Hallo, Corona-Plauze! Wie die Krise uns dick und faul macht

Zu den Nebenwirkungen der Corona-Krise gehören Bewegungsarmut und Frustfutter. Das hat Folgen. Was tun, um die Corona-Kilos loszuwerden? Imre Grimm hat ein paar Vorschläge – in Folge 62 seiner RND-Kolumne.

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Mein täglicher Weg zur Arbeit beträgt in diesen Wochen – eigens für Sie ausgemessen – 11,67 Meter. Das ist nicht viel. Es hat Vorteile, wenn man, sobald man aus dem Bett fällt, direkt am Schreibtisch sitzt. Aber es hat auch Nachteile. Ich habe mal nachgesehen: Mein Schrittzähler hat von Sonnabend bis Montag genau 3380 Schritte gezählt. Insgesamt, nicht pro Tag. Das ergibt einen Tagesdurchschnitt von 1126,6 Schritten. Das ist peinlich. Es gibt Tage, da brauche ich keinen Schrittzähler, da genügen die Finger. Es ist ein Wunder, dass sich der Schrittzähler nicht weigert, das Elend noch zu dokumentieren.

Vom Schreibtisch bis zum Kühlschrank sind es ebenfalls ziemlich genau 11,67 Meter. Das ergibt ein gleichschenkliges Bermudadreieck des Grauens (Bett-Schreibtisch-Kühlschrank-Bett). Das ist geometrisch zwar sehr hübsch, gesundheitlich aber eher nicht. Sollte uns das Coronavirus nichts anhaben können, können wir immer noch an Fettleber oder explodiertem Herzen sterben. Denn es sieht so aus, als könne die Sache noch dauern.

Die beiden aktuellen Krisenregionen des Körpers: Figur und Frisur

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Gewiss gibt es auch Menschen, die die Fastenzeit nutzen, um das Karmakonto aufzufüllen und die Energiespeicher des Körpers mal ordentlich durchzulüften. Die Mehrheit allerdings klagt aktuell über Kollateralschäden der Corona-Isolation, die vor allem zwei Krisenregionen des Körpers betreffen: Figur und Frisur. Das Frisurenproblem führt uns zu einem Klassiker des Shopping-TV. Wohl dem, der damals einen “Flowbee” gekauft hat. Gebrauchte Flowbees werden bei Ebay für bis zu 150 Euro gehandelt. Flowbee? Wir erinnern uns: Der Spezialaufsatz für den Staubsauger sorgt mit ein paar einfachen Handgriffen dafür, dass du ganz ohne Frisör aussiehst wie ein elektrifizierter Beethoven:

Frisurproblem gelöst. Der Kampf gegen die Corona-Plauze ist schon schwieriger. Denn der hat mit den beiden Grundpfeilern der Frustbewältigung zu tun: Faulheit und Futtern. “Die Verkäufe von Süßwaren verzeichneten in den vergangenen vier Wochen ein außergewöhnliches zweistelliges Plus”, meldet der Internationale Süßwarenhandelsverband. Und das liege nicht am nahenden Osterfest. Das liegt am Quarantäneknuspern. “Ich weiß nicht, ob wir aus der Erfahrung gestärkt hervorgehen werden, aber auf jeden Fall dicker”, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Béatrice de Reynal.

Eine Stunde ruhiges Sitzen verbraucht 73 Kalorien

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Natürlich ist es keine Option, keine Schokolade zu essen. Schokolade ist – wie wir alle wissen – quasi Gemüse und enthält wertvolle Zutaten wie Kakaobutter, Zucker, Milchpulver, Zucker, Sahnepulver, Zucker, Butterfett und Zucker. Wenden wir uns also dem zweiten Baustein zu, der uns helfen kann, die Corona-Kilos zu bewältigen: Sport.

“Ich weiß nicht, ob wir aus der Erfahrung gestärkt hervorgehen werden, aber auf jeden Fall dicker”: Viele Menschen spüren allmählich die körperlichen Kollateralschäden der Krise. © Quelle: picture alliance / Wang Huan/dpa
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Ich selbst bin eher Niedrigenergie-Sportler. Natürlich mache auch ich Sport. Aber nicht zu oft. Es soll ja etwas Besonderes bleiben. Ich habe das Herz eines Kämpfers und den Körper eines Zuschauers. Ein Modellathlet, gefangen im Körper eines Zeugwarts. Ich las jüngst, dass eine Stunde ruhiges Sitzen 73 Kalorien verbraucht. Das macht Mut. Eine Stunde ruhiges Hammerwerfen verbraucht auch kaum mehr. Sitzen könnte mein Sport werden. Ein Snickers hat 488 Kalorien. Keine sieben Stunden sitzen, und das Ding ist abgebaut. Das schaffe ich locker. Ich kann sehr gut sitzen. Beim Sitzen kann ich richtig eskalieren. Ich stelle mir dann immer vor, dass hinter meinem Sofa Udo Bölts steht und brüllt: “Quäl dich, du Sau!” Und ich sage dann: “Udo, brüll nicht rum, hol lieber Salzstangen.”

Kampfsport gegen die Corona-Kilos

Andere Möglichkeit: Kampfsport. Die meisten Kampfsportarten werden stehend und auf engstem Raum ausgeführt. Man braucht also nicht viel Platz. Sie sind damit ideal für die Corona-Quarantäne. Nehmen wir zum Beispiel Tai-Chi. Da geht’s um Meditation und Atemübungen, was mir rein sportlich sehr entgegenkommt. Das körperlich Schwierigste am Tai-Chi ist, sich die Gymnastikschuhe anzuziehen. Das ist Kampfsport, wie ich ihn mag. Man könnte sagen: Tai-Chi verhält sich zu richtigem Kampfsport wie Rolltreppefahren zum Bergsteigen. Die Übungen haben Namen wie “Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus”. Meine Beiträge wirkten eher unpoetisch und trugen Namen wie “Der schwankende Kugelfisch” und “Das dampfende Rhinozeros kämpft mit der Schwerkraft”.

Aber Tai-Chi ist ganz wunderbar. Wenn man nichts weiter vorhat. Oder wenn Sie eine Armee von unsichtbaren Zeitlupen-Ninjas angreift. Kommt ja vor. Nach Beendigung der Übung ruft der Schüler “Chi heil!” und verbeugt sich vor seinem Lehrer. Das ist im Prinzip die einzige echte Bewegung.

Gut geeignet für kleine Räume: Yoga

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Eine liebe Kollegin betrieb bis zum Ausbruch der Corona-Krise Yoga. Morgens um sieben. Zu einer Zeit also, wenn normalen Menschen das letzte Bier aus der Hand gleitet. Yoga ist die Abkürzung für “Yungbleiben ohne große Anstrengung”. Perfekt für Leute, die nur in Ausnahmefällen Sport treiben und sich deshalb zu Recht “Ausnahmesportler” nennen dürfen.

Sie machen da auch so Übungen mit komischen Namen, meistens was mit Tieren. Was weiß ich: “Ein Hase saß im tiefen Tal” oder “Der Wolf, das Lamm, auf der grünen Wiese” oder “Die Ente bleibt draußen”. Man hat versucht, es mir zu erklären. Es gibt da eine Übung mit dem Namen “Schwangeres Ozelot”. Die geht so: Heben Sie das linke Bein im Stehen 30 Zentimeter an und greifen mit ihrer rechten Hand an Ihr linkes Ohrläppchen. Anschließend greifen Sie mit der linken Hand über ihren Kopf an ihr rechtes Ohr. So bleiben Sie bis zu den “Tagesthemen”.

Meine Yogaübung: “Der tote Hund”

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Es gibt noch mehr Yogafiguren. Für die Figur “Buckliger Sperber” zum Beispiel stellen Sie die Hacken gegeneinander, spreizen die Fußspitzen nach außen und gehen in die Knie, bis ihre Ober- und Unterschenkel ein gleichschenkliges Quadrat ergeben. Das bauen Sie mit den Armen nach. Dann stecken Sie ihre Zungenspitze in Ihr linkes Nasenloch. Gleichzeitig berühren Sie mit der Nasenspitze Ihr linkes Ohr. In dieser Position verharren Sie, bis der Notarztwagen eintrifft.

Solche Übungen können das Leben um bis zu zwei Jahre verlängern. Also – nicht Ihr Leben, natürlich. Sondern das Leben Ihrer Zuschauer, denn Lachen ist gesund.

Ich habe jetzt mit einer einfachen Übung begonnen. Man muss ja irgendwie anfangen. Sie heißt “Toter Hund”. Dafür nehmen Sie eine liegende Position ein, betten ihren Kopf auf eine weiche Unterlage oder auf einen zur Verfügung stehenden Mitmenschen und greifen mit der rechten Hand alle 30 Sekunden in eine Schüssel “Haribo Colorado”. Man fühlt sich sofort besser. Bleiben Sie gesund.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
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