Cha-Cha-Cha: Tanzschulen werden wieder beliebter

  • Tanzschulen erleben ein wahres Comeback und sind bei allen Altersklassen beliebt.
  • Die Betreiber sehen einen Trend zum Tanzen – der aber nicht nur die Standardtänze im Blick hat.
  • Und auch die Tanzlehrerausbildung ist wieder gefragt.
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Potsdam. Ist Tanzen noch modern? „Es gibt Mucke, du hast zwei Beine, also los auf die Tanzfläche“, lautet das Motto von Martin Lehmanns, Inhaber der Tanzschule Linksfüßer in Potsdam. In den vergangenen Jahren sei das Interesse wieder größer geworden, sagt er. Klassischer Gesellschaftstanz ist dabei nicht alles. Hip-Hop gibt es auch.

Lehmans Tanzschule ist eine von 21 im Land, die zum Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) gehören. Tanz sei nach wie vor im Trend, sagte auch Karola Keller, zuständig für Berlin-Brandenburg im Bundesverband. „Die Leute wollen weg vom Computer. Der soziale Kontakt wird gesucht.“ Ältere würden auch merken, dass diese Art der Bewegung gesundheitliche Vorteile bringe.

Beliebt: Salsa, Boogie, Discofox

Linksfüßer wolle den Tanz als Kulturgut in der Gesellschaft mehr fördern, sagt Inhaber Lehmann. Bei ihm werde die ganze Bandbreite geboten. Besonders beliebt seien derzeit Salsa, Boogie und Discofox. „Wir wollen die Menschen dazu animieren, zur gleichen Musik unterschiedliche Stile tanzen zu können“, ergänzt Lehmann. Das werde in entspannter Form vermittelt. Neben dem regulären Unterricht gibt es auch Tanzbälle, Partys, gemeinsame Reisen und Hip-Hop-Jugendcamps. Den Schülern solle die Angst vor der Blamage genommen werden, meint er.

Die ältesten “Schüler” sind 70 Jahre alt

In Templin (Uckermark) eröffnete vor einigen Wochen Peter Steirl seine sechste Filiale in Berlin und Brandenburg mit insgesamt 22 Lehrerinnen und Lehrern. „Wenn eine tolle Fernsehsendung oder ein Kinofilm mit Tanz rauskommen, merken wir, wie das Interesse steigt“, sagte Tanzlehrer Dennis Zaletel.

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Unterrichtet werden Schüler in allen Altersgruppen: vom anderthalbjährigen Kind bis zum Senior. Ein Problem sei aber der Ganztagsschulbetrieb: vielen Jugendlichen fehle die Zeit für den Tanzunterricht. Es gebe deshalb bereits Kooperationen mit Schulen für AG oder Abiballvorbereitungskurse, sagte er.

„Bei Jugendlichen ist tanzen beliebt. Vor allem Hip-Hop“, sagt Zaletel. „Sie sehen Musikvideos, Filme und Stars, die tanzen.“ Mit Anfang 20 gehen die Menschen wohl eher zu Partys als in eine Tanzschule. Mit Ende 20 steige das Interesse dann wieder. Erwachsene interessierten sich mehr für Gesellschaftstänze. „Die ältesten Paare bei uns sind Mitte 70“, sagte er.

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Problem: Jeder kann Tanzschule eröffnen

„Wenn nicht richtig unterricht wird, haben die Menschen keine Freude am Tanzen“, meinte ADTV-Vertreterin Keller. Wichtig seien gut ausgebildete Lehrer. „Die Berufsbezeichnung Tanzlehrer ist nicht geschützt“, sagte sie. „Jeder kann sich so nennen und eine Schule eröffnen.“ Das sei ein großes Problem in der Branche.

Der Bundesverband will Tanzschulen mit ausgebildeten Fachkräften in ganz Deutschland etablieren. In Brandenburg gibt es bereits knapp 50 Lehrerinnen und Lehrer und sechs Auszubildende.

Bei der Potsdamer Tanzschule Linksfüßer nehmen Bewerbungen für eine Ausbildung seit einigen Jahren wieder zu. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Schülerpraktikanten zu uns kommen wollen“, sagte Inhaber Lehmann. „Die wollen alle Tanzlehrer nach dem Praktikum werden.“ Bundesweit gibt es 800 ADTV-Tanzschulen mit über 3000 Mitgliedern.

RND/dpa

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