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Hochbeet im Winter nutzen: Expertin erklärt, wie das geht und warum man im Frühling anfangen sollte

  • Doris Kampas ist Expertin für Hochbeete.
  • Ihres nutzt die Leiterin einer Gartenfirma nicht nur in den warmen Monaten, sondern auch im Winter; darüber hat Kampas nun ein Buch geschrieben.
  • Damit das Gärtnern in der Kälte funktioniert, sind eine Abdeckung und regelmäßiges Lüften besonders wichtig.
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Oberrohrbach/Österreich. Hochbeete ziehen seit ein paar Jahren in immer mehr Gärten ein. Viele nutzen sie nur im Frühling und Sommer – eine Verschwendung, findet Doris Kampas. Denn auch im Winter wachsen dort Kohl, Salat oder Wurzelgemüse.

Kampas ist Chefin des Onlineshops www.bio-garten.at, der neben Samen, Erde und allerlei Gartenzubehör vor allem Hochbeete vertreibt. Studiert hat die Österreicherin Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Pflanzenbau an der Universität für Bodenkunde in Wien. „Deshalb habe ich mich immer lieber mit Gemüse und Nutzpflanzen beschäftigt als mit Ziergewächsen“, sagt die Gartenexpertin über ihren Werdegang.

Hochbeet im Winter nutzen

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Nach ihrem ersten Buch „Das unglaubliche Hochbeet“ ist nun „Das sensationelle Winterhochbeet“ (Verlag Löwenzahn, 120 Seiten, 17,95 Euro) erschienen. Im RND-Interview spricht Kampas über die Vorteile eines Winterhochbeets, welches Gemüse sich dafür eignet und warum genau jetzt die richtige Zeit ist, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Doris Kampas hat das Buch „Das sensationelle Winterhochbeet“ geschrieben. Erschienen ist es im Löwenzahn-Verlag, hat 120 Seiten und kostet 17,95 Euro. © Quelle: Löwenzahn Verlag

Frau Kampas, es ist Frühling. Warum reden wir jetzt über ein Winterhochbeet?

Doris Kampas: Sehr gute Frage! Dem Ganzen liegt ein Missverständnis zugrunde. Viele denken bei einem Winterhochbeet daran, dass sie im Winter anfangen werden, Gemüse anzubauen. Dabei bezieht sich der Titel nicht auf den Zeitpunkt des Anbauens, sondern den der Ernte.

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Gemüse, das wir im Winter ernten wollen, müssen wir zum Teil schon im Frühling anbauen. Porree, Schalotten oder Pastinaken haben eine sehr lange Vegetationszeit. Die muss man jetzt anbauen, um ab November frisches Gemüse ernten zu können.

Eigentlich ruht der Garten im Winter doch. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Hochbeet auch in der kalten Jahreszeit zu nutzen?

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Das hat ein bisschen mit meinem Beruf zu tun. (lacht) Vor dem Schreiben meiner Bücher habe ich auch Gartenplanung und Gartengestaltung gemacht. Außerdem bin ich Geschäftsführerin einer Firma, die Hochbeete produziert und über einen Onlineshop verkauft. Im Frühling bleibt mir da überhaupt keine Zeit für den Garten. Denn da ist im Job am meisten los.

Vielleicht komme ich im Mai oder Juni zum Gärtnern. Dann ist es dafür aber schon recht spät. Teils habe ich erst im Herbst angefangen, Salate im Hochbeet zu säen. Ich war selbst überrascht, wie gut die Pflanzen gewachsen sind. Auf einmal war im November und Dezember meine Erntezeit.

Sie gelten als Expertin für Hochbeete. Warum schätzen Sie die so?

Die Füllung ist toll. Hinein kommen neben Erde und Kompost auch Gras, Laub oder Astschnitt. Diese Materialien verrotten, dadurch wird es im Beet sehr warm. So kann man die Anbausaison auf das ganze Jahr verlängern. Außerdem entstehen durch das Verrotten dieser Materialien sehr viele Nährstoffe. Der Ertrag in einem Hochbeet ist höher als bei gleicher Fläche auf dem Boden.

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Für ein Hochbeet spricht auch: Man steht beim Gärtnern gerade, muss sich nicht bücken und schont den Rücken. Hochbeete eignen sich für kleine Gärten, denn sie brauchen nicht viel Platz, sowie für den städtischen Bereich – gerade, wenn der Boden schlecht ist. In den Reihenhaussiedlungen ist oft Bauschutt vergraben worden. Da kann man nichts mehr anbauen. Im Hochbeet funktioniert es aber.

Mit welchen Gemüsearten erzielen auch Anfänger Ernteerfolge?

Meine Empfehlung: Im Sommer das Hochbeet erst einmal wie gewohnt nutzen und zum Beispiel Tomaten und Paprika hineinsetzen. Im Herbst, so etwa ab September, kann man dann probieren, Salate auszusäen. Feldsalat funktioniert sehr gut. Oder verschiedene Pflücksalate, da gibt es ganz tolle Sorten wie Misticanza oder Venezianer. Diese Sorten sind extrem winterhart.

Damit Hobbygärtner auch im Winter regelmäßig Gemüse aus dem Hochbeet ernten können, ist solch eine Abdeckung unerlässlich. © Quelle: Doris Kampas/Bio Garten Team
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Was auch gut geht, sind Radieschen, zum Beispiel die Sorte Eiszapfen. Die schaffen es in meinem Hochbeet immer den ganzen Winter hindurch. Und eine ganz tolle Sache sind die Asia-Salate. Der bekannteste ist der Pak Choi. Es gibt aber noch viele andere wie Red Giant, Mizuna, Rouge metis, Tatsoi und Grün im Schnee. Eine tolle Mischsorte ist Oriental Mix, da hat man von allem etwas dabei. Die sind sehr frostfest, halten minus 15 bis minus 20 Grad aus. Zwischendurch hat man das Gefühl, sie frieren ab. Aber wenn der Frost weg ist, richten sich die Blätter wieder auf und wachsen munter weiter.

Und was empfehlen Sie Fortgeschrittenen?

Wenn man etwas mehr machen möchte und die Erfahrung mitbringt, kann man Pflanzen vorziehen und schon im Sommer ins Hochbeet setzen. Zum Beispiel Weißkohl, Rotkohl, Rosenkohl oder Zuckerhut.

Ist ein Hochbeet denn zwingend notwendig für die Winterernte?

Ja, es braucht das geschützte Hochbeet mit Dach drüber. Ich habe es selbst ausprobiert und Asia-Gemüse sowie Salate zur gleichen Zeit auf dem Boden angebaut. Im Hochbeet funktioniert es viel besser. Denn dort haben die Pflanzen von unten die Wärme durch die spezielle Befüllung. Die Wurzeln können sich auch weiter ausstrecken als im ebenerdigen Beet. Denn dort ist der Boden vielleicht verdichteter oder gefroren.

Also funktioniert es nicht, Salat im ebenerdigen Beet im Winter anzubauen?

Doch, schon – mit Schutz. Ich würde etwas Mulchmaterial darübergeben, das Beet gut lockern und Kompost einarbeiten.

Wie muss ich ein Sommerhochbeet aufrüsten, damit es auch für den Winter taugt?

Ganz wichtig sind in meinen Augen solche Frühbeetabdeckungen. Die speichern die Sonnenwärme einfach besser. Allerdings: Lüften ist ganz wichtig. Nach ein paar wärmeren Tagen entsteht unter der Abdeckung eine Dunstschicht. Im schlimmsten Fall schimmeln dann die Blätter der Pflanzen oder bekommen Pilzkrankheiten.

Ich selbst fülle mein Hochbeet im Herbst, wenn es abgeerntet ist, noch einmal auf mit je einer Schicht Laub, Kompost und guter Erde. So gibt es im Herbst für die neue Aussaat noch einmal Verrottungswärme.

Brauchen Hochbeete nicht auch mal eine Erholung, damit da weiter gut etwas wächst?

In den ersten Jahren hilft die natürliche Verrottung, die Hochbeete immer wieder in Schwung zu bekommen. Denn die Befüllung sinkt dadurch ab und man kippt immer wieder Laub, Kompost und Erde darauf – so wird das Beet kontinuierlich aufgefrischt. Nach mehreren Jahren, etwa sieben oder acht, ist die Befüllung schon so komprimiert, dass sich der Austausch der oberen 30 oder 40 Zentimeter lohnt. Das ganze Hochbeet braucht man aber nicht auszuräumen.

Im Winter kriegen die Pflanzen viel weniger Sonne ab – schmeckt das nicht fad?

Eben nicht! Die Pflanzen müssen sich vor dem Herbst und Winter vor dem Frost schützen. Deshalb lagern sie ganz viele Stoffe ein, Zucker und Eiweiß. Geschmacklich schmeckt das Gemüse aus dem Hochbeet sogar nach mehr. Die kleinen Röschen des Rosenkohls sollen übrigens einmal durchfrieren. Dann schmecken sie viel aromatischer.

Welche Gemüse essen Sie denn am liebsten aus dem Winterhochbeet?

Am liebsten mag ich den Lauch. Mit dem koche ich im Winter sehr gerne. Von Strudel über Lauchtorte bis zu Suppe: Da gibt es ganz tolle Sachen. Fenchel ist super und passt auch in Tomatensoße. Rosenkohl esse ich auch sehr gerne. Und mein Lieblingssalat ist der Venezianer. Und die Asia-Salate … eigentlich finde ich alles immer toll. (lacht)

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