Eine Frage der Unterstützung: Bralette oder Korsett?

  • Mehr Stoff, weniger Haut – das ist ein Trend in der Mode.
  • Designer setzen seit einiger Zeit vermehrt auf geschlechtsneutrale Kleidung.
  • Auch Stars geben sich immer öfter zugeknöpft.
Kerstin Hergt
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Bloße Schultern, blanker Rücken, blitzender Bauchnabel – wenn es in der Mode um nackte Tatsachen geht, wurde in der jüngsten Vergangenheit der Blick auf fast alles gelenkt, nur nicht aufs Dekolleté. Es war irgendwie verschwunden, ja geradezu out. Wobei diese Tatsache wohl weniger mit Schicklichkeit zu tun hatte, als vielmehr damit, dass es einfach nicht chic war.

Designer setzen seit einiger Zeit vermehrt auf geschlechtsneutrale Mode, da geht es um viel Stoff und eher wenig Haut. In der Film- und Musikbranche rebellieren schon seit Längerem immer mehr weibliche Stars dagegen, bei Red-Carpet-Events auf ihr Äußeres reduziert zu werden. Sie geben sich bei Auftritten abseits von Dreharbeiten und Konzerten eher zugeknöpft. Ein Musterbeispiel dafür ist Musikerin Billie Eilish, in modischer Hinsicht Vorbild für Millionen von Teenies. Sie achtet sehr genau darauf, ihre Figur zu verstecken und wird für ihren geschlechtsneutralen Zwiebellook gefeiert. „Ich muss große Shirts tragen, damit niemand sich unwohl wegen meiner Brüste fühlt“, verriet die Sängerin in einem Interview. Doch die Zeiten könnten bald vorbei sein. Denn jetzt rückt der Ausschnitt plötzlich wieder in den Fokus. Und das nicht zu knapp.

Netflix-Serie „Bridgerton“ steigert Nachfrage

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Sowohl Ebay als auch die Fashionsuchmaschinen Lyst und Stylight vermeldeten im Januar einen rasanten Suchanfragenanstieg nach Korsetts. Auslöser für den ­Hype ist offenbar die Netflix-Erfolgsserie „Bridgerton“. In dem Mehrteiler um zwei britische Familien in der Regency-Ära sind laut der vielfach prämierten Kostümdesignerin Ellen Mirojnick 7500 Kleidungsstücke nach dem Vorbild der Mode in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Einsatz. Das bedeutet: Viele Seiden- und Musselinkleider mit hoch angesetzter Taille und Push-up-Effekt für den Busen.

Mit Blick auf die romantische Kleidermode, der im realen Leben etwa die Luxusdesigner Erdem und Simone Rocha huldigen, sagen Modeexperten für Frühjahr und Sommer einen wahren „Regencycore“ voraus. Dass das Korsett dabei eine tragende Rolle spielen soll, überrascht: Tatsächlich ist das Regency- oder auch Empirekleid der erste Versuch einer Abkehr vom Korsett – nach fast dreihundertjähriger Zugeschnürtheit. Die Taille sollte eben nicht mehr auf Wespenformat zusammengedrückt werden. Stattdessen trugen Frauen zu dieser Zeit nur noch halbe, BH-ähnliche Stützkorsetts, die die Brust hochdrückten. Doch schon ein paar Jahrzehnte später waren die schmale Taille und der weite Reifrock wieder angesagt.

Das Korsett war Geschichte

Erst Coco Chanel ließ nach dem Ersten Weltkrieg mit ihren lässig geschnittenen Jerseykleidern die Frauen wieder aufatmen. Das Korsett war Geschichte. Warum bloß sollten sich Frauen heute freiwillig wieder in eins hineinzwängen? Und das in Zeiten von Body Positivity? Erleben wir nicht aufgrund der Pandemie schon genug Einschränkungen? Gibt es nicht irgendwas zwischen zu viel Elastizität am Joggingbund und einem knallharten Unterbrustkorsett, wie es Dekolleté-Expertin und „Baywatch“-Ikone Pamela Anderson jüngst bei ihrer sechsten Eheschließung trug? Ein Kompromiss ist vielleicht das Bralet oder auch Bralette, das viele Designer für die neue Saison im Programm haben. Es ist sieht aus wie ein BH, kommt aber ohne Bügel, Polster oder gar Verschluss aus und wird als Oberbekleidung getragen, gern auch unter offenen Blazern oder Strickjacken. Dem Dekolleté wird damit auf unaufdringliche und lässige Weise gehuldigt.

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