Emotionen unter der Maske deuten – geht das?

  • Mittlerweile ist die Maske nicht mehr wegzudenken – Missverständnisse in der Kommunikationen gibt es aber immer noch.
  • Es fehlt nicht nur der wichtige, emotionale Part des Gesichts, auch die Stimme ist unter dem Stoff dumpf und undeutlich.
  • Experten erklären, wie man die Mimik dennoch deuten kann.
Alice Mecke
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Hannover. Ein Lächeln erkennt man vielleicht noch ganz gut – dank zusammengekniffener Augen. Doch andere Emotionen des Gegenübers zu erkennen ist durch das Tragen einer Maske schwer. Denn gerade der „untere Teil“ des Gesichts ist ausschlaggebend für nonverbale Kommunikation.

„Der untere Part des Gesichts ist derzeit von der Nase an wegen der Masken nicht zu erkennen. Gefühle wie Verachtung werden in der Mimik beispielsweise ab der Nase ausgedrückt“ erklärt die Profilerin Sabrina Rizzo den „Lübecker Nachrichten“. Auch Wut, die sich unter anderem in zusammengepressten Lippen zeigt, ist hinter der Maske unsichtbar. Rizzo ist Expertin für Körpersprache und kann Menschen „lesen“, wie sie im Interview mit den „Lübecker Nachrichten“ (LN) erklärt – vor allem an den Augen.

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Wer nach unten schaut, zeigt Emotionen

„Ich kann an den Augen erkennen, ob jemand ein Trauma erlitten hat, ob frühkindliche Erlebnisse nachwirken oder ob mir ein Soziopath gegenüber steht.“ Die Expertin, die unter anderem bei Kriminalfällen hilft, erklärt einen Trick: „Wenn jemand bei einer Gefühlsäußerung in die Ferne oder nach unten sieht, zeigt er Emotionen, sieht er das Gegenüber dabei an, spricht er auf rationaler Ebene.“ Auch ein falsches Lächeln kann man ebenfalls entlarven: „Ein echtes Lächeln verringert den Augapfel, weil man den Augenringmuskel anspannt. Diesen können wir nicht bewusst steuern.“

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Ekel ohne Maske.  @ Quelle: Rizzo-Group

Wichtige Gespräche besser ohne Maske führen

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In den ersten 0,5 Sekunden einer Reaktion zeige die Mimik die wahre Emotion, erklärt Rizzo – erst danach könnten Menschen ihre Mimik bewusst steuern. Wichtige Gespräche sollte man daher ohne Maske führen. „Wenn es darum geht, einen möglichen Partner kennen zu lernen, sollte man das ohne Maske machen. Das gilt auch für wichtige Bewerbungsgespräche.“

Um die Mimik trotz Maske zu erkennen, brauche es viel Übung, so die Expertin. Erschwerend hinzu komme, dass jede Gesichtsmaske automatisch als Signal für etwas Negatives gesehen werde. „Das macht uns bewusst, in welcher Situation wir gerade sind.“

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Die Kommunikation verändern

Wer eine Maske trägt und verstanden werden möchte, müsse an seiner Kommunikation arbeiten, erklärt Luna Mittig, ausgebildete Stimm- und Sprechtrainerin. Denn es fehlt nicht nur die Mimik, unter der Maske ist die Stimme zusätzlich gedämpft. „Man muss sich selbst disziplinieren, langsamer zu sprechen, kürzere Sätze zu verwenden und mehr Wert auf die Betonungen zu legen“, erklärt die Trainerin. Und mehr gestikulieren: „Das, was man im Gesicht wegen der Maske nicht sieht, muss man mit Händen und Füßen machen.“

Das Problem lässt sich mit dem einen oder anderen zusätzlichen Wort leicht lösen. „Wir Menschen nördlich der Alpen neigen dazu, eher ein bisschen zu wenig zu reden“, findet Carbon. „Aber es schadet uns ja nicht, dass wir manche Sachen etwas explizit machen, auch wenn es etwas mehr Kraftaufwand bedeutet.“

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Face-Shields sind keine Alternative mehr

Für gehörlose Menschen ist der Wegfall der Mimik beziehungsweise des Lippenlesens besonders schwierig. Für sie ist es daher weiterhin erlaubt, Face Shields zu tragen. Eine weitere Ausnahme gilt für Lehrpersonal zum Beispiel an Universitäten und Schulen. Auch Menschen, die grundsätzlich von der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreit sind, können weiterhin freiwillig Visiere verwenden, sowie Kassierer, Physiotherapeuten oder Servicekräfte in der Gastronomie, die derzeit über mehrere Stunden einen Mundschutz tragen müssen. Die Ausnahmeregelungen sind Ländersache.

Für die restliche Bevölkerung sind die Visiere nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht mehr ausreichend und sie werden somit nicht mehr als Alternative zum Mund-Nasen-Schutz gesehen. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand würde das Visier „nicht vergleichbar die Verbreitung von Aerosolen verhindern“, schreibt das RKI auf seiner Webseite.

RND/Alice Mecke/dpa


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