Wermut: Das Bitter kehrt zurück

Alle trinken Gin? Das war einmal. Das neue Trendgetränk heißt Wermut. Der schmeckte schon James Bond. Der Agent trank den Weinaperitif mit Wodka als Martini. Doch jetzt gibt es den Wermut auch pur - und aus deutschen Manufakturen.

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Immerhin als Cocktail hat er Filmgeschichte geschrieben: Wenn James Bond am Tresen einer der teuersten Bars irgendwo auf der Welt auftaucht, dann bestellt er stets ein und dasselbe: Wodka-Martini, geschüttelt, nicht gerührt. Im realen Alltag waren Wermute wie eben der legendäre Martini aus Mailand dagegen lange Zeit eher Schnee von gestern. Zu bitter schien der Eigengeschmack der Hauptzutat Wermutkraut, als dass sich in Zeiten von Alcopops und Fruchtcocktails irgendjemand daran getraut hätte. Nun aber hat die Renaissance des Gin Tonics Bargäste offenbar an bittere Zeiten gewöhnt. Auch Wermut, ein mit Kräutern und Gewürzen aromatisierter Weinaperitif, ist plötzlich wieder in aller Munde – in Cocktails, pur vor dem Essen und manchmal auch direkt im Essen.

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Geschüttelt, nicht gerührt: Der Martini von James Bond

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Und wie es immer so ist, wenn sich irgendwo ein Trend abzeichnet: Es drängen immer neue Marken auf den Markt und lassen die Klassiker Cinzano und Martini mitunter alt aussehen. „Tatsächlich können wir momentan beobachten, dass Wermut die Bars aufs Neue erobert“, sagt Marc Hermann, Barmanager vom The Paris Club im 25hours Hotel Düsseldorf. Eigentlich sei dieses Getränk schon lange fester Bestandteil einer jeden Bar. „Er verstaubte nur leider viele Jahre ungenutzt in den Regalen.“ Helmut ist einer der Neuzugänge, gegründet 2017 in Hamburg. „Tatsächlich ist das Ganze ursprünglich aus reiner privater Liebhaberei entstanden“, erzählt Nils Liedmann, der Helmut gemeinsam mit Markus Weiß geschaffen hat. „Für uns als Fans von deutschen Weinen war es irgendwie total naheliegend, einen deutschen Wermut zu fertigen.“ Zwei Sorten gibt es inzwischen, den weißen und den roten Helmut, beide basierend auf Weinen aus der Pfalz, dazu 25 Früchten, Kräutern und Gewürzen.

Wermut: Ein Cocktail in der Flasche

Ein Mitbewerber ist da schon weiter: Belsazar entstand im Frühjahr 2014 im Breisgau, entwickelt von Sebastian Brack und Maximilian Wagner. Brack hatte damals bereits die Tonic-Marke Thomas Henry auf den Markt gebracht, Wagner Vertrieb und Marketing für den Münchner Duke-Gin aufgebaut. Belsazar kam ebenfalls an – pur oder mit Tonic wurde er zu einer Art Standard in guten Bars. 2018 übernahm der weltweit größte Spirituosenhersteller Diageo das Start-up. „Ein guter Wermut ist quasi schon ein Cocktail in der Flasche“, schwärmt Barmanager Hermann vom neuen Trendgetränk. Dabei ist es genau genommen uralt. Schon im alten Ägypten soll mit Kräutern versetzter Wein getrunken worden sein.

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Hergestellt in Deutschland: Belsazar-Wermut. © Quelle: Hersteller/Privat

Der Italiener Antonio Benedetto Carpano gilt als derjenige, der den Wermut neu erfunden hat. Seine Marke Carpano gibt es noch heute. Hat wie beim Gin bald auch jede große Stadt ihren eigenen Wermut? Trotz aller Nachfrage wird das wohl so schnell nicht gehen. Helmut-Mitbegründer Nils Liedmann jedenfalls bleibt gelassen: „Da Wermut in der Herstellung doch um einiges aufwendiger ist, wird sich der Markt wohl bei Weitem nicht so rasant entwickeln, wie es beim Gin der Fall war.“