Geschmackssache: Hollywood im Handel

  • Vom Hollywoodstar bis zum bekannten TV-Moderator: Der Einzelhandel setzt im Kampf um Kunden immer mehr auf Promis.
  • Gerade vor Weihnachten scheint sich die Werbung mit bekannten Gesichtern zu lohnen.
  • So sollen Stars das Weihnachtsgeschäft ankurbeln.
Erich Reimann
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Hannover. Halle Berry, Boris Becker und Barbara Schöneberger: Vor Weihnachten setzt der deutsche Einzelhandel einmal mehr auf geballte Starpower. Aldi Süd verspricht den Kunden mit Jacken, Jeans und Stiefeletten, „entworfen“ von der Oscarpreisträgerin Halle Berry, „Hollywoodglamour“ für kleines Geld. Die unter Onlinekonkurrenz leidenden Elektronikketten Media Markt und Saturn buhlen gleichzeitig in einer groß angelegten Werbekampagne im Fernsehen, im Kino und online mit Boris Becker und Barbara Schöneberger um die Gunst der Kunden.

Die Zusammenarbeit mit Stars kann sich lohnen, ist der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf überzeugt. Aldi etwa arbeite immer wieder mit bekannten Persönlichkeiten: „Ziel ist, den Billiganbieter cooler wirken zu lassen und ihm einen Premiumanstrich zu verleihen.“

Halle Berry oder Wolfgang Joop: Unternehmen setzen auf Prominenz

Tatsächlich ist Halle Berry nur der jüngste Zugang in der Starriege, mit der sich Aldi in den vergangenen Jahren schmückte. Auch die US-Sängerin Anastacia entwickelte schon eine Modekollektion für Aldi Süd. Der Designer Wolfgang Joop entwarf Möbelaccessoires. Und im Weinregal des Discounters steht Wein von Günther Jauch.

Halle Berry war sich bereits 2012 nicht zu schade dafür, ihren Namen für eine Schuhkollektion von Deichmann herzugeben. Damals wie heute erscheint es eher unwahrscheinlich, dass das ehemalige Bond-Girl unter die Designer gegangen ist, um „modischen Wind aus Hollywood in den Kleiderschrank“ zu bringen, wie Aldi Süd wirbt. Noch unwahrscheinlicher ist allerdings, dass Berry im kalifornischen Filmstaralltag ihre Eigenkreationen wie Strickkleid mit Strumpfstiefeln und einem kratzig aussehenden Schal auch selbst trägt. Zumal auch die Aldi-Kundinnen bislang nicht gerade Schlange standen, um sich mit den Outfits einzudecken.

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Die Liebe des Einzelhandels zu Promis

Günther Jauch betreibt ein Weingut. Nun verkauft er unter seinem eigenen Namen Wein bei Aldi. © Quelle: Günther Jauch
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Die Elektronikketten Media Markt und Saturn setzen gern auf einheimische Prominenz von Boris Becker über Barbara Schöneberger bis zum Sänger Pietro Lombardi. Es ist das erste Mal, dass die beiden Schwesterunternehmen eine gemeinsame Kampagne lancieren. Dass die Liebe der Einzelhändler zu den Prominenten ewig halten wird, ist allerdings nicht gesagt. Im Gegenteil: Neuerdings werden die Handelsriesen den bekannten Größen aus TV und Sport öfter einmal untreu und testen stattdessen die Zusammenarbeit mit den neuen Stars der Internetökonomie: den Influencern mit ihren zahlreichen Followern auf Instagram oder Youtube.

Aldi etwa kündigte bereits im April dieses Jahres eine langfristige Kooperation mit fünf Influencern an. Und auch Lidl setzte in diesem Frühjahr nach der Kooperation mit Model Heidi Klum für eine Frühjahrskollektion seiner Modemarke Esmara auf die Zusammenarbeit mit Influencerinnen. Für den Marketingexperten Fassnacht ist das konsequent. „Gerade die junge Generation fühlt sich solchen Influencern einfach näher, und diese genießen hohe Glaubwürdigkeit“, urteilt er. Die jedenfalls kann Berry als Designerin nicht bieten.