sie Kartoffeln im Topf an

  • Ob Klöße, Gnocchi, Püree, Pommes oder Chips: Kaum eine Nutzpflanze ist so häufig auf unserem Speiseplan vertreten wie die Kartoffel.
  • Kein Wunder also, dass sie regelmäßig neue Hobbygärtner zum eigenen Anbau bewegt.
  • Mit lockerer Erde, einem großen Kübel und etwas Geduld ist die Kartoffelzucht auch auf dem Balkon oder in den eigenen vier Wänden möglich.
|
Anzeige
Anzeige

Hannover. Ob püriert, frittiert oder gebraten: Vor allem wegen der vielfältigen Zubereitungs­möglichkeiten zählen Kartoffeln zu den Lieblings­nahrungsmitteln hierzulande. Laut einer Erhebung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung aus dem Jahr 2020 verbraucht der Deutsche im Jahr durchschnittlich 55 Kilogramm der regionalen Bodenfrüchte.

Nicht nur kulinarisch hat die Kartoffel Potenzial: Zumindest ein Teil unseres Bedarfs lässt sich einfach selbst anbauen, entweder im eigenen Garten oder aber auf dem Balkon. Sogar in geschlossenen Räumen fühlt sich die Nutzpflanze wohl. Denn obwohl sie normalerweise hektarweise Platz hat, um sich mit all ihren Wurzeln auszubreiten, gibt es auch eine nahezu minimalistische Alternative: den Anbau in Töpfen, Gartenkübeln oder Pflanzensäcken.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, sich an seiner ersten eigenen Kartoffelzucht zu versuchen, kommt zur richtigen Zeit. „Der Übergang von März auf April ist perfekt“, sagt Fernsehgärtner Matthias Schuh im Norddeutschen Rundfunk (NDR). „Die Pflanzen brauchen etwa 100 Tage bis zur Ausreife.“ Wer seine Knollen bis Ende April einpflanzt, nimmt also den Sonnenhöchststand mit.

Anzeige

Welche Kartoffeln eignen sich für den Anbau auf dem Balkon?

Im Grunde eignet sich jede Pflanzkartoffel zur Anzucht der nächsten Pflanzen- und Knollen­generation. Es ist daher sinnvoll, sich aus der Vielzahl an Sorten jene auszusuchen, die für den Anbau im Privatgarten geeignet sind. Der Pflanzenhandel bietet auch sogenannte Saatkartoffeln an. „Im Vergleich zu den Speisekartoffeln, die für den Verzehr angebaut werden, stammen die sogenannten Saat- oder Pflanzkartoffeln aus speziellen Anzuchtbetrieben“, erklärt Martin Nickol, Kustos des botanischen Gartens der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Eine Zertifizierung bescheinigt, dass die Kartoffeln virenfrei sind und die Qualität für den Anbau haben.

Für die eigene Zucht im Topf empfiehlt Schuh mittelgroße Kartoffeln wie Drillinge. Größere Knollen lebten zu lange aus der Substanz heraus und regten nicht an, eine neue Pflanze zu bilden. Außerdem, so erklärt es der Fernsehgärtner, bieten sich Kartoffeln an, deren Keime nicht zu lang sind. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Spross abbricht. Erste Triebe müssen die Knollen vor dem Einpflanzen dennoch entwickelt haben: Sie beschleunigen das Wachstum.

Anzeige

Vielen ist diese Entwicklung aus der heimischen Küche bekannt. Lagern Kartoffeln zu warm oder zu hell, zeigen sich an der Schale erst Augen und mit der Zeit werden daraus Triebe.

Mit Gartenkübel und Blumenerde zum eigenen Kartoffelanbau auf dem Balkon

Damit der Kartoffelanbau auf wenig Platz gelingt, ist das richtige Material das A und O. Zunächst braucht es einen möglichst hohen und großen Kübel mit Löchern im Boden. Wer will, dass sich das Behältnis bei Sonneneinstrahlung gut erhitzt, wählt ein dunkles Modell aus Kunststoff. Schuh rät zudem zu einem Kübel mit mindestens 15 Litern Fassungs­vermögen: „Denn die Stolonen, diese kleinen Nabelschnüre der Kartoffel, brauchen Platz, um sich auszubreiten.“ Aus diesem Grund empfehle sich auch lockere Erde. Von Erde aus dem eigenen Garten dagegen rät der Experte ab: „Sie wird zu hart, die Knolle kann sich nicht entfalten.“

So funktioniert das Anpflanzen von Kartoffeln im Topf

Anzeige

Sind die nötigen Vorbereitungen getroffen, ist die Arbeit fast geschafft. Zuerst füllen Gemüseliebhaber den Kübel ihrer Wahl für ihr eigenes Kartoffelprojekt rund zehn Zentimeter hoch mit Kies oder Blähton. Darauf kommt eine etwa 15 Zentimeter hohe Schicht Blumenerde. Die drei bis vier Knollen werden dann locker auf die Erde gelegt und anschließend leicht bedeckt. Dann braucht die hauseigene Zucht etwas Unterstützung – immerhin fehlt ihr im Topf die Möglichkeit, tief zu wurzeln. Dabei gelten laut Schuh drei goldene Regeln: ins Licht stellen, viel wässern und düngen. „Ich empfehle Flüssigdünger, weil der sich gut dosieren lässt.“ Die Erde sollte immer feucht sein, Staunässe jedoch vermieden werden.

Die Pflanze bildet im Laufe ihres Wachstumsprozesses krautige, oberirdische Triebe. Und mit zunehmender Größe entwickeln sich im unteren Teil des Stängels sogenannte plagiotrope Achsen, erklärt Martin Nickol. Dabei handelt es sich um waagerecht in den Boden wachsende Ausläufer, die nach und nach dicker und schließlich zu den Knollen werden. „Durch das Anhäufeln entstehen noch mehr dieser Triebe“, sagt Nickol. Für die Kartoffelzucht im Topf bedeutet das: Sind etwa zehn Zentimeter lange Triebe gewachsen, braucht die Pflanze eine Schicht neue Erde. Im besten Fall schauen dann nur noch die Blattspitzen heraus. Diesen Vorgang, so Schuh, wiederholen Hobbygärtner, bis das Gefäß mit der Pflanze gefüllt ist.

Grundsätzlich ist Geduld gefragt: Bis zur Ernte dauert es dem Experten nach rund 90 bis 100 Tage. Bei guten Konditionen wie einer stabilen Lichtzufuhr sei es in manchen Fällen möglich, dass die Kartoffeln schon nach 80 Tagen reif sind. Doch woran erkennen Gemüseliebhaber, ob es so weit ist? „Wenn die Blüte zu sehen ist, passiert auch mit den Kartoffeln nicht mehr viel“, erklärt Schuh. „Dann sind sie bereit zur Ernte.“

Gut zu wissen: Bei der eigenen Kartoffelzucht im Beet gehen Hobbygärtner ähnlich vor. Die Knollen kommen hierbei am besten in sandige und sandig-lehmige Böden. Schwerere Böden müssen aufbereitet werden. Dafür empfiehlt sich Kompost. Alle Böden müssen vor dem Pflanzen noch mal gelockert werden. Die vorgetriebenen Knollen werden in zehn Zentimeter tiefe Furchen gelegt. Darüber kommt eine dicke Schicht Erde. Wer seine Pflanzen vor Spätfrost schützen will, der in Deutschland bis Mitte Mai möglich ist, greift außerdem zu licht- und wasserdurchlässigen Wachstumsfolien als Hilfsmittel. Wenn die Pflanzen krautige, oberirdische Triebe zeigen, gilt dann: immer wieder Erde aus den Zwischenräumen nehmen und direkt an die einzelnen Pflanzen geben. Sie wachsen dann also auf Wällen. Bei einer Bodentemperatur von 15 Grad entwickeln sich die Knollen am besten. Doch die robust wirkenden Bodenfürchte sind während der Reife auch sensibel: In kühlen oder besonders warmen Sommern mit Temperaturen über 30 Grad hören sie auf zu wachsen.

Mit dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen