Bluse mit Bindemittel

  • Hoffnungslos altbacken? Mitnichten!
  • Die Schluppenbluse hat statt eines Kragens Schleifenbänder.
  • Das macht sie heute noch so angesagt wie vor etlichen Jahrzehnten.
Kerstin Hergt
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Die Schleife ist signifikant, aber ein Geschenk ist die Schluppenbluse nicht. Oder vielleicht doch. Denn ohne sie wäre die weibliche Garderobe um ein glanzvolles Kleidungsstück ärmer. Dennoch ist sie für viele nicht gerade das, was man gemeinhin ein Lieblingsteil nennt. Anders als beispielsweise das weiße Hemd wurde und wird die Schluppenbluse oft gering geschätzt. Ihr haftet der Ruf an, hoffnungslos altbacken zu sein. Zu Unrecht. Denn wenn ein Kleidungsstück über Jahrzehnte Karriere gemacht hat, dann diese Bluse, die statt eines Kragens Schleifenbänder hat.

In der Vergangenheit kam sie vor allem im Fernsehen groß raus. Deutschlands Lottofee-Legende Karin Tietze-Ludwig etwa trat bevorzugt mit Schleife um den Hals vor die Kamera. Dass der hochgeschlossene Look nicht automatisch bieder und brav sein musste, bewiesen zumindest im Spätprogramm der Siebziger- und Achtzigerjahre die „Drei Engel für Charlie“ sowie die Damen aus „Dallas“ und dem „Denver Clan“.

Zu sehen bei „Sex and the City“ und „The Crown“

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Doch auch nach dieser TV-Serien-Ära staffierten Kostümdesigner weibliche Protagonistinnen immer wieder bevorzugt mit Schluppenbluse aus. So hatte sie Auftritte in „Sex and the City“, „Downton Abbey“, „Mad Men“ oder aktuell in „The Crown“ – alles erfolgreiche Fernsehserien mit besonderem Fokus auch auf die Kleidung. Kein noch so kleines Detail bei den Outfits wurde in diesen Produktionen dem Zufall überlassen. Die Schluppenbluse ließ die Darstellerinnen in der Regel weder romantisch-verklärt noch spießig wirken, sondern elegant und tough. Dieser Effekt ist wohl auch der Grund, warum sie bei Frauen auch in der realen Welt ein bevorzugtes Kleidungsstück im Büro und für öffentliche Auftritte ist: Moderatorinnen wie Barbara Schöneberger, Politikerinnen wie Kamala Harris oder auch royale Repräsentantinnen wie Herzogin Kate oder die schwedische Kronprinzessin Victoria tragen sie mit Vorliebe.

Die Schluppenbluse hat durchaus etwa Formelles, ja buchstäblich Verbindliches. Je nachdem, welche Farbe oder welches Muster sie hat, ob sie aus Seide, Taft, Baumwolle oder gar Jeansstoff ist und vor allem, ob die Bänder zu einer akkuraten Schleife gebunden oder doch eher locker verknotet werden, mischt sie einen strengen Businesslook auf oder verleiht einem eher legeren Outfit eine edle Note. In jedem Fall ist die Schluppenbluse neben dem weißen Hemd die stilvollste Variante unter den Blusen. Und daher ein Designerliebling.

Auch Gucci zeigt Schluppenbluse

In den vergangenen Jahren übertrafen sich die großen Luxusmarken gegenseitig im Neuinterpretieren des Klassikers, der seinen Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Doch keiner hat der Schluppenbluse wohl so viel modernes Leben eingehaucht wie Guccis Kreativdirektor Alessandro Michele: Als er 2015 seine erste Herbstkollektion für das italienische Label präsentierte, eröffnete er die Show mit einem männlichen Model in einer leuchtend roten Schluppenbluse. Dieser im Grunde simple Coup gilt als ein Meilenstein in der Entwicklung von Genderless Fashion, geschlechtsneutraler Mode.

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Fünf Jahre später beherrschen Schleifen am Hals immer noch Micheles Kreationen. Und auch sonst hält sich die Schluppenbluse: Tailoring und Siebzigerjahrechic wie beispielsweise bei Victoria Beckham oder Rüschenbombast und Referenzen an die Regencyzeit des 19. Jahrhunderts wie bei Simone Rocha lassen sie auch 2021 nicht alt aussehen.

RND



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