Ein Fahrradschloss aus Stoff - funktioniert das?

  • Ein Fahrradschloss aus Stoff – wie soll das denn sicher sein?
  • Dieses Kunststück ist den Leipziger Produktdesignerinnen Alexandra Baum und Suse Brand tatsächlich gelungen.
  • Vor drei Jahren gründeten sie das Unternehmen Texlock, um Design-Fahrradschlösser herzustellen.
Pia Siemer
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Leipzig. Als leidenschaftliche Fahrradfahrerinnen lag das Thema Sicherheit den Leipzigerinnen Alexandra Baum und Suse Brand schon immer am Herzen. Gleichzeitig waren sie genervt von Schlössern, die unhandlich, groß und schwer sind. „Viele Metallschlösser sind einfach zu kurz, um das Rad an einem Zaun oder einem Geländer anzuschließen“, findet Suse Brand. Da beide viele Jahre in der Textilbranche tätig waren, entschlossen sie sich vor ein paar Jahren, einfach selbst ein Produkt auf den Markt zu bringen.

„Wir hatten Unternehmergeist, aber auch eine gehörige Portion fröhliche Naivität“, erinnert sich Alexandra Baum. Mitte 2016 gründeten die beiden das Unternehmen Texlock. Ihre Produkte unterscheiden sich vor allem in einer Komponente von vielen anderen Fahrradschlössern: Sie sichern Fahrräder durch Stoff.

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Unterschiedliche Materialen halten verschiedenen Werkzeugen stand

Beide hatten bereits als Produktentwicklerinnen mit unterschiedlichen Stoffen gearbeitet und dabei gemerkt, dass Textilien durchaus Sicherheit bieten können. Die Texlock-Schlösser besteht deswegen aus einer relativ dünnen Metallkette, die mit fünf verschiedenen Textil-Lagen ummantelt ist. „Leider gibt es noch nicht das eine Material, das alles kann. Deswegen arbeiten wir mit unterschiedlichen schnittfesten oder hitzeresistenten Fasern“, erklärt Suse Brand.

Die Texlock-Schlösser gab es ursprünglich in drei verschiedenen Längen, mittlerweile können sogar Maßanfertigungen für Kunden hergestellt werden. An den beiden Enden des Seils befinden sich Ösen, die mit einem kleinen Bügelschloss gesichert werden können. So kann der Nutzer das Texlock-Schloss auf viele verschiedene Varianten durch sein Fahrrad schlängeln und mit den längeren Versionen beide Laufräder gleichzeitig sichern.

Die erste Version des Produkts musste überarbeitet werden

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Durch eine Kickstarter-Kampagne konnten sie die Produktion der ersten Schlösser finanzieren. Aber gleich nach der Auslieferung an die ersten Kunden, sahen sich die beiden Frauen mit Vorwürfen konfrontiert. Nutzer hatten das Schloss mit einer herkömmlichen Säge aus dem Baumarkt in nur wenigen Sekunden knacken können, die Videos der Selbsttests tauchten auf Youtube auf – über die beiden Gründerinnen brach ein wahrer Shitstorm herein. „Da hat natürlich eine gewisse Ernüchterung bei uns eingesetzt“, erzählt Baum. „Wir haben uns zu sehr auf Bolzenschneider als Diebstahlwerkzeug fokussiert und zu wenig auf Sägen.“

Trotzdem glaubten die beiden Gründerinnen weiter daran, dass die Kombination aus Textil und Seil die richtige ist. „Ein solch neuartiges Produkt braucht Zeit zum Reifen, das ist ein Prozess“, sagt Baum heute. Sie überarbeiteten ihr Produkt und brachten das sägeresistentere Texlock 2.0 auf den Markt. Dessen erhöhte Widerstandsfähigkeit ließen sie sich auch durch das unabhängige niederländische Art-Zertifikat bescheinigen.

Dieses Jahr stellten sie ihre Produkte bei der internationalen Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen vor. „Wir haben sehr gute Rückmeldungen bekommen“, erzählt Baum. Das nächste Ziel der beiden Gründerinnen lautet deshalb: Go Europe! Sie sind dabei, ihre Schlösser auch in den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und Italien auf den Markt zu bringen.

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