Adieu Jean Paul! Gaultiers spektakulärer Abschied vom Laufsteg

  • Jean Paul Gaultier ist eine der absoluten Legenden in der Modewelt.
  • Er arbeitete mit zahlreichen Supermodels, prägte die Mode über Jahrzehnte und gab jetzt seine letzte Haute Couture Show in Paris.
  • Mit einer atemberaubenden Show und jeder Menge prominenter Gäste sagte Gaultier Adieu.
Anzeige
Anzeige

Paris. Abschied eines legendären Modeschöpfers: Im prachtvollen Pariser Théatre du Châtelet drängten sich die Stars. Sie alle wollten bei der letzten Haute Couture Show von Jean Paul Gaultier dabei sein - mit der er außerdem 50 Jahre seiner Karriere feierte. Der 67-jährige Franzose schickte vor den Augen von Stars wie Carla Bruni, Eva Herzigova, Inès de la Fressange oder Anna Wintour ein letztes Mal seine Models auf den Laufsteg. Auch Carla Bruni-Sarkozy gab dem legendären Modeschöpfer an diesem Abend die Ehre. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jean Paul Gaultier jemals aufhören kann“, sagte sie. „Er ist mehr als lebendig.“ Und seine letzte Show war der beste Beweis dafür.

Gaultier zelebrierte seinen Abgang mit einem gigantischen Spektakel, bei dem er in rund 200 Looks seine berühmtesten Entwürfe der letzten 50 Jahre Revue passieren ließ: Seine berühmten lachsfarbenen Korsagen waren zu sehen, Matrosen-Looks, Mieder, Strapse und natürlich seine legendären blau-weißen Streifen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige
1 von 38
1 von 38
Die Liebe zu seinem Heimatland Frankreich war auch auf dem Laufsteg präsent. Die letzte Fashion Show von Jean Paul Gaultier - Haute Couture für Frühling/Sommer 2020 in Paris.  @ Quelle: imago images/Starface

Die gesamte Show war angelegt wie eine Art Musical, das sich in verschiedene Akte teilte. Viele seiner großen Musen liefen an dem Abend für ihn über den Catwalk, von Fanny Ardant über Estelle Lefébure bis hin zu Rossy de Palma. Und zahlreiche Topmodels wie Gigi Hadid, Bella Hadid, Irina Shayk und Winnie Harlow flanierten über den Laufsteg. Am Ende der Show ging der Vorhang auf und legte den gesamten Backstage-Bereich frei, aus dem Jean Paul Gaultier in einem blauen Arbeitsoverall auf den Laufsteg gerannt kam. Tanzend und feiernd nahm er seinen letzten Applaus entgegen. Die Menge jubelte und gab ihm Standing Ovations. „Bitte nicht traurig sein“, sagte der Designer nach der Show. „Die Marke Gaultier wird es weiterhin geben, aber ohne mich. Ich mache etwas anderes, eine neue Revue oder neue Projekte, aber auf jeden Fall etwas, das mit Mode zu tun hat, etwas anderes kann ich auch gar nicht.“

Die Show-Highlights in knapp drei Minuten

Das Ende einer Ära

Anzeige

Zusammen mit Karl Lagerfeld gehörte der Franzose zu den letzten großen Modeschöpfern einer längst vergangenen Zeit. Einer Zeit, in der Modedesigner Weltstars waren, und es noch echte Skandale gab. Denn genau mit diesen machte sich Gaultier, der Autodidakt, einen Namen. Er gilt als unverbesserlicher Provokateur. Nicht umsonst nannte man ihn auch „Enfant terrible". Regelmäßig brach er Tabus und stellte gewohnte Gender-Stereotype auf den Kopf: Gestandene Männer steckte er in lange Wickelröcke und setzte ihnen Schleierhütchen auf, Frauen ließ er in maskulinen Jacketts und Büstenhalter über den Laufsteg gehen.

Am meisten Aufsehen erregte er aber mit dem lachsfarbenen Korsett mit den kegelförmigen Brüsten, das er 1990 für Madonnas „Blond Ambition“-Tour entwarf. Auch wenn er seine Erfolge in den letzten Jahren nicht mehr wiederholen konnte, wird die Mode ihn vermissen. Denn neben seinem Hang zur Provokation zeichnete ihn noch etwas anderes, für die Branche eher seltenes, aus: Humor. „Ohne Jean Paul wird es nicht mehr so lustig sein wie vorher“, sagte Topmodel Inès de la Fressange vor der Show. Denn letztlich war es vor allem seine sympathische, fröhliche Art, die ihn, zusammen mit seiner platinblonden Stoppelfrisur und dem blau-weißem Ringelpulli, zu einer der größten Mode-Ikonen unserer Zeit machte.

Auf der „Blond Ambition“-Tour 1990 hat Madonna ein Kleidungsstück im Gepäck, das immer mit ihr assoziiert werden wird: das cremefarbene Bustier mit dem Spitzbusen von Jean Paul Gaultier. Die Sängerin setzt sich als Sexsymbol an die Spitze der Popwelt.

Für die Pariser Haute Couture-Schauen, die am Donnerstag zu Ende gingen, ist der Weggang von Gaultier ein schmerzlicher Verlust, aber seine Nachfolger stehen schon in den Starlöchern. Jede Saison gibt es neue Anwärter, die sich an das riskante Geschäft mit der Einzelanfertigung wagen. Clare Waight Keller zum Beispiel macht für Givenchy seit ein paar Saisons wieder Haute Couture Mode. Am Dienstagabend bewies sie mit ihren kunstvollen Kleidern, die sich wie Blütenblätter um die Körper schmiegten, dass die hohe Schneiderkunst immer noch Relevanz hat. Und auch die nächste Saison wird spannend: Stardesigner Demna Gvasalia wird mit Balenciaga im Juli zum ersten Mal wieder Haute Couture zeigen. Nur Jean Paul Gaultier wird dann auf dem Kalender fehlen.

Endgültiger Abschied vom Laufsteg nach 50 Jahren

Mit dieser spektakulären Show verabschiedete sich der Modeschöpfer endgültig vom Laufsteg. Bereits Ende 2014 hatte er seine Prêt-à-Porter-Linie eingestellt, nun wird er auch keine Haute Couture Schauen mehr zeigen. Über ein Video auf Twitter ließ Gaultier verlauten, dass seine Marke weiter bestehen werde, aber mit einem anderen Konzept. Im Unklaren ließ Gaultier, ob er weiterhin für das Design seiner Marke zuständig sein werde. In seiner Shownotiz verabschiedete er sich allerdings mit den Worten: „Und es wird mit neuen Abenteuern weitergehen, das Beste liegt vor uns."

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen