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Der Ledersattel fürs Fahrrad ist zurück: Für wen eignet sich der Trend?

Wer lange genug auf einem Fahrrad mit Ledersattel fährt, sorgt dafür, dass er sich dem Po anpasst.

Wer lange genug auf einem Fahrrad mit Ledersattel fährt, sorgt dafür, dass er sich dem Po anpasst.

Zumindest auf dem Fahrradmarkt hat die Pandemie im positiven Sinne was ins Rollen gebracht: 2020 wurden nach Branchenangaben in der Bundesrepublik rund fünf Millionen Fahrräder verkauft, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit durchschnittlich 1000 Euro investierten die Deutschen außerdem doppelt so viel in ein neues Fahrrad wie noch vor zehn Jahren. Das dürfte dem Trend zum generell teureren E-Bike geschuldet sein. Doch auch die ungebremste Nachfrage nach Drahteseln treibt die Preise nach oben.

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Ersatzteile und Zubehör sind ebenfalls begehrt. Hauptproduktionsland ist Asien. Wegen der coronabedingten Lieferkettenengpässe befürchten Händler hierzulande leere Lager für den Herbst. Der Händlerverband Verbund Service und Fahrrad beklagt bereits eine „gewisse Knappheit“ und dass nicht jedes Rad in jeder Farbe zu haben ist.

Da lohnt es sich vielleicht, die alte Möhre im Keller mal zu putzen, zu überholen und mit dem ein oder anderen Extra – je nachdem, was sich so beschaffen lässt – aufzuhübschen, bevor man 500 Tage auf ein komplett neues Modell wartet. Solche Fristen sind keine Seltenheit. Wenn einem das Wohnzimmer nicht mehr gefällt, ersetzt man ja auch nicht gleich alle Möbel. Manchmal reicht es, eine neue Sitzgelegenheit anzuschaffen. Aufs Fahrrad übertragen bedeutet das, in einen neuen Sattel zu investieren. Für mehr Bequemlichkeit und mehr Eleganz. Besonders begehrt sind seit einiger Zeit wieder Exemplare aus Leder. Im Großstadtgetümmel tauchen sie immer öfter auf. Eleganz ist auf jeden Fall gewährleistet: Ob verbogene Speichen oder klapperndes Schutzblech – so ein Kernledersattel reißt alles raus. Daher ist er vielleicht auch so beliebt. Aus einer Rostlaube wird so ein Vintage-Velo. Die Po-Ebene besteht in der Regel aus Rindshaut, ist mit Nieten versehen und trägt den Brand Brooks.

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Tatsächlich ist die englische Traditionsmarke, die mittlerweile allerdings zum italienischen Hersteller Selle Royal gehört, führend bei Ledersätteln. Gründer John Boultbee Brooks setzte 1866 erst auf Pferde und sattelte dann quasi um aufs Stahlross.

Der Ledersattel passt sich an den Po an – doch dafür braucht es ein paar Kilometer

Bis in die 1970er-Jahre hinein waren Ledersättel für Fahrräder Standard, und es gab auch verschiedene andere Hersteller – bis dann Plastik für eine Pleitewelle sorgte. Von da an schworen höchstens Langstreckenfahrer noch auf die im Gegensatz zu Kunststoffsitzen eher harten Ledersättel. Bequem sind sie zunächst nicht. Tatsächlich gibt das Leder erst nach und passt sich anatomisch an, wenn man so lange darauf sitzt, dass Wärme und Feuchtigkeit das Material anschmiegsam machen. So gesehen, ist der Ledersattel nicht gerade für kurze Wege im Stadtverkehr geeignet. Es sei denn, man hat ihn vorher über Hunderte von Kilometern eingesessen. Erst dann ist er Fachleuten zufolge optimal an die Konturen der Gesäßknochen angepasst. Dafür muss man möglichst aufrecht fahren, ähnlich wie auf einem Hollandrad.

Wer das geschafft hat, sollte sich die Freude am Fahren mit Lederbesatz nicht verderben, indem er die Pflege vernachlässigt. Regelmäßiges Einfetten der Unterseite (die Satteldecke sollte nur wenig abbekommen, damit die Paste anschließend nicht an der Kleidung haftet) ist unerlässlich. Dennoch schützt das nicht vor Regen. Ein kleiner Schauer ist noch kein Untergang für den Sattel, wird das Rad draußen abgestellt, sollte er aber abgedeckt werden. Eleganz ist eben meistens unpraktisch.

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