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Vorschriften sind strenger geworden

Allergiker aufgepasst! Was steckt eigentlich im Parfüm?

„Generell sollten Parfüms eher sparsam verwendet werden“, sagt Chemikerin Silvia Pleschka.

Wie die meisten Werbeversprechen klingen auch diese zu gut, um wahr zu sein: Selbst­bewusst­sein und unwiderstehlichen Charme soll Männern der würzig-herbe Duft des Klassikers Old Spice verleihen. Chanel verspricht den Trägerinnen des wohl bekanntesten Parfüms der Welt, Chanel No. 5, sogar „die Essenz der Weiblichkeit“ und „zeitlose Eleganz“.

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Aber auch, wenn wohl kein Geruch der Welt einen grundlegenden Einfluss auf Persönlichkeit oder Geschlecht hat, ist die Wirkung von Düften enorm. Immerhin sind Gerüche die einzigen Sinnes­wahr­nehmungen, die im Gehirn direkt mit Gefühlen und Erinnerungen verknüpft werden. Menschen, die sich lieben, sollten sich gegenseitig auch „gut riechen“ können. So ist es kaum verwunderlich, dass Parfüms so beliebt sind: Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz mit Damen­parfüms in Deutschland laut dem Portal Statista rund 840 Millionen Euro, die Männerparfüms kommen immerhin auf 450 Millionen Euro.

Duftstoffe können Kontaktallergie auslösen

Aber nicht jeder verträgt die Mischung aus Alkohol, destilliertem Wasser und Duftstoffen in den sorgfältig designten Flacons. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) sind Duftstoffe nach Nickel der zweithäufigste Auslöser einer Kontakt­allergie. Etwa 15 bis 20 Prozent der Europäerinnen und Europäer sind betroffen. Heilbar ist sie nicht – wer erst mal eine Kontakt­allergie entwickelt hat, behält diese in der Regel auch.

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Für Allergikerinnen und Allergiker ist also eher Vorsicht angesagt bei Parfüms. Silvia Pleschka, Chemikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des DAAB, empfiehlt, die Inhaltsstoffe auf der Verpackung mit den Einträgen im Allergiepass abzugleichen: „Wer unter bestimmten Kontakt­allergien auf Kosmetik­inhalts­stoffe wie allergene Duftstoffe leidet, sollte seine Allergieauslöser meiden – auch bei Parfüms.“

Vorgaben und Empfehlungen

Immerhin: 26 Duftstoffe, die besonders häufig Allergien verursachen sollen, müssen nach den Vorgaben der Europäischen Union (EU) kenntlich gemacht werden und dürfen eine bestimmte Konzentration nicht überschreiten. Ganz darauf verlassen sollten sich Kunden nicht, denn laut Umwelt­bundes­amt ersetzen die Hersteller die Substanzen teilweise durch andere, nicht deklarations­pflichtige Stoffe, die ebenfalls Allergien auslösen können.

Auch die International Fragrance Association (IFRA) veröffentlicht regelmäßig Empfehlungen zu den Einsatzkonzentrationen für jeden einzelnen Duftstoff. „Für problematischere Stoffe wie Isoeugenol oder Cinnamal gibt es zum Beispiel Grenz­konzentrationen. Die sollten nicht überschritten werden“, weiß der Initiator und langjährige Leiter des Informations­verbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK), Axel Schnuch.

Diesen Empfehlungen ist es seiner Meinung nach auch zu verdanken, dass die Allergie­häufig­keit so zurück­gegangen ist: „Anfang der 2000er hat es einen besorgniserregenden Anstieg der von Dermatologen diagnostizierten Duft­stoff­allergie auf 13 Prozent gegeben. Mittlerweile haben wir aber eine historisch niedrige Allergie­häufig­keit“, so Schnuch. „Das liegt daran, dass die Empfehlungen der IFRA sehr restriktiv geworden sind und bestimmte Stoffe verboten wurden.“ Manche Firmen würden demnach entweder ganz auf problematische Stoffe verzichten oder sie nur noch in geringer Konzentration einsetzen.

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„Die Dosis macht das Gift“

„Entscheidend für das Allergierisiko sind die Dauer der Anwendung, die Häufigkeit und die Konzentration und Potenz der Inhaltsstoffe“, so der Dermatologe. „Die Dosis macht das Gift – das gilt auch für Parfüm. Bei jedem Stoff, der eingesetzt wird, sollte die Konzentration niedrig sein.“ Ob es sich bei den verwendeten Stoffen um ätherische Öle natürlichen Ursprungs oder synthetische Düfte handelt, mache allerdings keinen Unterschied in Bezug auf das Allergierisiko. Wenn ein Parfüm nicht vertragen wird, reagiert die Haut meistens an der betroffenen Stelle mit Ekzemen.

Nicht immer bleibt die allergische Reaktion allerdings auf die besprühten Hautareale begrenzt: „Die Allergene werden auch weitergetragen vom Lymphsystem der Haut“, warnt Schnuch. Es könne also sein, dass sich die allergische Reaktion über die Anwendungs­stelle ausdehne. „Bei besonders empfindlichen Personen und einem besonders potenten Allergen kann es dann auch zu einem generalisierten Ekzem kommen“, sagt Schnuch. Das sei aber selten. Außerdem betont der Dermatologe: „Eine Duft­stoff­allergie ist eine Hautallergie, keine Atem­wegs­allergie. Besonders empfindliche Menschen reagieren mit Husten, wenn sie einem Duftstoff stark ausgesetzt sind. Aber das liegt dann eher an der Reizung der Atemwege, nicht an einer Allergie.“

Wie verwende ich Parfüms richtig?

Von einer zu intensiven Nutzung raten Fachleute ab: „Generell sollten Parfüms eher sparsam verwendet werden, damit die Geruchs­wahrnehmung nicht darunter leidet“, rät Chemikerin Pleschka. Grundsätzlich könnten Parfüms ohne Bedenken auf Haut, Haare und Kleidung aufgesprüht werden. Besondere Vorsicht gelte aber bei geschädigter Haut: „Auf keinen Fall sollten Parfüms auf gereizte und entzündete Haut aufgetragen werden, denn hier können die Inhaltsstoffe leichter durch die Hautbarriere dringen und in den Blutkreislauf gelangen“, warnt Pleschka. Der enthaltene Alkohol könne ein brennendes Gefühl auf der Haut hervorrufen. Auch der Intimbereich solle ausgespart werden.

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Wie lagere ich Parfüms?

Weil einige Duftstoffe auf UV-Licht reagieren, rät Dermatologe Schnuch zu einem schattigen Auf­bewahrungs­ort. „Durch Oxidation können Produkte entstehen, die deutlich proble­matischer sind als der Ausgangsstoff. Insofern sollte man Parfüm auf keinen Fall direkt am Fenster lagern.“ Ist das Parfüm erst mal aufgetragen, habe ein Sonnenbad laut Schnuch in der Regel keine schädliche Wirkung mehr auf den Duft: „Die meisten Sonnen­schutz­präparate sind ja auch parfümhaltig“, so Schnuch. „Bei manchen Stoffen, wie zum Beispiel Ketoprofen, kann es passieren, dass sie sich durch UV‑Licht so verändern, dass sie eine Photo­kontakt­allergie auslösen können.“ Bei Parfüm sei das früher mal bei dem Stoff Musk ambrette beobachten worden. Mittlerweile sei das aber verboten.

Wie lange sind Parfüms haltbar?

In Sachen Haltbarkeit ist bei Parfüm erst mal Entspannung angesagt: „Für kosmetische Produkte, die länger als 30 Monate haltbar sind, ist die Angabe eines Halt­barkeits­datums nicht vorgeschrieben, dazu gehören viele Parfüms“, sagt Pleschka. „Bei einigen Produkten kann jedoch ein Hinweis auf Haltbarkeit nach dem Öffnen auf dem Produkt zu finden sein.“ Dieser Zeitraum sollte auf jeden Fall beachtet werden. „Am besten man notiert das Datum, an dem das Parfüm geöffnet wurde, auf der Verpackung“, empfiehlt Pleschka. Nur, wenn sich das Parfüm im Aussehen, Färbung oder im Geruch verändert, solle es lieber nicht mehr aufgetragen werden.

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