Grün und nachhaltig: Darauf sollten Sie beim Weihnachtsbaumkauf achten

  • Wer am Heiligabend den geschmückten Baum bewundert, denkt wohl kaum an Pestizide und Monokulturen. Doch beides ist bei vielen Bäumen der Regelfall.
  • Außerdem pflücken Menschen in Georgien meist ohne Sicherung in den Wipfeln Zapfen als Saatgut für Nordmanntannen.
  • Welche Umweltprobleme es rund um Weihnachtsbäume gibt und wie man ein nachhaltiges Exemplar findet, beantworten wir in diesen FAQ.
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Prächtig geschmückt ist er der Mittelpunkt an Heiligabend. Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume haben die Deutschen im vergangenen Jahr gekauft. Am beliebtesten ist die Nordmanntanne. Drei von vier Käufern entschieden sich für sie. Blaufichte, Nobilistanne und Rotfichte haben einige Händler auch noch im Angebot. Worauf es beim Kauf von Weihnachtsbäumen bezüglich der Nachhaltigkeit ankommt und welche Umweltprobleme und Gefahren für Arbeiter besonders Plantagen verursachen, lesen Sie in unserem FAQ.

Wo und wie wachsen in Deutschland verkaufte Weihnachtsbäume?

„Rund 90 Prozent aller Weihnachtsbäume kommen mittlerweile aus eigens dafür angelegten, landwirtschaftlich bewirtschafteten Weihnachts­baum­kulturen“, sagt Michael Rudolph, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Als Hauptgrund nennt er die Vorliebe der Kunden für Nordmanntannen. „Diese Baumart stammt aus dem Kaukasus und kommt in unseren heimischen Wäldern nicht vor“, erklärt der Waldexperte.

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Acht bis zwölf Jahre wächst ein Weihnachtsbaum laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, bis er im Verkauf landet. Rund 90 Prozent der Bäume stammen aus Deutschland, der Rest ist Importware, größtenteils aus Dänemark.

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Was ist an der Produktion von Weihnachtsbäumen problematisch für die Umwelt?

Die meisten Bäume wachsen in Monokulturen, und zwar laut dem Umwelt­bundesamt „unter oft intensivem Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Mineraldünger“. Die Umweltschützer von Robin Wood bezeichnen den Anbau von konventionellen Weihnachtsbäumen als „enorme Belastung für Böden, Gewässer und Tiere, insbesondere Insekten“.

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„Verglichen mit derzeit üblichem Ackerbau ist der Einsatz von Düngemitteln gering“, versichert dagegen der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger. Pflanzenschutzmittel würden nur punktuell angewandt. In den Plantagen würden für viele Tiere und Pflanzen günstige Lebensbedingungen entstehen. Flora und Fauna seien in Weihnachts­baum­plantagen artenreicher als auf üblichen landwirtschaftlichen Flächen.

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Christbaumschmuck im Wandel der Zeit
1:06 min
Baumschmuck zu Weihnachten gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert.  © RND

Welche sozialen Probleme gibt es bezüglich Weihnachtsbäumen?

Das Saatgut für Nordmanntannen importieren Züchter laut dem Bundesverband der Weihnachts­baum­erzeuger vor allem aus Georgien. In bis zu 60 Meter Höhe pflücken Erntehelfer Tannenzapfen – und genau hier liegt das Problem. Viele der Arbeiter klettern für wenig Geld ohne Ausbildung und Ausrüstung in den Baumwipfeln herum. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. Zwar gibt beispielsweise das Unternehmen Fair Trees, das sich für bessere Arbeitsbedingungen der Zapfenpflücker einsetzt. Ein Großteil arbeitet laut Fair Trees aber unter „gefährlichen, primitiven Bedingungen“.

Ist ein Baum aus Plastik eine gute Alternative?

„Ein Plastikbaum hat wegen des Energieeinsatzes bei der Produktion, des Transports und der Entsorgung eine wesentlich schlechtere Ökobilanz und endet irgendwann als Plastikmüll“, informiert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Außerdem würden vier von fünf Plastiktannen aus Fernost importiert. Allein der Transportweg ist mit einer Menge CO₂-Ausstoß verbunden.

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Hergestellt werden die Bäume aus PVC. „Die Produktion dieses Kunststoffes ist enorm energieintensiv. Weil das Material extrem langlebig ist und erst nach Jahrhunderten abgebaut wird, ist die Entsorgung problematisch“, informiert die Bundesregierung, die sich auch dem Thema ökologische Weihnachtsbäume widmet. Außerdem könnten aus dem PVC Chemikalien austreten, die der Gesundheit schadeten. Immerhin: Wer sich für eine Tanne aus Plastik entscheidet und sie lange nutzt, fördert keine Monokulturen.

Sind Tannen in Töpfen, die nach dem Fest nach draußen gesetzt werden,eine gute Idee?

„Auffällig beliebt“ waren sie laut dem Hauptverband der Deutschen Holzindustrie im vergangenen Jahr jedenfalls. Der Bundesverband der Weihnachts­baumerzeuger jedoch warnt: „Die meisten Weihnachtsbäume im Topf sind nur ausgestochen. Das heißt, die Wurzeln sind durchtrennt und nicht wie bei Baumschulware durch mehrfaches Verpflanzen kompakt gehalten.“ Besonders gute Chancen, nach dem Fest im Garten zu gedeihen, hätten Blaufichten aus dem Topf. Denn als Flachwurzler schadet es ihnen wenig, wenn die Wurzeln mit dem Spaten abgetrennt werden. „Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je kleiner der Baum, desto weniger Wurzeln werden verletzt und umso größer ist die Anwuchschance“, rät der Verband.

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Woran erkenne ich, ob ein Christbaum nachhaltig ist?

Die Produktions­bedingungen von Weihnachtsbäumen seien oft für die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht transparent, bemängelt das Bundesumweltamt. Es rät, Bäume aus der eigenen Region zu kaufen, um Transportwege zu sparen. Auf anerkannte Biosiegel wie Naturland, Bioland, Demeter oder das Biosiegel der Europäischen Union sollten Käuferinnen und Käufer achten, empfiehlt die Umwelt­schutz­organisation Robin Wood. Denn: Bäume, die diese Siegel tragen, seien ohne Einsatz von Pestiziden und Mineraldünger herangewachsen. Das Gleiche gelte für Tannen aus FSC-zertifizierten Forstbetrieben. Wo man solche Bäume findet, hat Robin Wood in einer Liste gesammelt.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz empfiehlt als erste Wahl einen Baum, der bei forstlichen Maßnahmen sowieso gefällt werden würde. „Diese Bäume sind Restenutzung und damit sehr nachhaltig“, so die Organisation. Jedoch: 30 Millionen Bäume, die 2019 in Deutschland in der Adventszeit verkauft wurden, kommen auf diese Art nicht zusammen, gibt Rudolph von den Landesforsten zu bedenken. „Wir können nicht sämtliche als Weihnachtsbaum tauglichen Fichten abhacken“, sagt er. Denn der Wald solle schließlich für künftige Generationen erhalten bleiben und Holz liefern.

Als nicht ganz so umweltfreundliche Alternative empfiehlt der Bund für Umwelt- und Naturschutz ökologische Bäume aus einer Plantage. Von konventionellen Monokulturbäumen rät der BUND ab.

Darf ich im Wald selbst eine Tanne fällen?

Bis in die 1980er-Jahre hinein hätten manche Familien noch beim Förster geklingelt und mit seiner Erlaubnis ihren Weihnachtsbaum im Wald selbst geschlagen. „Der wurde dann auf dem Schlitten nach Hause geschleift, ganz romantisch“, erzählt Rudolph. Auch heute noch bieten manche Waldbesitzer oder Förster an, unter Anleitung den Baum selbst zu schlagen, informiert das Bundesumweltamt. Experte Rudolph weist darauf hin, dass jeder Wald einen Besitzer hat und kein Allgemeingut ist. „Ich darf da nicht einfach einen Baum fällen. Das ist rechtlich betrachtet Diebstahl“, sagt er.

Welche Auswirkungen hat es auf den Wald, wenn seine jungen Bäume gefällt werden?

Weihnachtsbäume sind ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft, erklärt Rudolph. „Das Schlagen der Bäume dient der Waldpflege, indem schwächere Bäume aus den dichten Jungbeständen entnommen wurden“, sagt der Experte der Landesforsten. Die verbleibenden Bäume bekommen so mehr Licht und Platz. Das fördert ihre Entwicklung.

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Die Geschichte des Weihnachtsbaums
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Wieso stellen sich Menschen auf der ganzen Welt jedes Jahr eine Tanne ins Haus? Der Weihnachtsbaum hat eine lange Geschichte – und sie beginnt in Deutschland.  © Johanna Stein/RND

Der Eignung solcher Fichten als Weihnachtsbaum widerspricht Prof. Andreas Roloff: „Die entnommenen Bäume sind im Schatten aufgewachsen und haben keinen brauchbaren Weihnachtsbaumhabitus.“ Ihre Zweige seien dünn und hingen mit Kerzen darauf herunter, sagt der Forstbotaniker der TU Dresden.

Tatsächlich sei es gar nicht so leicht, geeignete Bäume im Wald zu finden. „Da müssen unsere Teams jedes Jahr lange suchen“, erzählt Rudolph. Gefällt werden viel mehr junge Bäume als die, die der Endverbraucher kauft. Solche, die sich nicht als Christbaum eignen, lassen die Waldarbeiter zum Verrotten liegen.

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