K‑Beauty: Was ist dran am koreanischen Schönheitsgeheimnis?

  • Ob Schneckenschleim, Tuchmasken oder Jaderoller: Seit Jahren inspiriert koreanische Kosmetik Menschen weltweit dazu, ein makelloses Hautbild anzustreben, die Videoplattform Tiktok ist voll von Trends zum Selbermachen.
  • Und dennoch: Meist haben Asiatinnen „Glass Skin“, nicht die Nachahmerinnen.
  • Grund sind unterschiedliche Pflegeroutinen und Gene.
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Von der reichhaltigen Hautcreme über das reinigende Peeling bis hin zur umstrittenen Unterspritzung: Seitdem die Menschheit altert, bemüht sie sich mit verschiedensten Wundermitteln darum, so auszusehen, als täte sie es nicht. Dabei sind manche erfolgreicher als andere: Asiatische Frauen, so heißt es, sehen im Schnitt zehn Jahre jünger aus als Europäerinnen. Denn während sich die westliche Welt in der Vergangenheit zumeist um vermeintliche Traummaße, die optimale Haarentfernung und eine „gesunde Bräune“ bemühte, strebten sie einem Schönheitsideal nach, das vor allem ein bescheidenes Ziel verfolgt: makellose Haut, auch bekannt als „Glass Skin“.

Spätestens seit Künstler Psy aber mit seinem Hit „Gangnam Style“ im Jahr 2012 buchstäblich die ganze Welt zum Tanzen in Reiterpose brachte, mehrten sich auch hierzulande die asiatischen Vorbilder. Mit dem Korean Pop kamen bei Google die Suchanfragen zum Thema Korean Beauty, kurz: K-Beauty. Und wo eine individuelle Abkürzung, da eine Bewegung: „Die dazugehörigen Pflegetipps sind mittlerweile Teil des täglichen Beauty-Business“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbands. Inspiration bieten die sozialen Medien allemal: Auf der Videoplattform Tiktok klickte die Community den Hashtag zum Thema bislang rund 1,4 Milliarden Mal – Tendenz steigend.

@vyvyhaircare_

Khi bạn quay bằng cam thường ip , mình không bán kem nha mọi người ơi 😝 #nofilter #glassskin

♬ Rượu Tình - NamDuc, Orinn
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Mit „Gangnam Style“ besang Psy den Schönheitswahn in Südkorea

Was viele nicht wissen: In seinem fröhlich anmutenden Song besang schon Psy den extremen Schönheitswahn in Südkorea. Passend dazu sind die Idole aus dem K-Pop heute nicht mehr für besondere Tänze, sondern für ihr puppenähnliches Äußeres bekannt. Eines der am häufigsten angeklickten Videos aus dem Bereich ist mit 1,7 Milliarden Aufrufen auf Youtube der Song „Ddu-Du Ddu-Du Ddu-Du“ von Blackpink, einer Girlgroup bestehend aus vier Mitgliedern Mitte zwanzig. Ein Pickel ist dabei bei keiner von ihnen zu sehen, geschweige denn eine Hautunreinheit.

Das wirkt sich auf ihr Publikum aus: Laut einer Studie des Forschungs­unternehmens Gallup Korea hat sich eine von drei südkoreanischen Frauen zwischen 19 und 29 Jahren bereits für eine Schönheitsoperation unter das Messer gelegt. Eine weitere Untersuchung geht sogar davon aus, dass der Anteil dieser Frauen bei 50 Prozent oder höher liegt. Und auch anderswo hinterlässt das transportierte Schönheitsideal Spuren: Oli London aus den USA etwa verfolgten fast 460.000 Instagram-Nutzerinnen und ‑Nutzer bei seinem Weg, auszusehen wie K-Pop-Star Park Jimin von er Boygroup BTS. Dafür waren 18 Operationen notwendig.

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Korean Beauty ist ein Mix aus Anwendung und Ritual: Beliebt ist das Zehn-Schritte-Programm

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Damit es gar nicht erst zu unerwünschten Falten kommt, greift K‑Beauty auf eine Reihe von Wunderwaffen für die Hautpflege zurück, darunter Jaderoller, Konjac-Schwamm und Seidenraupen­kokons. „Es handelt sich um eine Mischung aus Anwendung und Ritual“, erklärt Ruppmann. An sich sei das keine Neuheit: Seit mehr als 2000 Jahren profitierten Menschen im asiatischen Raum etwa von Ginseng. Sie nähmen die Wurzel der Pflanze, die als antioxidativ, zellerneuernd und feuchtigkeits­spendend gilt, etwa als Kapsel, Sirup oder Tee zu sich. Damit erhöhe sie die Spannkraft der Haut von innen und trage so zu einem ebenmäßigen Teint bei.

Bei einem Ritual bleibt es für Anhängerinnen und Anhänger der K‑Beauty allerdings selten. „Die Pflegeroutine an sich besteht aus viel mehr unterschiedlichen aufeinander­folgenden Schritten als in der westlichen Welt“, sagt Isabell Sick, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Das fange bei der Reinigung des Gesichts an. „Zum Teil werden dabei schon zwei verschiedene Produkte verwendet, also zuerst ein Öl und dann ein Gel.“ Besonders diszipliniert sind hierbei jene, die das koreanische Zehn-Schritte-Programm für sich entdeckt haben. Nach dem Prinzip „von flüssig zu fest“ werden dabei mehrere Schichten verschiedener Produkte aufgetragen, darunter Toner, Essenz und Ampullenkuren. Schlusslicht ist immer eine Creme mit Lichtschutzfaktor. Und da alles andere dem perfekten blassen Teint im Wege steht, bietet der asiatische Markt allerlei Möglichkeiten, von mineralischem Sonnenschutz bis hin zu ultraleichten Lotionen.

K‑Beauty: Nutzen Asiatinnen wirklich Schneckenschleim für die Gesichtspflege?

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Ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist der Schneckenschleim – nicht zuletzt, weil die Vorstellung, mit ihm im Gesicht zu hantieren, auf viele Europäerinnen und Europäer im ersten Moment befremdlich wirkt. Seine Bestandteile gelten als Hilfsmittelchen bei trockener Haut, Akne und Falten. Aber: „Es ist nicht der Schleim, der hier genutzt wird, sondern ein Extrakt aus den konzentrierten Wirkstoffen eines Schneckensekrets“, erklärt VKE-Geschäftsführer Ruppmann. Und das sei im Normalfall Bestandteil eines Serums oder einer Creme.

Das aber zeigt, worauf es bei der Schönheitspflege aus Korea außerdem ankommt. „Inhaltsstoffen wird eine größere Bedeutung zugeschrieben“, sagt Ruppmann. Zwar reglementiere Europa Wirkstoff­versprechen stark, was draufsteht, müsse also auch drin sein – doch Detailkenntnis sei weniger Teil der täglichen Kosmetikroutine.

Was aufwendig klingt, verspricht dem Experten nach jedoch Erfolg: „Ich gehe davon aus, dass koreanische Pflege funktioniert, sonst würde sie sich nicht so gut verkaufen.“ Gemessen an dem, was drinsteckt, sei es aus dermatologischer Sicht aber schwierig zu beurteilen, ob asiatische Produkte besser für die Haut sind als westliche, betont Dermatologin Sick. Was mit Sicherheit Erfolg im Bereich Anti-Aging verspreche, sei der hohe Stellenwert des Lichtschutzfaktors: „Da freut sich jeder Hautarzt.“

„Slugging“, „Glass Skin“ und Co. – Auch K‑Beauty hat Grenzen

Allerdings: Eine universelle Routine für jeden Hauttyp gebe es auch im Bereich der K‑Beauty nicht, erklärt Sick und verweist etwa auf das „Slugging“, also das Eincremen mit fetthaltigen Produkten über Nacht. Auch dieser Trend verbreitete sich in der Vergangenheit via Tiktok, der dazugehörige Hashtag bringt es immerhin auf fast 24 Millionen Aufrufe. „Für sehr trockene oder empfindliche Haut ist das mit Sicherheit nicht schlecht, weil die Feuchtigkeit so eingeschlossen wird“, sagt Sick. „Wenn man aber fettige und ölige Haut hat oder Haut, die zu Pickeln oder zu perioraler Dermatitis neigt, ist das definitiv nicht zu empfehlen.“ In diesem Fall habe der Abschlusseffekt sogar negative Auswirkungen.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist ein Ziel wie „Glass Skin“ generell realistisch? Für junge Frauen, die keine Hauterkrankung, keine Hautprobleme und keine Falten haben, sei es möglich, sich eine porzellanartige Haut zu pflegen, sagt die Expertin. Für alle anderen gestalte sich der Weg dahin ab einem gewissen Hauttyp und Alter schwierig: „Nicht jeder Mensch kann makellose Haut haben.“

Dazu kommt: Diejenigen, denen es möglich wäre, das koreanische Schönheitsideal zu erreichen, hindert mehr daran als die tägliche Pflegeroutine. Denn dass Asiatinnen unter 50 Jahren laut Studien durchschnittlich zehn Jahre jünger aussehen als gleichaltrige Europäerinnen, liegt laut Dermatologin Sick nur bedingt in ihrer Macht: „Am Ende hat das auch was mit der Genetik zu tun.“

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