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Die Befreiung der Brüste: Das steckt hinter dem Bralettetrend

  • Bei Bralettes geht es nicht darum, den Busen gleichmäßiger, runder, größer oder sonstwie zu formen.
  • Stattdessen bezaubern die bügel- und polsterlosen Bralettes mit ihrer Einfachheit, indem sie Brüste auf natürliche Weise betonen.
  • Was hinter dem Dessoustrend steckt, verraten wir hier.
Helene Kilb
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Als Vorbotin der Trendwelle kann wohl Katie Holmes gelten: Bereits im vergangenen Herbst stand sie in New York am Straßenrand und rief ein Taxi. Dabei trug sie einen Cardigan, dessen Ärmel verrutscht war und so das entblößte, was sie darunter trug: ein Cashmerebralette. Als das Modelabel Kaithe, von dem der Bralette stammte, ein Bild von der Szene postete, war das 250-Dollar-Teil innerhalb einer Stunde ausverkauft.

Nun sind auch andere Influencerinnen immer häufiger in Bralettes zu sehen – und das aus gutem Grund: Als “Reaktion auf die Übersexualisierung von Mode in der Vergangenheit” sieht Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut den Trend. Während Unterwäsche zuletzt noch mit Push-up-Effekt oder Bügeln ausgestattet war, sei aktuell eine Tendenz in Richtung Natürlichkeit und Komfort festzustellen. Statt ihre Oberweite um mehrere Cups größer zu schummeln, trägt frau jetzt Bralette: einen BH, der komplett ohne Polster, Pads oder Bügel auskommt.

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Fast wie in den 60ern – und doch anders

Wer dabei jetzt an die 60er- und 70er-Jahre denkt, liegt nicht ganz falsch. Nachdem zahlreiche Designer in den 50er-Jahren BHs in allen möglichen Formen und Stützfunktionen entwickelt hatten, begannen moderne Frauen in den 60ern, darauf zu verzichten oder ungepolsterte BHs zu tragen. Die radikaleren unter ihnen riefen sogar zu BH-Verbrennungen auf. Denn der BH bis dahin, als später Nachfolger des Korsetts, galt als Symbol der Unterdrückung, der die weiblichen Reize einengte, sie in eine standardisierte Form presste und dazu in vielen Fällen zudem noch ziemlich lästig daherkam. Bequemlichkeit stand ab jetzt an erster Stelle. Auch Sport-BHs aus extra elastischem Stoff kamen damals auf. Erst in den 90ern entwickelte sich das Schönheitsideal wieder in die andere Richtung: Kurven wurden gefragter, Supermodels wie Cindy Crawford, Linda Evangelista oder Claudia Schiffer ebenfalls. Der Retter in der Not für alle kleinbusigen Damen versprach attraktive Fülle und nannte sich: Wonderbra.

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Klassisch, sportlich oder extravagant

Mittlerweile dürfen Bürste wieder so groß sein, wie sie wollen: In Zeiten von Body Positivity gibt es nichts am Körper, was nicht gut so wäre, wie es ist. Anders als die ausschließlich auf Bequemlichkeit ausgerichteten Modelle der 60er- und 70er-Jahre betont der Bralette die weiblichen Vorzüge auf sehr stilvolle Weise. Bei dem Dessous handelt es sich um einen wahren Allrounder, der je nach Typ oder aktueller Tagesverfassung ausgewählt werden kann. Er ist Sinnbild für eine “ambivalente Entwicklung: einerseits in Richtung mehr Zurückhaltung, andererseits in Richtung Ästhetisierung”, sagt Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut. Der klassische Bralette punktet mit einer Art Undercoverglamour, wie der Fashion-Experte es ausdrückt: Er ist aus zartem Spitzenstoff gefertigt und darf gerne unter einem T-Shirt oder einem Oversize-Pullover hervorblitzen. Besonders mutige Frauen kombinieren den Bralette mit nichts als einem Blazer darüber. Unter den Stars, die den Look bereits tragen, sind unter anderem die Modeinfluencerin Olivia Palermo und Supermodel Cara Delevingne.

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Ebenfalls im Trend ist die sportliche Variante, mit der Frauen ihre androgyne Seite betonen. Denn nicht nur in der Gesellschaft, auch in der Mode finde aktuell ein zunehmender Ausgleich zwischen Männern und Frauen statt, sagt Müller-Thomkins. Anders als bisher muss sich der funktionale und gleichzeitig stylische Sport-BH nicht mehr im Fitnessstudio verstecken: Models und Influencer wie Julie Sariñana alias Sincerely Jules oder Caro Daur machen es vor und zeigen sich im angesagten Athleisurelook.

Nur mit Bralette im Alltag? Eher weniger

Etwas extravaganter wird es mit Bralettes aus Samt, Satin oder Cashmere. Neben der Optik kommen individuelle Eigenschaften der verschiedenen Stoffe dazu. Während Cashmere perfekt für kalte Wintertage ist, eignet sich Satin dank seines kühlenden Effekts auf der Haut am besten für Frühling und Sommer. Die italienische Modebloggerin Chiara Ferragni setzte kürzlich sogar noch einen drauf und präsentierte ihren über 18 Millionen Followern ein silberfarbenes Bralette, kombiniert mit einem grünen Zweiteiler.

Obenrum nur in Bralette – also fast oben ohne – zu gehen, empfiehlt sich im Alltag dagegen weniger. “Das offene Zur-Schau-Stellen von Nacktheit ist eigentlich gestrig”, bestätigt Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut. Anders sieht das natürlich bei den Stars aus: Etwa das Model Georgia May Jagger zeigte sich neulich im khakifarbenen Bralette mit einer silbern glänzenden Hose. Und das amerikanische Model Kaia Gerber durfte man bei den britischen Fashion Awards vor wenigen Wochen in einem schwarzen Hauch von nichts bestaunen.

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Auch für große Brüste eine komfortable BH-Alternative

Aber was ist mit Frauen, die mit großen Brüsten gesegnet sind? Am besten sollten sie sich für einen Bralette aus etwas festerem Stoff und mit breitem Bund entscheiden, damit alles bleibt, wo es hingehört. Dank des Body-Positivity-Denkens zeigen sich auf Instagram auch viele kurvige Frauen in Bralettes.

Übrigens: Noch einen Vorteil bringen Bralettes mit sich. Halbnackt in der Umkleide des Unterwäscheladens stehen, sich räuspern und dann zum gefühlt hundertsten Mal flöten “75C, Schatz! Nicht D!” gehört nun vermutlich der Vergangenheit an. Denn Bralettes gibt es nur in gewöhnlichen Kleidergrößen – Einfachheit wird auch hierbei großgeschrieben.

RND



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