25 Jahre Siedler von Catan: Miteinander als Erfolgsrezept

  • Vor 25 Jahren erfand Klaus Teuber die Siedler von Catan.
  • Im Laufe der Jahre wurde das Brettspiel zu einem inzwischen mehr als 32 Millionen Mal verkauften Welterfolg.
  • Bis heute erscheinen regelmäßig neue Erweiterungen – und finden sogar Weltmeisterschaften statt.
Birk Grüling
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Die Geschichte ist schon ein wenig unglaublich: Klaus Teuber arbeitet eigentlich als Geschäftsführer eines mäßig laufenden Dentallabors und widmet sich abends seiner großen Leidenschaft – den Brettspielen. Anfangs als nur Spieler, irgendwann auch als Entwickler. Schon 1988 landet er einen Überraschungserfolg. “Barbarossa und die Rätselmeister” gewinnt den Preis “Spiel des Jahres”. Zum Dauerbrenner wird es allerdings nicht. Wie die meisten Gesellschaftsspiele verschwindet es nach ein paar Jahren aus den Regalen der Spielzeughändler.

Doch an Ideen (und Erfolg) mangelt es Teuber nicht, zwei weitere Spiele – “Drunter und Drüber” und “Adel verpflichtet“ – schaffen es, Spiel des Jahres zu werden. Und dann kommt ihm der Einfall für die Siedler von Catan. Die Reisen der Wikinger faszinieren ihn schon lange. Ihre Abenteuer will er nun in einem Spiel umsetzen. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt: Die Spieler müssen Siedlungen gründen und geschickt mit Rohstoffen wie Erz, Holz oder Getreide handeln. Das Spielfeld wird aus Sechsecken gelegt, keine Insel gleicht der anderen. Die ersten Figuren und sechseckigen Karten feilt und bastelt Teuber in Nächte langer Kleinarbeit. Am Ende vergehen von Ideen bis zum Erscheinen vier Jahre.

Ein gutes Zeichen: Das Mickey Heft blieb unberührt

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Doch die Mühe lohnt sich. Schon den familieninternen Härtetest besteht das Spiel mit Bravour. Der Trick des Vaters: Er platziert während der Testrunden immer eine Ausgabe des Mickey-Maus-Heftes auf dem Tisch. Greift der jüngste Sohn Benjamin danach, ist das Spiel zu langweilig. Bei Catan ist die ganze Familie gebannt. Der Spielfluss entsteht schnell, Langeweile stellt sich auch nicht ein. Trotzdem bleiben Zweifel, wie sich der 68-Jährige erinnert. “Anfangs machte ich mir Sorgen, dass das Spielprinzip zu komplex und das Erlernen der Regel eine zu große Hürde darstellen würde. Auch wenn der Spaß schon bei den Testrunden groß war, hätte ich nie mit einen solch großen Erfolg gerechnet.”

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Auch die großen Verlage zögern anfangs. Die Optik wirkt zu simpel, Wikinger sind längst nicht so angesagt wie Dinosaurier. Schließlich schlägt der damals noch kleine Kosmos Verlag zu und bringt 3000 Boxen auf den Markt. Innerhalb weniger Monate ist die erste Auflage vergriffen. 1995 wird Catan “Spiel des Jahres”. Und noch wichtiger: der übliche Brettspielzyklus bleibt aus. Statt irgendwann von neuen Titeln verdrängt zu werden, bleiben die Siedler von Catan auf Erfolgskurs. 1998 kann Teuber dann seinen Beruf als Zahntechniker aufgeben und in Vollzeit die Welt von Catan weiterentwickeln. Ein Befreiungsschlag: Immerhin ist seine Leidenschaft für Brettspiele deutlich größer als für Zahnimplantate, außerdem gibt es finanzielle Probleme im Betrieb. Doch diese Sorgen sind längst vergessen.

"Die Siedler von Catan" ist inzwischen zum Familienunternehmen geworden. © Quelle: Patrick Liste

32 Millionen Mal verkauft: Die Siedler von Catan sind nun ein Familienbetrieb

Inzwischen ist die Catan GmbH ein kleines Familienunternehmen. Die beiden Söhne sind längst Teil des Betriebes mit dem Hauptgeschäft der Lizenzverwaltung und der Entwicklung neuer Spiele. Oder wie Teuber es nennt, die Besiedlung von Catan ist noch lange nicht abgeschlossen. Bis heute sind unzählige neue eigenständige Spiele und Erweiterungen erschienen – Inka, Entdecker und Piraten oder Sternfahrer. Mit jeder von ihnen wuchs die Spielwelt auf dem Tisch ein kleines Stückchen und der kommerzielle Erfolg ein großes Stückchen. Ähnlich wie beim großen Vorreiter Monopoly gibt inzwischen auch Spezialversionen – zu Game of Thrones zum Beispiel oder zu Star Trek. Letztere verkaufte sich mäßig in Deutschland, wurde in den USA aber zum Verkaufsschlager.

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Zusammen mit all diesen Erweiterungen wurde das Spiel bisher über 32 Millionen Mal verkauft und in über 40 Sprachen übersetzt. Sogar in der US-Erfolgsserie “Big Bang Theory” wird gesiedelt, Facebook-Gründer Marc Zuckerberg ist ein bekennender Fan und Reid Hoffmann, Gründer des Businessnetzwerk Linkedin, führte das Brettspiel für Bewerbungsgespräche ein. Auch in China, Japan und Südamerika gibt es heute große Absatzmärkte. Und wie es sich für einen weltweiten Erfolg gehört, treten die besten Spieler sogar bei Europa- und Weltmeisterschaften an. Deutschland, die Niederlande und die USA gehören dabei zu den erfolgreichsten Nationen.

Ein 10.000 Quadratmeter-Spielfeld zum Geburtstag

Durch die Corona-Pandemie fallen die Wettkämpfe in diesem Jahr leider aus, genau wie das jährliche Catan-Spieler-Treffen auf der Spielemesse in Essen. 2015 stellte man dort einen Weltrekord auf als 1040 Fans gleichzeitig spielten. Auch eine geplante Welttournee der Macher zum 25-jährigen Jubiläum musste verschoben werden. Ein “kleiner” Trost: Auf der Insel Mainau am Bodensee wurde im Sommer ein Catan-Spielfeld auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern eingeweiht. Und nach den Erfolgen der Catan-Videospiele oder der App-Variante haben die Teubers außerdem ein neues Catan-Smartphone-Spiel angekündigt. Entwickelt wird es von den Pokemon-Go-Machern und soll ermöglichen, auf einer weltweiten “Karte” mit anderen Spielern zusammen Rohstoffe zu sammeln, zu handeln und zu tauschen sowie eigene Siedlungen aufzubauen.

Der Kern von Catan bleibe erhalten, verspricht Sohn Benjamin Teuber – egal ob in virtueller Realität, auf dem Smartphone oder in der Stadtvariante mit den eigenen Eltern. “Catan ist kein Spiel für Egoisten. Die beste Strategie ist die Kooperation und das Miteinander”, sagt er. Vielleicht liegt genau darin auch ein Argument für weitere 25 Jahre Catan, in der Erkenntnis, dass man im Leben mit Zusammenarbeit und Kooperation am weitesten kommt und die Egoisten schnell an ihre Grenzen stoßen – außer sie spielen Monopoly.

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