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Seit 100 Jahren auf dem Markt: Wieso Chanel N°5 noch immer eine große Nummer ist

  • Vor 100 Jahren brachte Coco Chanel als erste Modeschöpferin überhaupt einen Duft unter ihrem Namen auf den Markt.
  • Revolutionär war auch das abstrakte Bouquet.
  • Die Alchemie der Aldehyde verleiht Chanel N°5 bis heute Kultstatus.
Estelle Marandon
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Wenn es wirklich den Duft der großen, weiten Welt gibt, dann ist es wohl Chanel N°5. Kaum ein anderes Parfüm war und ist international so beliebt und berühmt. Dabei sind seine Essenzen kaum auszumachen, und der Flakon ist eine schlichte Laborflasche. Selbst der Name mutet, im Vergleich zu den sonst so schillernden Duftbezeichnungen, wie das Etikett auf einem Reagenzglas an. Und doch ist dieser Duft buchstäblich eine ganz große Nummer. Auch noch nach 100 Jahren.

Am 5. Mai 1921 kam der Klassiker erstmals auf den Markt. Es war eine dreifache Premiere: Es war das erste Parfüm, das Coco Chanel unter ihrem eigenen Namen herausbrachte. Und es war das erste Mal überhaupt, dass jemand aus der Modebranche einen Duft unter seinem Namen veröffentlichte. Bis dahin war dies allein den Parfümerien vorbehalten. Zum hundertsten Geburtstag hat das französische Modehaus auf seiner Website eine eigene Plattform zur Verfügung gestellt, die wie ein virtueller Museumsrundgang daherkommt. Zu sehen sind Dutzende von Videos über das Parfüm. Jahr für Jahr kann man sich durch seine Geschichte klicken und nebenbei auch Details über das Leben von Schöpferin Coco Chanel erfahren. Daneben widmete Patrice Legué­reau, Kreativchef der Haute Joaillerie von Chanel, dem Parfüm eine ganze Schmuckkollektion. Anhand von 123 kostbaren Preziosen wollte er die unterschiedlichen Facetten von N°5 zum Ausdruck bringen.

Kaum ein anderes Parfüm hat einen solch ikonenhaften Status wie Chanel N°5. Geschweige denn einen solch weltweiten kommerziellen Erfolg über so viele Jahre hinweg. Noch heute gehört der Duft zu einem der bestverkauften Parfüms der Welt. Und das will gerade in der Beautybranche etwas heißen, die von neuen Produkten nur so überschwemmt wird. Laut einer Studie der NPD Group gehört N°5 nach wie vor zu den Top Ten in den USA, China oder Frankreich, wo es bis 2010 sogar immer noch den ersten Platz einnahm.

Chanel Nº5: Marilyn Monroe war schon 1952 Fan

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Bereits 1952 wurde das Parfüm zu einem Mythos, nachdem Marilyn Monroe in einem Interview verriet: „Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel Nº5.“ Die Flasche erlangte über die Jahre solche Berühmtheit, dass sie sich zu einer Art Kulturgut entwickelte. Sie tauchte in etlichen Filmen auf und hatte prominente Botschafterinnen wie Catherine Deneuve, Nicole Kidman oder Audrey Tautou. Wer heute an einen Parfümflakon denkt, hat nicht selten, ohne es zu wollen, die Form von Chanel N°5 vor Augen. Das erkannte auch der Popart-Künstler Andy Warhol. 1985 schuf er eine Serie von Siebdrucken mit dem Abbild des Flakons in unterschiedlichen Farbkompositionen und machte N°5 somit zum Kunstobjekt.

Chanel Nº5 war Coco Chanels erstes Parfüm

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Um den unglaublichen Erfolg dieses legendären Parfüms zu verstehen, muss man den Kontext der 1920er-Jahre betrachten, in dem es entstand. Gabrielle Bonheur Chanel, wie Coco mit bürgerlichen Namen hieß, hatte zu dieser Zeit mit ihren schlichten, von Männerkleidung inspirierten Entwürfen bereits die Mode revolutioniert. Auch mit ihrem ersten Parfüm wird sie die damaligen Gewohnheiten und Konventionen infrage stellen.

Angesagt waren in dieser Zeit vor allem naturalistische, blumige Düfte. Mit dieser Tradition wollte die Modedesignerin brechen. Sie hatte die Idee, ein Parfüm so zu kreieren, wie sie auch ein Haute-Couture-Kleid entwarf: „Ich möchte der Frau ein künstliches Parfüm schenken, ich sage bewusst künstlich, wie ein Kleid, also angefertigt. Ich bin ein Couturehandwerker. Ich will keine Rose, kein Maiglöckchen, ich will ein Parfüm, das komponiert ist“, erläuterte sie später in einem Interview mit dem Magazin „Paris Match“.

Jasmin, Rose, Sandelholz und mehr: Der Duft besteht aus chemischen Verbindungen

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Für die Durchsetzung ihrer Idee engagierte sie einen Topexperten: Ernest Beaux, einst Parfümeur der russischen Zarenfamilie, erstellte ihr eine Komposition, die keinen Duft aus der Natur nachahmen sollte. Dafür benutzte er eine Reihe synthetischer Moleküle und Aldehyde, die für die damalige Epoche absolut unüblich waren. Sie sollten den floralen Noten Frische verleihen und darüber hinaus einen abstrakten Charakter, sodass keine Komponente besonders hervorstach.

Angeblich soll die Formel aus über hundert Inhaltsstoffen bestehen und schwer zu kopieren sein. Hauptsächlich besteht der Duftakkord aus Jasmin, Rose, Iris, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Vanille, Bergamotte, Sandelholz und Aldehyden, also chemischen Verbindungen. Heute mag seine olfaktorische Opulenz ein bisschen altmodisch wirken, damals war der Duft ein absolutes Novum. Ebenso wie der Name. Der Legende nach soll es die Nummer der Testprobe gewesen sein, für die sich die Modedesignerin schließlich entschied. Auch damit blieb Mademoiselle ihrem Wunsch nach Abstraktion treu. Der Name des Parfüms sollte keine Geschichte erzählen, sondern eine Art weißes Blatt sein, sodass sich alle Frauen damit identifizieren konnten.

Chanel Nº5: Ein minimalistisches Design, das seit 100 Jahren überzeugt

Die reduzierten geometrischen Linien des Flakons und die schlichte Verpackung stehen ebenfalls sinnbildlich für die radikale, minimalistische Ästhetik der Designerin. Eine einfache, rechteckige Flasche mit eckigem Deckel, auf dem nichts als ein verschlungenes C zu sehen ist, präsentiert in einer weißen Schachtel mit schlichter schwarzer Umrandung. Ohne Logo, ohne Aufschrift. Ein einfaches und zeitloses Design, das über die Jahre kaum gealtert ist. Noch heute sieht das Packaging der Chanel-Kosmetik fast identisch aus. Viele werfen Coco Chanel vor, sich nicht genug verändert zu haben und zeitlebens immer dasselbe gemacht zu haben. Doch genau darin lag wohl ihre Stärke. Dass ihr allererstes Parfüm bis heute nicht verstaubt ist, zeugt in der gerade schnelllebigen Mode- und Beautywelt von ihrem besonderen Genie.

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