Das lange Warten auf die Tasche

  • Eine Tasche ist manchmal auch ein Investitionsobjekt.
  • Seit der Birkin Bag sind sie zu Accessoires mit erstaunlichen Wertsteigerungen geworden.
  • Und manchmal auch mit Wartelisten für Wartelisten.
Kerstin Hergt
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Einige kennen sie nur als lasziv hauchende Lolita im Chanson “Je t’aime … moi non plus” an der Seite von Serge Gainsbourg, anderen gilt sie immer noch als Stilikone der Sechziger- und Siebzigerjahre. Wann immer Häkelkleider und Ponyfrisuren angesagt sind, tauchen Jugendfotos der englisch-französischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin in Modemagazinen auf.

Und obwohl sie in vielen berühmten Filmen mitgewirkt hat und ihre Alben auch heute noch viel Resonanz bekommen, ist ihr Name doch vor allem mit einem verbunden: der nach ihr benannten Birkin Bag von Hermès. Sie zählt zu den teuersten und begehrtesten Handtaschen der Welt, hat aber im Grunde gar nicht viel mit ihrer Namensgeberin gemeinsam.

Lässigkeit und absolute Schlichtheit als Stilmittel

Birkin war und ist keine, die Luxus zur Schau stellt. Ihr Stil bestach immer schon durch Lässigkeit und absolute Schlichtheit. Bei Auftritten im Blitzlichtgewitter posierte sie nicht in opulenten Roben, sondern häufig in transparenten Blusen und Kleidern. Schon früh hatte Birkin den Trick mit der Verknappung erkannt. Die kleidertechnische Reduzierung auf ein absolutes Minimum sorgte stets für maximale Aufmerksamkeit. So ist es auch mit der berühmten Hermès-Tasche.

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Diese ist nicht nur als Accessoire begehrt, sondern auch als Investitionsobjekt: Wer sich das preisgünstigste Modell für etwa 8000 Euro leistet, kann in zehn Jahren mit einem Wiederverkaufswert rechnen, der doppelt so hoch ist. Diese Wertsteigerung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Birkin Bag kein Massenprodukt ist, sondern jährlich nur in äußerst begrenzter Stückzahl gefertigt wird. Es gibt eine Warteliste für die Warteliste. Bis man den handgefertigten Schatz sein eigen nennen kann, dauert es schon mal drei bis sechs Jahre.

Stilikone, nicht nur auf der Bühne: Jane Birkin. © Quelle: picture-alliance / KPA Copyright
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Ein neuer Birkin-Hype

Jetzt gibt es einen neuen Birkin-Hype. Damit haben aber weder die Schauspielerin noch das Haus Hermès etwas zu tun. Es sind vielmehr junge New Yorker. Sie sind in der Regel keine Promis, sondern gehen ganz normalen Jobs nach, wollen aber ein Statement für Egalität setzen. Und zwar mit einer Tasche, die offiziell einfach nur den Namen Shoppingbag trägt, aber unter den Fans als “Bushwick Birkin” firmiert. Bushwick ist ein Arbeiterviertel im Norden Brooklyns. Die Tasche, um die es geht, stammt von Designer Telfar Clemens. Der Amerikaner mit liberianischen Wurzeln hat sein Label Telfar bereits 2005 gegründet, startete aber erst vor rund drei Jahren mit seinen Taschen aus veganem Leder richtig durch.

Sein Leitgedanke ist, Mode für alle zu machen. Die Entwürfe sind nicht geschlechtsspezifisch – und im Vergleich zu Luxusdesignlabels erschwinglich. So auch Clemens' Shoppingbag mit dem charakteristischen "T"-Logo für Telfar, die es in drei Größen zwischen 150 und 250 Dollar gibt. Und doch ist diese Tasche ein Luxusprodukt. Sie ist nicht leicht zu haben. Im Onlineshop ist nahezu immer jedes Modell ausverkauft. Eine Vorbestellung ist kompliziert.

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Es gibt Zeitfenster dafür, die online verkündet werden, zuletzt im August. Eine Obergrenze für die Bestellungen gab es nicht, jeder konnte ordern, muss aber nun voraussichtlich bis Januar auf seine Tasche warten. Das ist im Vergleich zur echten Birkin Bag eine überschaubare Wartezeit. Aber in Sachen Exklusivität nehmen sich dann doch beide Modelle nichts. Am Ende ist eine Telfar-Shoppingbag, für die man zwar kein dickes Bank-, dafür aber ein großzügiges Zeitkonto haben muss, ebenso wenig etwas für alle wie eine teure Luxustasche.

Wie man gänzlich ohne Tasche auskommt, kann man sich übrigens bei Jane Birkin abschauen: Auf alten wie jüngeren Aufnahmen ist sie fast nie mit einer Handtasche zu sehen – dafür häufig mit einem Korb.

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