Saftkur: Was bringt die Detoxdiät wirklich?

  • Sie soll den Körper entgiften und die Pfunde purzeln lassen: die Saftkur.
  • Tatsächlich kann so Gewicht verloren werden – meist allerdings nur kurzfristig.
  • Auch die entgiftende Wirkung der Saftkur ist wissenschaftlich nicht belegbar. Dennoch kann die Kur auch positive Effekte haben.
Melina Runde
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Eine Woche nur noch Saft trinken. Kann das gut sein? Laut Detoxfans soll es sogar den Körper von Schadstoffen „entgiften“ und beim Abnehmen helfen. Dafür sollte nur noch zu Obst- oder Gemüsesäften, ungesüßtem Tee, Brühe oder Wasser gegriffen werden. Feste Mahlzeiten sind hingegen tabu. Aber was ist dran an der Saftkur?

Was ist eine Saftkur?

Heutzutage würden wir so viele Gifte und Schadstoffe aufnehmen, die unser Körper nicht mehr ganz ausscheiden könne. Dieser Ansicht sind viele Anhänger der Detoxkuren, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Dem solle mit dem reinen Safttrinken entgegengewirkt werden. Denn dadurch würden der Stoffwechsel und die Verdauung angeregt.

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Wie lange die Kur gehen sollte, dazu gibt es keine festen Angaben. Die Kur kann von ein bis sieben Tagen andauern. Einige legen auch regelmäßig einen Detoxtag ein. Jede Mahlzeit wird dabei durch etwa 200 bis 250 Milliliter Obst- oder Gemüsesaft ersetzt. In der Regel sind das dann etwa drei bis sechs Säfte pro Tag. Für die komplette Entgiftung leeren einige sogar vor dem Start ihren Darm durch spezielle Tabletten oder Kapseln aus – auch „Colon Cleansing“ genannt.

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Was bringt eine Saftkur?

Saftkuren sollen den Körper entlasten und ihm dadurch mehr Energie geben. Die Hoffnung: ein besseres Wohlbefinden und eine Gewichtsabnahme. Die Wirkung der Saftkuren, das sogenannte „Entschlacken“, ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt. Vor allem, weil es kaum Studien gibt, die sich mit Detoxdiäten beschäftigen.

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Außerdem verfügt unser Körper über sein ganz eigenes Entgiftungssystem. Unerwünschte Stoffe werden ohnehin ganz natürlich über Leber, Darm, Niere, Haut oder die Atmung ausgeschieden, heißt es von der DGE. Ansonsten kann auch ohne Saftkur die richtige Ernährung in einigen Fällen schon Abhilfe schaffen. Denn Grund für Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Verdauungsbeschwerden ist oftmals auch eine falsche Ernährung. Dass die Kur anfangs bei diesen Symptomen helfen kann, liegt daran, dass der Saft leichter zu verdauen ist und dem Körper so weniger Energie raubt. Generell leichtere Mahlzeiten zu sich zu nehmen könnte also auch bereits eine Verbesserung bei Müdigkeit und Co. zeigen.

Kann eine Saftkur auch schaden?

Ausschließlich und zu viel Saft kann auch Nachteile mit sich bringen. Durch eine strenge Saftkur nimmt der Körper zu wenige Proteine und Fette zu sich – ein Nährstoffmangel kann die Folge sein. Der mögliche Grund dafür, dass während der Detoxkur sogar einige auch von Kopfschmerzen oder Antriebslosigkeit berichten.

Zwar empfiehlt die DGE fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag – allerdings nur eine Portion Saft. Denn Säfte enthalten eine Menge Fruchtzucker und auch der ist nur in Maßen zu empfehlen. Auch Energie erhalte der Körper durch den Saft, sättigen tut dieser jedoch nicht. Das strikte Essverhalten mit extrem niedriger Zufuhr von Proteinen und Energie könne laut der DGE sogar das Risiko einer Essstörung erhöhen.

Abnehmen dank Detoxdiät?

Tatsächlich nehmen viele, die sich an der Detoxdiät probieren, auch ab. Ein langfristiger Gewichtsverlust ist das aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Eine Übersichtsarbeit aus 2017 hat verschiedene Diäten bezüglich ihrer Effektivität untersucht. Das Ergebnis: Bei all diesen Diäten sei vor allem die reduzierte Energiezufuhr verantwortlich für die purzelnden Pfunde. Für weitere Schlussfolgerungen sei die Studienlage jedoch zu schwach.

Der Effekt entsteht also dadurch, dass nur Flüssigkeit und kaum Kalorien aufgenommen werden. Dadurch entwässert der Körper. Somit handelt es sich vor allem um eine Abnahme von Wasser und nicht von Körperfett, heißt es von der DGE. Der kurzfristige Erfolg kann bei Wiederaufnahme der üblichen Ernährung also schnell von einem Jo-Jo-Effekt gefolgt werden. Etwas Langfristiges bringt die Saftkur möglicherweise dennoch: Sie kann dabei helfen, auch nach dem Detox bewusster und gesünder zu essen.

Wie starte ich am besten in die Saftkur?

Wer dennoch eine Saftkur ausprobieren möchte, dem ist zu empfehlen, bereits eine Woche vorher auf mögliche Schädlinge zu verzichten – dazu zählen Alkohol, Nikotin und Kaffee. Um den Körper darauf vorzubereiten, ist es ratsam, wenige Tage vorher auch nur noch lediglich leichte Kost zu sich zu nehmen und auf fettige und zuckerhaltige Mahlzeiten besser zu verzichten.

Säfte aus dem Supermarkt sind meist tatsächlich eher weniger für die Kur geeignet. Außer, es handelt sich um Direktsäfte ohne Zusätze. Praktisch und einfach sind zusammengestellte Saftkuren, die sich bereits fertig kaufen lassen. Wer es lieber selbst in die Hand nehmen will, dem ist eine Saftpresse zu empfehlen. Dabei wird der Saft langsam und kaltgepresst und behält so am meisten Vitamine und Nährstoffe.

Worauf ist währenddessen und danach zu achten?

Nebenher sollen laut der DGE Massagen und Bäder die Wirkung verstärken. Auch Spaziergänge, Yoga oder ein Besuch in der Sauna sollen den Effekt zusätzlich unterstützen. Nicht zu empfehlen ist hingegen körperliche Anstrengung während der Detoxphase. Stattdessen lieber ausreichend Ruhephasen einbauen.

Nach der Kur gilt es dann, den Körper erst wieder langsam an feste Nahrung zu gewöhnen. Die DGE schreibt dazu: „Im Anschluss an die Safttage wird eine ballaststoffreiche Ernährung empfohlen, die ausschließlich aus Obst und Gemüse oder Rohkostsäften besteht.“ Ebenfalls eignen sich gekochte Kartoffeln oder Reis.

Wem ist eine Saftkur zu empfehlen – und wem nicht?

Wichtig ist: Nur wer körperlich gesund ist, sollte eine Saftkur machen. Für Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, ist es ratsam, nur unter ärztlicher Aufsicht eine Detoxkur auszuprobieren. Kindern, Jugendlichen, Schwangeren sowie Stillenden rät die DGE von der Entgiftungskur ab.

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