Mit sexuellen Tabus brechen: Warum Busendeko zum neuen Interiortrend wird

  • Kissen, Glühbirnen und Blumentöpfe sind in erster Linie nützliche Objekte. Doch einige Designerinnen und Designer wandeln sie zu Deko in Brustform um.
  • Designerin Amélie Bilgram kreiert Einrichtungsgegenstände mit Nippeln als Symbol der Freundschaft zwischen engen Freundinnen.
  • Andere Unternehmen wie „Plantporn“ wollen mit ihrer Busendeko „sexuelle Tabus brechen“.
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„Der Busen steht als Hort des Herzens für das Innerste und Intimste des Menschen“, schreibt Designerin Amélie Bilgram auf der Website ihres Wiener Unternehmens „die.busenfreundin“. Bilgram kreiert Objekte in Busenform: Von Kissen und Anhängern bis hin zu Glühbirnen mit Nippeln. Wie der Name ihres Labels schon verrät, sollen die unkonventionellen Dekogegenstände laut Bilgram ein Zeichen der Freundschaft für Busenfreundinnen sein – also für besonders enge Freundinnen, die zusammen durch dick und dünn gehen.

Amélie Bilgram hat ihre Busendeko als Symbol für besonders enge Freundschaften zwischen sogenannten Busenfreundinnen kreiert. © Quelle: die.Busenfreundin

Designermöbel: Couch und Hocker in Busenform

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Bilgram greift damit einen Trend auf, der auch bei anderen Designerinnen und Designern angesagt ist. Der Bielefelder Designer Sascha Grewe ist eigentlich für seine Buchstabenhocker bekannt, doch in seinem Shop „artcanbreakyourheart“ finden Einrichtungsfans anlässlich seines zehnjährigen Firmenjubiläums auch Hocker und Couches in Busenform. Eine Kreation, die durch Zufall entstanden ist, wie er der „Welt“ erzählt: Als einer seiner Hocker in der Form des Buchstabens B auf einer Messe verkehrt auf der Seite lag, erinnerte ihn die Form an einen Busen.

Philippinisches Unternehmen will sexuelle Tabus brechen

Mit einer besonderen Liebe zum Detail will das Philippinische Unternehmen „Plantporn“ mit ihren Produkten „sexuelle Tabus brechen“, heißt es auf der Homepage. Auf ihren Kaffeetassen und Blumentöpfen sind die Brüste in unterschiedlichen Größen und Hautfarben dargestellt. Einige haben sogar Bikinistreifen. Auf dem Boden der Kaffeetassen stehen die Worte „you are the breast“. „Plantporn“ will damit nach eigenen Angaben zur Akzeptanz von Body Positivity beitragen. Denn „Schönheit gibt es in jeder Form“, schreiben die Designerinnen und Designer.

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Die Befreiung der Brüste: Ein „Ausdruck von befreiter Sexualität“

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Der Einrichtungstrend erinnert an Kampagnen wie „Free the Nipple“ und den Trend unter Frauen, keinen BH mehr zu tragen. Im Vordergrund dieser Bewegungen steht die Befreiung der Brüste: Immer mehr Frauen wollen ein Zeichen gegen die Sexualisierung von Brüsten setzen und verzichten auf den BH. Dieser Trend wurde durch die Corona-Krise angetrieben, da viele Frauen im Homeoffice auf den BH verzichteten, weil es ohne bequemer ist. Die Feministin, Publizistin und Mitbegründerin der „Tageszeitung“ (taz), Gitti Hentschel, sieht den BH-Verzicht außerdem als „Ausdruck von befreiter Sexualität“.

Jüngst kam es zu einer weiteren Trendwelle rund um die Brüste: So tragen immer mehr Influencerinnen und Stars sogenannte Bralettes – einen BH, der komplett ohne Polster, Pads oder Bügel auskommt und dabei gerne unter einem T-Shirt oder einem Oversize-Pullover hervorblitzen darf. Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Modeinstitut bezeichnet den Trend als „Reaktion auf die Übersexualisierung von Mode in der Vergangenheit“.

Busendeko aktuell noch ein Nischenprodukt

Im Zuge dieser Entwicklungen überrascht es nicht, dass sich der Trend der Befreiung der Brüste nun auch auf weitere Bereiche der Designerwelt ausweitet. Ob sich die Busendeko durchsetzen kann, ist jedoch noch unklar. Aktuell handelt es sich noch um ein Nischenprodukt, zumal die Möbel von Sascha Grewe bei Kosten um die 300 bis 1000 Euro liegen und Unternehmen wie „die.busenfreundin“ und „Plantporn“ auf ihren Social-Media-Kanälen nur wenige Tausende Followerinnen und Follower zählen. Letzteres könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass Instagram und Co. streng mit Nacktheit umgehen – und daher auch Bilder von Busendeko löschen können. Grundsätzlich werden Gegenstände in Brustform jedoch nicht zensiert, da sie als Kunstobjekte gelten.

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