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Mit Roter Beete oder gemahlenen Steinen

Wie in der Steinzeit: So lässt es sich mit natürlichen Materialien malen

Pinsel stehen in einem Glas.

Vor vielen Tausend Jahren haben unsere Vorfahren bereits mit Malereien ihre Höhlen verschönert – mit primitiven Hilfsmitteln, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gern sagen. Doch was heißt primitiv, wenn man nicht mit einem Tuschkasten und Pinseln aus Plastik arbeiten kann, sondern seine Farben aus Naturmaterialien erst herstellen muss? Holzkohle sollen die Steinzeitmenschen verwendet haben. Buntes Gestein zerrieben sie zu feinem Pulver und mischten es mit Pflanzensäften und Blut zu Farbe.

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Nick Neddo ist fasziniert von den uralten Techniken und davon, mit welchen Materialien man kreativ sein kann. „Mutter Natur ist meine Lieblingskünstlerin“, sagt der US-Amerikaner, der als Künstler, Zeichner und Lehrer arbeitet. Er gibt Kurse und Workshops im US-Bundesstaat Vermont. Wichtig ist ihm dabei, dass er sein Wissen spielerisch weitergibt, denn „das stellt die Urform der Schule dar. In den ersten Lebensjahren werden durch spielerisches Ausprobieren viele grundlegende Fähigkeiten erworben.“

Nick Neddo: „Malwerkstatt Natur für Kinder: Stifte, Farben, Stempel und mehr aus Naturmaterialien“, Haupt-Verlag, 160 Seiten, 22 Euro. Ab fünf Jahren.

Nick Neddo: „Malwerkstatt Natur für Kinder: Stifte, Farben, Stempel und mehr aus Naturmaterialien“, Haupt-Verlag, 160 Seiten, 22 Euro. Ab fünf Jahren.

Die wichtigsten Werkzeuge für Neddo sind dabei die Fantasie und die eigenen Hände: „Unsere steinzeitlichen Vorfahren lösten all ihre Probleme ohne Metall, Plastik, Papier, Glas oder Elek­tri­zi­tät“, erklärt er. „Sie waren auf Holz, Knochen, Geweihe, Steine, Muscheln und andere Naturmaterialien beschränkt. Dennoch konnten sie sich mit dem versorgen, was sie brauchten. Die mächtigsten Werkzeuge in Sachen Kreativität sind unsere Hände.“

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Was Handkraft und Natur zusammen gestalten können, hat Neddo in einem Buch zusammengefasst: In „Malwerkstatt Natur für Kinder“ zeigt er kleinen und großen Entdeckerkünstlern Anleitungen und gibt viele Tipps.

Der Blütendruck

Bei dieser Technik wird der in den Pflanzen enthaltene Saft genutzt, um Bilder auf Papier zu bringen.

Stempeln nur mit Blüten? Ja, das funktioniert.

Stempeln nur mit Blüten? Ja, das funktioniert.

Das wird gebraucht:

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  • Blüten und/oder Blätter,
  • dickes Aquarellpapier,
  • Schneidebrett,
  • Küchenpapier,
  • Kreppband,
  • Hammer mit Gummikopf (oder einen Hammer mit Filz oder Wattepads umwickeln).

So geht’s: Blüten und Blätter sammeln, aber nicht zu viel von einer Pflanze nehmen, damit sie nicht eingeht. Ein Blatt Aquarellpapier auf ein Brett legen. Darauf kommt ein Laub- oder Blütenblatt, das mit einem weiteren Blatt Papier und drei oder vier Lagen Küchenpapier abgedeckt wird. Am besten das Küchenpapier mit Kreppband fixieren, damit sich die Pflanzenteile nicht verschieben. Falls kein Hammer mit Gummikopf vorhanden ist, wird ein gewöhnlicher Hammer vorbereitet. Dazu einen Filzkreis ausschneiden und diesen mit Schnur oder Gummiband am Kopf des Hammers befestigen. Oder mit Wattepads polstern. Mit diesem weichen Hammer wird erst vorsichtig, dann mit Druck durch alle Papierlagen auf die Blüten und Blätter geklopft. Klebeband und die Papiertücher entfernen und die zerstampften Pflanzenstücke vorsichtig vom Papier abheben.

Tipp: Statt Aquarellpapier können Baumwolle, Musselin, Seide oder dünne Wolle mit dieser Technik bedruckt werden. Jede Pflanzenart verhält sich beim Druck auf andere Art. Einige Drucke wirken lebendig, andere ganz zart.

Stempel aus Roter Bete

Kartoffeldrucke hat wohl jedes Kindergartenkind schon einmal gemacht. Das System funktioniert mit Roter Bete noch besser, denn sie sind Stempel und Stempelkissen in Einem. Die Natur hat ihnen einen leuchtenden Farbsaft mitgegeben: eine schöne Tinte, die jedoch mit der Zeit verblasst.

Aus Rote Bete kann man einen Stempel herstellen.

Aus Rote Bete kann man einen Stempel herstellen.

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Das wird gebraucht:

  • Rote Bete,
  • Papier,
  • Messer,
  • spitzer Bleistift,
  • Schnitzwerkzeug oder Linolschnittmesser,
  • Schüssel mit warmem Wasser.

So geht’s: Rote Bete in etwa ein Zentimeter dünne Scheiben schneiden. Je saftiger die Bete, desto besser. Den Umriss einer Betescheibe auf ein Blatt Papier mit Stift übertragen und innerhalb dessen ein einfaches Motiv zeichnen, etwa ein Herz. Das ist die Vorlage für den Stempel. Nun wird die Vorlage auf die Betescheibe gelegt und mit einem spitzen Bleistift durch das Papier auf die Oberfläche der Bete gemalt. Das Motiv ritzt sich in das Gemüse ein. Mit einem Messer oder einem Schnitzwerkzeug auf der Rote-Bete-Oberfläche rund um das Motiv alles wegschneiden. Den Stempel mit der geschnitzten Seite nach unten auf das Blatt legen und mit einer Hand fest auf die Rückseite pressen.

Tipp: Wenn dem Betestempel die „Tinte“ ausgeht, kann man ihn „auftanken“, indem die Bete in eine Schale mit warmem Wasser getaucht wird.

Farbe aus Ei und Stein

Eitempera ist eine Farbe aus Farbpigmenten, etwas Wasser und dem Bindemittel Eigelb. Die Farbe trocknet schnell und kann mehr als 3500 Jahre lang halten. Im alten Ägypten wurde Eitempera zum Bemalen von Grabstätten und für Mumienporträts verwendet. Ein weiterer Pluspunkt: Tempera ist einfach herzustellen.

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Dass die Natur bunt ist, zeigt diese Auswahl an natürlich gewonnenen Farben.

Dass die Natur bunt ist, zeigt diese Auswahl an natürlich gewonnenen Farben.

Das wird gebraucht:

Für die Pigmente:

  • Steine,
  • Hammer,
  • alter Lappen oder ein Tuch,
  • Steinmörser und Stößel,
  • Schutzbrille und Staubmaske,
  • Schraubglas oder anderer Glasbehälter,
  • Trichter.

Für die Farbe:

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  • Eier,
  • Wasser,
  • kleine Schüsseln,
  • Zahnstocher,
  • Pinsel oder Zweig.

So geht’s: Steine suchen, bestenfalls nicht größer als ein Pingpongball. Ist ein Stein doch größer, muss er aufgebrochen werden. Dafür auf eine harte Oberfläche legen, mit einem Stück Stoff abdecken und mit einem Hammer darauf schlagen. Sollte der Stein nicht brechen, ist er zu hart für den Mörser und damit unbrauchbar. Bei dem Vorgang sollte man sich mit Schutzbrille und Maske schützen. Der Reihe nach die Pigmente herstellen. Dazu je einen Stein in den Mörser geben und mit dem Stößel senkrecht von oben auf ihn schlagen, bis er in kleinere Bröckchen zerbröselt. Diese dann weiter bis zu einem feinen Pulver zerreiben. Das mehlartige Pulver dann mithilfe eines Trichters in ein verschließbares Gefäß umfüllen.

Nun ein Ei auf der Kante einer Schale schlagen und das Eigelb vom Eiweiß trennen. Dazu das Ei über eine Schüssel halten und den Dotter mehrmals so vorsichtig wie möglich von einer Schalenhälfte in die andere geben. Dabei trennt sich das Eigelb vom Eiweiß, während das Eiweiß nach und nach in die Schüssel tropft. Dann das Dotter in eine zweite Schale geben. Mit einem Zahnstocher oder einem anderen spitzen Gegenstand die Haut anstechen. Das gelbe Innere fließt in das Behältnis; die Haut des Eigelbs entfernen.

Farbe anmischen: Zum Eigelb kommt das Farbpigment im Verhältnis von einem Teil Pigment auf ein Teil Eigelb. Beides gut mit einem Pinsel oder einem kleinen Zweig verrühren. Schrittweise wird immer nur wenig Pigment dazugetan, bis die Farbe dick ist, aber nicht so fest wie eine Paste. Anschließend wird etwas Wasser hinzugegeben – drei Teile Wasser auf einen Teil der Pigmentmischung. Alles gut verrühren. Das verhindert, dass die Farbe zu schnell trocknet.

Tipp: Nach dem Trocknen hält Tempera zwar ewig, lässt sich allerdings nicht gut lagern. Daher immer nur kleine Mengen anmischen oder wenige Tropfen Essig hinzugeben, dann hält sich die Farbe für ein paar Tage im Kühlschrank.

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