Bye-bye, Fast Fashion! Vier Tipps für eine nachhaltige Garderobe

  • Um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten und die Umwelt zu schonen, verzichten einige Menschen auf das Kaufen neuer Kleidung.
  • Eine gute Alternative sind Onlineshops für Secondhand-Mode, Flohmärkte und Tauschpartys.
  • Für besondere Anlässe können außerdem Kleider ausgeliehen werden.
Michèle Förster
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Hannover. Jeder Deutsche kauft durchschnittlich etwa 70 neue Kleidungsstücke im Jahr. Zulasten der Umwelt und zu schlechten Produktionsbedingungen in den Herstellerländern wie Indien, Bangladesch oder China landen diese Textilien für wenig Geld in unserem Kleiderschrank. Tauschpartys, Kleider zum Mieten und Secondhandmode setzen ein Zeichen gegen Verschwendung.

Das neue Jahr ist eine gute Gelegenheit, um das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Nachhaltigkeit und Minimalismus gelten bereits für viele Bereiche des Lebens als erstrebenswert. Nun ist es an der Zeit, Billigmode, Fast Fashion und textilem Überfluss den Kampf anzusagen. Mit unseren vier Tipps stellen Sie Ihre Garderobe auf den Trend um, der nie aus der Mode kommt: Nachhaltigkeit.

Shoppingstopp

In Zeiten des allgegenwärtigen Überflusses, ständigen Kaufanreizen und der Definition über Besitz hat das Kaufen von neuen Dingen an Bedeutung verloren. Stattdessen ist die möglichst schnelle Beschaffung von möglichst vielen Dingen zum unterbewussten Ziel vieler Menschen geworden. “Im Kaufakt erleben sie Selbstwert und Erfolg, ein Bedürfnis, das einer ständigen Steigerung bedarf, wenn seine Wirkung erhalten bleiben soll, ganz ähnlich einem Suchtverhalten”, schreibt Wirtschaftsforscher Anselm Stieber in seinem Essay “Paradigmenwechsel”.

Um dem massenhaften Konsum von Klamotten ein Ende zu machen, hilft – wie bei jeder Sucht – leider nur der kalte Entzug. Das bedeutet: Keine Shoppingtouren in der Stadt, kein Schaufensterbummel, keine Shoppingapps, kein zielloses Streifen durch die Geschäfte. Außerdem sollten Sie alle Newsletter von Onlineshops abbestellen, damit die Infos zum Sale-Start oder neuen Angeboten Sie nicht mehr erreichen.

Die Capsule Wardrobe

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Statt neue Dinge anzuschaffen, ist es viel sinnvoller, mit dem zu arbeiten, was man hat. Aber oft besitzt man so viele Dinge, dass es schwerfällt, sich einen Überblick zu verschaffen. Um den Kleiderschrank systematisch zu ordnen, hilft die japanische Minimalismus-Methode von Ordnungsguru Marie Kondo: Stapeln Sie sämtliche Kleidung, die Sie besitzen, auf einen großen Haufen. Nehmen Sie Teil für Teil in die Hand, um zu entscheiden, was bleiben darf – und was nicht. Besonders ungetragene und neue Teile sowie Stücke, die nur noch aus einer sentimentalen Erinnerung aufbewahrt werden, sollten Sie kritischer betrachten.

Mit der Capsule Wardrobe, einem (saisonal wechselnden) Kleiderschrank, ist das Problem, nichts zum Anziehen zu haben, bald Vergangenheit. Statt textilem Überfluss sorgt eine auf maximal 50 Teile – inklusive Schuhe und Taschen – reduzierte Garderobe für Ordnung und Übersicht. Fragen Sie sich, was Sie aus Ihrem Kleiderschrank am liebsten tragen und welche Teile nur noch im Schrank liegen. Die Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden, sollten Sie spenden, verkaufen oder verschenken.

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Bei der Auswahl der Kern-Kleidungsstücke kommt es auf eine gute Mischung an. Die Capsule Wardrobe basiert zwar auf Basics, dennoch sollte man auch einige Statement-Teile mit Knallfarbe, Animal-Print oder Metallic-Glanz einbauen. Eine ausgewogene Mischung aus hochwertigen Basics und besonderen Kleidungsstücken macht die Garderobe abwechslungsreich und individuell.

Weil die Kleidungsstücke fast alle miteinander kombinierbar sein sollten, fällt am Ende auch die tägliche Outfit-Wahl leichter. Verstehen Sie die Capsule Wardrobe einfach als eine kreative Herausforderung: Essenzielle Teile geschickt kombinieren, um einen eigenen Stil zu entwickeln. Und das Beste: Alle drei Monate wird der Schrank für die nächste Saison neu kuratiert.

Secondhand-Shops und Flohmärkte

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Wenn doch mal ein neues Teil in Ihre Garderobe hermuss, versuchen Sie, es gebraucht zu kaufen. Das geht zum Beispiel auf dem Flohmarkt oder in Secondhand-Läden, die in jeder größeren Stadt zu finden sind. Daneben gibt es heute auch einige digitale Marktplätze, bei denen Sie gut erhaltene Kleidung, Schuhe und Accessoires aus zweiter Hand erwerben können, ohne der Umwelt oder Menschen zu schaden. Die bekanntesten Plattformen sind Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt und Vestiaire Collective.

Kleidung mieten und tauschen

Immer beliebter werden derzeit auch Kleidertauschpartys. Sie funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Man bringt eine bestimmte Anzahl an Kleidungsstücken mit, die man aussortiert hat, und kann sich dafür ebenso viele neue Teile aussuchen. Wenn es in Ihrer Nähe aktuell noch keine Tauschveranstaltung gibt, können Sie auch eine private Tauschparty gemeinsam mit Ihren Freunden organisieren.

Auch für besondere Anlässe müssen heute keine festlichen Abendkleider mehr gekauft werden. Mittlerweile bieten viele Onlineshops und Unternehmen Kleidung auch zum Ausleihen an. “Besonders Abendgarderobe, Umstandskleidung und Babykleidung werden meist nur für eine begrenzte Zeit benötigt. Gerade hier bieten sich die Angebote von Sharing-Plattformen als Alternative zum Kauf an”, meint Friederike Meyn von der Verbraucherzentrale Hamburg. Auf diese Weise hat man neue Möglichkeiten bei der Outfit-Wahl und setzt gleichzeitig ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft.


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