Hat die Corona-Krise auch etwas Gutes?

  • Die Corona-Krise hat der Menschheit einen schrecklichen Preis abverlangt.
  • Die Pandemie wird aber irgendwann vorbei sein – und etwas Gutes bleibt zurück.
  • Denn durch die Pandemie wurde unser Wir-Gefühl gestärkt, meint unser Gastautor Helmut Nowak.
Helmut Nowak
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Covid-19 hat der Menschheit einen schrecklichen Preis abverlangt, doch es wird letztendlich eine Erholung von dieser Pandemie geben. So jedenfalls ist die Hoffnung und auch Einschätzung ernst zu nehmender Wissenschaftler. Was bleibt, sind die sich abzeichnende Klimakatastrophe, fortschreitende Umweltzerstörung, der Wachstumswahn, die sich vergrößernde Schere zwischen Arm und Reich, fortschreitender Populismus und die Zunahme von Regierungen, die vornehmlich der Selbstgefälligkeit der an der Spitze stehenden Autokraten dienen.

Pandemie stärkt nachhaltig das Wir-Gefühl

Wenden wir uns einer Frage zu, die helfen mag, einen erweiterten Blick für die Geschehnisse zu bekommen, nämlich: Was ist das Gute im Schlechten? Hier ein paar Beispiele im Zusammenhang mit Covid-19: Mehr Homeoffice ermöglicht mehr Freiheit, Organisation, Vertrauen sowie Flexibilität und lockert starre, veraltete Unternehmensstrukturen. Steigende Wertschätzung für Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Solidarität und Hilfsbereitschaft, Stärkung des Wir-Gefühls. Wir achten mehr auf das Wohlergehen anderer und machen dabei die erstaunliche Erfahrung, dass uns das guttut. Klar, denn zum Wohlergehen anderer beizutragen ist ein universelles Bedürfnis. Und die Erfüllung von Bedürfnissen führt zu mehr Wohlgefühl.

Diese Pandemie hat zu der Erkenntnis geführt, dass der zeitliche Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Pandemien dieser Art immer kürzer wird: „Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir in den kommenden Jahren einen stetigen Strom dieser Krankheiten erwarten“, sagt Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Alles Warnsignale, die uns Menschen mehr und mehr begreiflich machen, dass es höchste Zeit wird, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern dass ein Paradigmenwechsel erforderlich ist.

Automatisierte Handlungsmuster bewusst machen

Wir müssen uns verabschieden von einer globalen Weltwirtschaft, die nahezu ungebremst nach den kapitalistischen Prinzipien von Rentabilität und Profit handelt. Denn „Dieser Wachstumszwang zwingt unser Wirtschaften mit Geld zu einem Zugriff auf die Böden, auf die Meere, auf die Luft“, sagt der Chemnitzer Philologe Eske Bockelmann. Manch einer wird sich jetzt fragen: „Ja, aber was ist mit meinem Kummer heute, meiner täglichen Sorge, Angst vor bedrohlichen Zukunftsszenarien?“ Nun, hier kann uns eine achtsamkeitsbasierte Haltung helfen. Achtsam sein heißt ja: Die Aufmerksamkeit auf unsere Sinnesempfindungen und gedanklichen Ereignisse im gegenwärtigen Augenblick zu lenken sowie eine akzeptierende Haltung allem inneren Erleben gegenüber anzunehmen.

Im täglichen Leben heißt das, sich möglichst oft seinen automatisierten Handlungsmustern, Gedanken und Gefühlen bewusst zu werden und sich zu fragen: „Was ist jetzt – in diesem Moment?“ Und bedingungslos „Ja“ zu sagen zu dem, was gerade erfahren wird. Jeder Widerstand gegen den jetzigen Moment schafft nur emotionales Leid und hilft nicht, weil das, was gerade ist, ja schon ist. Wenn diese Akzeptanz gelingt, bleibt unser Geist frei und kreativ, um zu erkennen, ob man etwas verändern kann.

Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Stressbewältigung und Achtsamkeit (www.achtsamkeit-und-co.de).

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