Corona und Weihnachten: Wie umgehen mit Ungeimpften in der Familie?

  • Weihnachten steht vor der Tür – das friedliche Fest in der Familie. Doch mit der Harmonie kann es in Corona-Zeiten schnell vorbei sein.
  • Wenn Geimpfte und Nichtgeimpfte zusammen­kommen, scheint Streit programmiert – vor allem, wenn Verschwörungs­theorien im Spiel sind.
  • Anna Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus gibt Tipps, wie es mit dem friedlichen Fest trotzdem klappen kann.
Katrin Schreiter
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Hannover. Impfen, Masken, Abstand halten: Die Corona-Politik spaltet seit Monaten Freund­schaften und Familien. Im Alltag kann man sich meist aus dem Weg gehen, aber zu Weihnachten? Hier scheint Streit von Anfang an mit auf der Tages­ordnung zu stehen. Vor allem, wenn der oder die Nichtgeimpfte sich rücksichtslos verhält oder ständig Verschwörungs­theorien verbreitet.

Ganz unterschiedliche Gründe

Anna Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) berät Einzel­personen oder auch pädagogische Fachkräfte im Umgang mit Verschwörungs­erzählungen. Sie kennt zahlreiche Argumente der Impfgegner und Pandemie­leugner aus der Praxis.

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„Nicht jeder, der sich nicht impfen lassen will, ist gleich ein überzeugter Verschwörungs­denker, allerdings finden viele Verschwörungs­erzählungen gerade in Bezug auf die Pandemie Anklang bei ganz unterschiedlichen Menschen“, differenziert sie.

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Viele Menschen hätten am Anfang nur Angst vor der Impfung, würden unsicher sein. „Verschwörungs­erzählungen und Falsch­meldungen schüren diese Ängste dann aber“, sagt Müller. „Trotzdem können hier oft rationale Argumente helfen, Gespräche über die Erkenntnisse der Medizin.“

Sich nach den Sorgen und Bedenken zu erkundigen, biete in der Regel wenig Zündstoff. So könne man sich auf persönlicher Ebene an den Weihnachts­feier­tagen gut begegnen.

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Ein Gespräch verändert keine Einstellung

Anders verhält es sich mit den zahlreichen Verschwörungs­theorien – vom Mikrochip, der eingepflanzt werden soll, über die neue Biowaffe aus dem Labor bis hin zum Gen­experiment an Menschen. „Meinungen, die sich meistens verfestigt haben“, sagt Müller. Sie weiß aus Erfahrung: „Diese Einstellung lässt sich nicht mit einem einzigen Gespräch ändern.“

Generell empfiehlt die Beraterin, die kurze gemeinsame Weihnachts­zeit in der Familie nicht von Streit­gesprächen bestimmen zu lassen. „Das heißt aber nicht, dass man die Bemerkungen der Verschwörungs­anhängerinnen und -anhänger mit einer Hand­bewegung abtun soll.“

Man sollte trotz allem Position beziehen – zum Beispiel, indem man sagt: „Du weißt, dass wir bei diesem Thema unterschiedlicher Meinung sind. Ich möchte die Diskussion mit dir heute nicht führen, lass uns morgen beim Spaziergang darüber sprechen.“

Vorher Verbündete suchen

Müller empfiehlt, sich im Vorfeld in der Familie Verbündete zu suchen, die unter Umständen schlichten und einer Eskalation vorbeugen oder helfen, das Gespräch zu vertagen. „Auf keinen Fall sollte man sich eine Diskussion darüber aufdrängen lassen.“

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Ein hilfreicher Baustein für ein frohes Fest in der Familie könnte sein, wenn man im Vorfeld verabredet, dass sich alle testen lassen. „Das zeigt auch, ob der oder die Ungeimpfte bereit ist, die Sorgen und Ängste anderer Menschen ernst zu nehmen“, sagt Müller. Sie hat beobachtet, dass sich bei vielen Impf­gegnern alles um die eigene Freiheit dreht: „Ich setze die Maske nicht auf!“, „Ich lasse mich nicht impfen!“, „Ich lasse mich nicht einschränken!“ usw.

Die Ängste und Sorgen der anderen zu sehen und zu akzeptieren – das wäre ein wichtiger Beitrag zu einem friedlichen Familien­treffen in den Weihnachts­feier­tagen.

Antworten auf die 20 häufigsten Einwände gegen das Impfen gibt es auch auf der Seite des Robert Koch-Instituts.

Kontaktregelungen zum Fest

Die aktuellen Corona-Regeln beinhalten weitreichende Kontakt­beschränkungen für Ungeimpfte. Das betrifft auch viele Familien in den Weihnachts­feier­tagen. Denn es bedeutet, dass jedes private Treffen auf den eigenen Haushalt und maximal zwei weitere Personen eines weiteren Haushaltes beschränkt werden muss, sofern ein Ungeimpfter dabei ist. Kinder bis 14 Jahre sind von der Regelung ausgenommen.

Nach einer jetzt beschlossenen Änderung des Infektions­schutz­gesetzes haben die Bundesländer zudem die Möglichkeit, die Personen­anzahl bei privaten Zusammen­künften oder sozialen Kontakten nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für Geimpfte und Genesene zu begrenzen.

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