Grübelfalle Frühling: So lassen sich negative Gedanken verjagen

  • Der Frühling ist da, doch nicht immer sorgen frisches Grün und Sonnenschein für Lebensfreude. Manche Menschen macht der Frühling traurig, weil er nicht als Aufbruch empfunden wird.
  • Corona kann dieses Gefühl noch verstärken, denn die Pandemie bringt jede Menge Ungewissheiten.
  • Psychologin Tanja Michael hat einige Tipps, die aus der gedanklichen Negativspirale heraushelfen.
Katrin Schreiter
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Leipzig. Die Tage werden wärmer, die Sonne scheint länger, Knospen sprießen, Blüten bringen Farbe in die Natur. Doch das weckt nicht bei jedem Menschen Frühlingsgefühle. Manche fühlen sich im Frühling sogar deutlich schlechter als gerade noch im Winter. Psychologin Tanja Michael erklärt, woran das liegt – und was dagegen hilft.

Der Frühling – wie keine andere Jahreszeit beschwingt er die einen und macht die anderen traurig. Warum ist das so, Frau Michael?

In der Tat wird der Frühling von vielen als eine Art Aufbruch empfunden, der frischen Schwung bringt. Andere, die zur selben Zeit nicht so gut drauf sind, vergleichen sich mit den Gutgelaunten und fragen sich, warum sich bei ihnen kein Hoch einstellen mag. Das wiederum führt nicht selten dazu, dass man unzufriedener wird und anfängt zu grübeln. Oft beginnt dann eine Negativspirale.

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Weil sich viele Gedanken immerzu im Kreis drehen?

Genau, und das ohne Ergebnis. Denn im Gegensatz zum Nachdenken ist das Grübeln etwas höchst Unproduktives: Es lenkt die Aufmerksamkeit auf einen selbst, verstärkt die niedergeschlagene Stimmung und laugt mental sowie emotional aus. Typische Gefühle sind Trauer, Wut, Verzweiflung und Ohnmacht.

Prof. Dr. Tanja Michael ist seit 2009 Inhaberin des Lehrstuhls Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität des Saarlandes. Vorherige Stationen waren: Universität Basel (Habilitation), University of Oxford (D.Phil.) und Universität Braunschweig (Diplom). © Quelle: Tanja Michael

Verstärkt Corona diese depressiven Verstimmungen noch?

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Ja, das ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt: Besonders wer anfällig für das Grübeln ist, hat verstärkt depressive und ängstliche Gefühle. Gründe dafür gibt es viele: Da spielen zum einen die biologische oder die soziale Veranlagung eine Rolle, zum anderen aber auch die momentane Situation durch die Corona-Krise. Die Mutter im Altenheim leidet unter Kontaktarmut und spricht plötzlich nicht mehr, die Kinder kommen im Onlineunterricht nicht mehr mit, der Arbeitsplatz scheint nicht mehr sicher … Dazu kommt, dass der Frühling viele auch in gewisser Weise enttäuscht hat.

Enttäuscht?

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Man hatte sich noch vor ein paar Monaten von dem Frühling versprochen, dass das Leben wieder einigermaßen normal verläuft, wir mit dem Impfen schon sehr weit sind, die Zahl der Infizierten stark zurückgegangen ist und die alltäglichen Beschränkungen zum großen Teil weggefallen sind. Doch Corona ist immer noch das beherrschende Thema. Da merkt man schon, wie die Kräfte schwinden.

Was kann man tun, um nicht in das berühmte Loch zu fallen?

Da gibt es keine simple Antwort, die für alle Betroffenen gleichermaßen gilt. Aber wichtig ist auf jeden Fall, das Grübeln zu stoppen. Dazu sollte man darauf achten, was das Grübeln auslöst, und diese Situationen vermeiden – und sich ablenken. Am besten mit Beschäftigungen, die Spaß machen und die Sinne anregen: Das kann Joggen oder Kartenspielen sein, aber auch Kochen oder Nähen. Oder man nutzt den Frühling ganz bewusst, um die Stimmung zu heben.

Zum Beispiel …?

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… indem man den Kontakt zur Natur sucht, an Blüten riecht, Bienen beobachtet, Vögeln lauscht, im Garten oder auf dem Balkon etwas pflanzt. Schon ein Spaziergang im Park kann die Aufmerksamkeit auf Positives lenken. Jetzt, in der Corona-Krise, lernen viele Menschen, die sonst gerade irgendwo auf einer Insel Urlaub machen würden, das Schöne vor ihrer Haustür zu entdecken und zu schätzen. Das Großartige liegt oft in einer Kleinigkeit.

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