Arbeiten mit Urlaubsfeeling: „Bleisure Travel“ liegt im Trend

  • Wer heutzutage auf Geschäftsreise geht, erwartet oft mehr von seinem Ausflug, als nur zu arbeiten: Viele Beschäftigte nutzen die Chance, um eine Stadt zu erkunden.
  • Andere wiederum verfrachten ihr hauseigenes Büro an einen Urlaubsort.
  • Fachleute nennen das „Bleisure Travel“. Sie vermuten, dass sich der Trend fortsetzt.
Anja Schreiber
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Arbeit und Urlaub kombinieren – eine schöne Vorstellung. Schon vor Corona gab es den Trend zum „Bleisure Travel“. Der Begriff Bleisure verbindet Business und Leisure, also den Beruf mit der Freizeit. Doch wie geht es mit diesem Trend in und nach der Krise weiter? „Das Homeoffice ist im Augenblick ein primäres Thema. Warum sollte man nicht auch künftig Arbeit und Freizeit verbinden?“, fragt Andreas Neumann, Geschäftsführer des Touristikunternehmens Derpart Reisevertrieb GmbH. „Diesen starken Trend haben wir in den letzten Monaten besonders bei jüngeren Arbeitnehmern wahrgenommen.“ Konkret heißt das: Homeoffice in einer schönen Umgebung, in der man sonst den Urlaub genießen würde.

Und tatsächlich haben manche Feriendestinationen diese neue Zielgruppe im Auge. So bietet zum Beispiel Bermuda das Zertifikat „Work from Bermuda“ an und weist auf seiner offiziellen Tourismuswebsite darauf hin, dass die Gäste in „atem­berau­bender und sorgenfreier Umgebung“ arbeiten und studieren können. Andere Inseln in der Karibik haben ebenfalls die sogenannten Remote Workers als Zielgruppe ausgemacht. Auch Ferienclubs bieten ihre Hotelzimmer bereits für einen Homeofficeurlaub an.

„Es muss ja nicht unbedingt das Ausland sein“, betont Neumann. „In Deutschland gibt es ebenfalls viele tolle Orte, an denen sich Erholung und mobiles Arbeiten kombinieren lassen. Wenn es eine schnelle Internetverbindung gibt, ist das Arbeiten fast überall möglich.“

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Der Trend, Berufliches und Privates zu verbinden, habe bereits einige Jahre vor der Corona-Krise begonnen, erläutert Neumann. „Immer mehr Menschen arbeiten auch aus dem Urlaub heraus, um zum Beispiel noch in Ruhe ein Projekt fertigzustellen.“

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Fach- und Führungskräfte verlängern Geschäftsreisen gern für private Zwecke

Noch eine Entwicklung zeichnete sich in den vergangenen Jahren ab: Fach- und Führungskräfte verlängern die Geschäfts­reise gern für private Zwecke. Dabei ging es weniger um „Bleisure Work“, also das Arbeiten in Urlaubsumgebung, als vielmehr um „Bleisure Travel“, eine Kombination aus Geschäfts- und Privatreise. „Berufstätige verlängern etwa die Dienstreise, indem sie noch ein paar private Urlaubstage anhängen“, beschreibt Neumann. Das habe viele Vorteile: Die Mitarbeiter könnten die Stadt, in der sie sich ohnehin aufhalten, und deren Umgebung kennenlernen. So erhöht sich zugleich die Arbeitgeberattraktivität. „Denn die Möglichkeit, Privates und Berufliches zu verbinden, ist für viele ein wichtiges Kriterium für die Jobwahl“, meint Neumann. Ein Arbeitgeber, der dies anbietet, hat bessere Chancen, gesuchte Spezialisten zu finden.

Oliver Meinicke, Präsidiumsmitglied beim Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), ergänzt: „Die Möglichkeit, ein paar Urlaubstage an die Geschäftsreise dranzuhängen, ist für reisende Mitarbeiter ein zusätzliches Bonbon. Es steigert ihr Wohl­befinden.“ Und das wirke sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus. Die Arbeitgeber können zusätzlich finanziell profitieren, wenn die Firmen dadurch Preisvorteile nutzen. „Am Freitag kostet ein Flug etwa 100 Euro, am Sonntag dagegen nur 80 Euro“, rechnet Meinicke vor. Wichtig: „Mitarbeiter müssen eine private Verlängerung mit ihrem Arbeitgeber ab­spre­chen. Einfach ein paar Tage Urlaub dranhängen ist natürlich nicht erlaubt.“ Ein eigenmächtiges Handeln könne zu einer Abmahnung führen.

Privates und Berufliches kombinieren: „Bleisure Travel“ bleibt laut Experten im Trend

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„Damit das Unternehmen die Dienstreise steuerlich richtig als Betriebsausgabe geltend machen kann, muss es einen dienstlichen Anlass geben. Außerdem muss der Arbeitnehmer genau dokumentieren, wann er während der Reise arbeitet und wann er Urlaub macht“, sagt Meinicke. Wer allerdings sein Homeoffice an einen Urlaubsort verlegen will, sollte wissen, dass es sich dabei nicht um eine Geschäftsreise handelt. „Das ist dann privat. Der Mitarbeiter hat außerdem mit seinem Arbeitgeber zu klären, ob er fernab seines Wohnortes überhaupt im Homeoffice arbeiten darf.“

Obwohl aktuell die allermeisten Geschäftsreisen coronabedingt ausfallen, wird sich der Trend des „Bleisure Travel“ nach der Corona-Krise fortsetzen oder sogar noch verstärken, da ist sich Neumann sicher. Er rechnet außerdem mit Nachholeffekten. Meinicke geht ebenfalls von einem Anstieg der Reisetätigkeit aus: „Die Menschen werden wieder mehr privat und ge­schäft­lich reisen. Zuerst werden viele wieder aus persönlichen Anlässen unterwegs sein. Später kommen dann die Businessreisen zu Kongressen, Tagungen und Messen dazu.“

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