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Rätsel um silberne Spinne: Was soll uns die Brosche der Brexit-Richterin sagen?

  • Richterin Lady Hale trägt zum Brexit-Urteil eine Brosche in Form einer riesigen silbernen Spinne.
  • Nicht nur die Briten rätseln nun: Ist das noch Mode? Oder gar eine Botschaft?
  • Ausgeschlossen wäre es nicht: Das sogenannte „Brooching“ hat in der Politik Tradition.
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London. Die ganze Welt hat auf die Entscheidung des Supreme Courts über die Rechtmäßigkeit der Zwangspause im britischen Parlament gewartet. Am Dienstag um kurz nach 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit dann erfolgte der Urteilsspruch. Und, wenige Minuten später, ist ausgerechnet die Brosche am Pullover von Supreme-Court-Richterin Lady Hale – eine riesige, silberne Spinne – eines der meistdiskutierten Themen im Netz. Was in aller Welt will die Richterin uns damit sagen? Warum hat Lady Hale ausgerechnet am Tag des Urteils, das einmal mehr über das Schicksal des Landes mit entscheiden wird, zu einer silbernen Spinne gegriffen? Ist die Spinne ein subtiler Hinweis an Boris Johnson, endlich aufzugeben? War die Spinne tatsächlich eine Botschaft?

Frösche, Käfer, Füchse: Lady Hales Schmuckschatulle hat viel Tierisches zu bieten

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Immerhin ist die Richterin ihren Landsleuten schon lange als Anhängerin extravaganter Broschen bekannt. Broschen sind Lady Hales Markenzeichen. Und selbstverständlich wird sie dafür auch liebevoll verspottet. Geflügelt ist bereits der Hinweis, dass Hales Broschen einen eigenen Twitter-Account haben sollten, so präsent und stilprägend ist ihr Schmuck. Das Portal Legal Cheek etwa widmete der Schmucksammlung der Richterin bereits vor zwei Jahren einen Artikel. Demzufolge lässt sich bei der Richterin in jedem Fall eine Vorliebe für Tierisches feststellen: Die Autoren entdeckten Frösche, Käfer, Füchse und auch ein Spinnennetz an Reverskragen, Pullovern und Blusen Lady Hales. Die „Times“ beschrieb Lady Hales Arbeit einmal mit folgenden Worten: „Sie erledigte diese mit Sachverstand, Vernunft und einigen wunderbar jazzigen Broschen.“

Der Brexit und die Spinne: Sitzt Boris Johnson in Lady Hales Netz?

Am Dienstag nun tobte die Schlacht um die Deutungshoheit der Spinne. Der „Daily Mirror“ etwa berichtete von Insidern, die bereits vorab gewarnt haben sollten: „Wenn Lady Hale die große Spinnenbrosche trägt, bedeutet das, dass sie kurz davor ist, einen unglücklichen Juristen zu verspeisen.“ Die Zeitung verwies zudem auf die Fähigkeit der Tiere, undurchdringliche Netze zu weben und dort auf ihre Feinde zu lauern. Einige Medien wiederum bezogen sich auf die spirituelle Bedeutung der Spinne, die für „weibliche Energie“ steht. Richterin Lady Hale immerhin setzt sich seit vielen Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen im britischen Rechtssystem ein. Erst im Februar widmete ihr die „Vogue“ ein Porträt anlässlich des 100. Jahrestages des Gesetzes, das Frauen erlaubte, Recht zu sprechen.

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Andere vermuteten, die Spinne könnte eine Anspielung auf den Song „Boris, the Spider“ von The Who und damit auf Premier Boris Johnson sein. In dem Lied heißt es: „Seht, er kriecht meine Wand hoch / Schwarz und haarig, sehr klein / Nun ist er über meinem Kopf / Hängt in einem kleinen Netz / Boris die Spinne / Nun fällt er auf den Boden / Auf dem Weg zur Schlafzimmertür / Vielleicht hat er so große Angst wie ich / Wohin ist er nun gegangen / Ich kann ihn nicht sehen.“

Video: Eine Anspielung an The Who's „Boris, the Spider“?

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Broschen und Politik: Schon Madeleine Albright sendete subtile Botschaften

Die Idee, durch die Wahl eines bestimmten Schmuckstückes eine Botschaft zu vermitteln, ist nicht einmal ungewöhnlich. Als Meisterin des „Broochings“ gilt bis heute die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright. Wie Hale war auch die Amerikanerin für ihre Vorliebe für Broschen und Pins bekannt. Beobachter sind sich sicher, dass sie diese gezielt dazu nutzte, subtile Botschaften zu übermitteln. Besonders berühmt ist ein Vorfall: Damals hatte die irakische Presse Amerikas Secretary of State mit einer Schlange verglichen. Schon bei der nächsten Begegnung mit Minister Tarik Aziz schlängelte sich ein Reptil an der Nadel an ihrem Revers. Auch zu anderen Gelegenheiten heftete sich die Politikerin an, was zum Anlass passte: Spinnen, Bienen und Friedenstauben wurden gesichtet. Das „Time Magazine“ prägte dafür Anfang der Neunzigerjahre den Ausdruck „Brooching it diplomatically„ – “diplomatisch gesteckt“.

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Lady Hale – die Beyoncé des Rechts

Dass auch Richterin Lady Hale sich dieser Praxis bedient, ist nicht einmal unwahrscheinlich. Die im Jahr 1945 als Brenda Marjorie Hale geborene Richterin gilt in Großbritannien als eine Koryphäe auf ihrem Gebiet. Sie setzt sich auch seit vielen Jahren für die Rechte der Frauen ein. Dass sie das als notwendig ansah, ist nicht einmal überraschend: Ihren Abschluss machte Lady Hale 1966 in Cambridge – als eine von sechs Frauen in einem Jahrgang mit mehr als 100 Männern. Später war sie die erste Frau, die in die Law Commission berufen wurde, 2004 der erste weibliche Lord of Appeal in Ordinary, kurz Law Lord (Mitglied des höchsten Gerichts). Lady Hale war lange die einzige Frau im zwölfköpfigen Richtergremium des Supreme Courts, mittlerweile hat sie zwei Kolleginnen. Im September 2017 wurde sie dessen erste Präsidentin.

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Die „Vogue“ bezeichnete Lady Hale Anfang des Jahres als „Beyoncé der Rechtswissenschaften“. Hale selbst kommentierte dies gewohnt lakonisch: „Das war nicht das, worauf ich in meinem Leben hinauswollte – es ist einfach so geschehen. Ich will ein gutes Vorbild sein, wenn es darum geht, einen guten Job zu machen – und darum, Frauen dazu zu ermutigen, das Beste aus sich selbst zu machen.“