Das reinste Vergnügen: Wie wir Freude an neuen Putztrends finden

  • Die Tage werden länger, die Sonne scheint wieder durch die Fenster und entlarvt dabei jedes kleine Staubkörnchen.
  • Höchste Zeit für den Frühjahrsputz!
  • Zum Glück gibt es dafür Kussmundschwämme, Staubwedel aus Buchenholz und Pferdehaarbürsten.
Kerstin Hergt
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Die Küche starrt nach der letzten Kochsession der Kinder vor Dreck, unterm Bett ist mal wieder Staubflockenalarm, und der ätherische Badezusatz hat blau-grüne Schlieren in der Wanne hinterlassen? Zauberhaft, entzückend, charmant! Denn dann können jetzt all die Putzutensilien, die mit ebensolchen Attributen beworben werden, zum Einsatz kommen.

Jetzt ist zwar die Zeit für den berühmten Frühjahrsputz, doch mit all den praktischen und vor allem ästhetischen Helfern, die den Markt für Reinigungszubehör und -mitteln derzeit regelrecht überschwemmen, ist Großreinemachen das ganze Jahr über eine Freude. Das versprachen zuletzt Reklametafeln aus den Fünfzigerjahren, als adrette Hausfrauen mit Persil-Kartons schmusten („Aus Liebe zur Wäsche“).

Im Trend: Staubwedel aus Straußenfedern und Spülbürste aus Pferdehaar

Heute wird allen Saubermännern und -frauen glauben gemacht, dass ihnen ein Küchenschwamm in Form eines Sterns, mit Kussmund oder Smiley ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und sei der Backofen noch so verkrustet. Mit Spülbürsten aus Pferdehaar und schwanenhalsförmigem Stiel wird garantiert selbst jeder Millionär gern zum Tellerwäscher.

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Apropos Villenbesitzer: Fühlt man sich nicht auch in einer Mietwohnung wie auf dem noblen Herrensitz Downton Abbey aus der gleichnamigen Erfolgsserie, wenn man mit einem Staubwedel mit Straußenfedernbesatz und Buchenholzgriff über die fast in Vergessenheit geratenen Oberflächen von Schränken und Regalen fährt? Selbst die Wollmäuse erscheinen einem mit diesem Tool in der Hand gleich viel vornehmer.

Kardashian, Garner oder Jenner: Auch Promis posieren mit Putzmitteln

Wer sich dennoch zu schade ist für Hausarbeit und ständig darüber nörgelt, muss damit rechnen, als uncool zu gelten. Das legen jedenfalls Bilder und Videos von Prominenten nahe, die sich gern beim Wäschelegen zeigen, wie etwa Schauspielerin Jennifer Garner oder die, wie Kris Jenner, mit Putzmitteln posieren. Das mütterliche Oberhaupt des Kardashian-Clans hat mit Model Chrissy Teigen jüngst eine giftgrün verpackte, aber dennoch angeblich biologisch abbaubare Putzserie unter dem Namen „Safely“ herausgebracht. Vielleicht was für Grünen-Chef Robert Habeck. Er gestand 2019 auf die Frage, wie er seinen beruflichen Alltag bewältige: „Was mir fehlt, ist Normalität: Fahrrad flicken, Rasen mähen, Hemden bügeln, die Wohnung sauber machen.“

Da schwingt wahre Sehnsucht nach Haushaltsführung mit. Die dürfte derzeit, bis auf Habeck, der offensichtlich auch in der Pandemie noch mehr Zeit in der Öffentlichkeit als daheim verbringt, die wenigsten plagen. Eher ist es wohl der Drang nach Ordnung und Übersichtlichkeit in den eigenen vier Wänden, während es draußen in der Welt turbulent zugeht. Wenn es doch so einfach wäre wie in der Achtzigerjahre-Küchentuch-Werbung: „Mit einem Wisch ist alles weg!“

Doch das ist selbst mit Glitzerlappen oft kaum zu schaffen. Wenn nach mehr oder weniger intensiver Prozedur die eigene Küchenzeile immer noch nicht hundertprozentig glänzt, bringt möglicherweise der Blick auf fremde Herdplatten und Armaturen Entspannung: Auf Tiktok und Co. boomen Putzvideos – und haben Millionen Follower. Im Zeitraffer lichtet sich das Chaos und der Schmutz verschwindet. Schöne Vorstellung, aber auch blitzblanker Unsinn. Genauso wie Smiley-Schwämme.

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