Selbstliebe: So wichtig ist es, wahre Liebe in sich selbst zu erfahren

  • Wer einen anderen lieben will, muss auch sich selbst lieben.
  • Paartherapeut Christian Hemschemeier erklärt, wie das funktionieren kann.
  • Der Kontakt zum inneren Kind spielt dabei eine entscheidende Rolle.
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Liebe wird immer mit Beziehungen in Verbindung gebracht – entweder romantische Beziehungen oder auch die Beziehungen und Liebe zur Familie. Selbstliebe erscheint dabei im Vergleich irgendwie schal und lau zu sein – oder wie eine Art akademisches Konstrukt. Natürlich wissen wir, dass Selbstliebe wichtig ist. Aber sagte nicht auch einmal jemand, dass es wichtig sei, grüne, bittere Smoothies zu trinken?

Selbstliebe als überwältigendes Gefühl

Ehrlich gesagt habe ich früher auch so gedacht. Ich habe Selbstliebe oft als verschiedene Standards erlebt – etwa auf sich achten zu müssen oder sich gut behandeln zu lassen. Aber wie eine „richtige“ intensive Emotion kam sie mir nie vor. Und auch meine Innere-Kind-Arbeit hat erst einmal nichts daran geändert. Zum Hintergrund: Wir haben in uns alle Altersstufen weiter psychisch präsent, insbesondere wenn es da Traumata gegeben hat. Da diese meistens in der Kindheit waren, nennt man zusammenfassend diesen „psychischen Bereich“ das innere Kind. Es war eine Arbeit mit nur sehr langsamen und schrittweisen Resultaten.

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Als ich jedoch einen Streit, der schon länger zurücklag, innerlich aufarbeitete, erlebte ich ganz plötzlich ein massives Gefühl – wie ein inneres Liebesgefühl. Die Intensität davon übertraf alles, was ich erwartet hatte. Es war überhaupt kein laues Gefühl mehr, sondern eher überwältigend. Heilend. Energievoll.

Den eigenen Schmerz nicht ignorieren

Das brachte mich dazu, zu recherchieren, was da eigentlich genau passiert ist. Bei der Arbeit mit dem inneren Kind blendet man das Gegenüber aus – auch wenn das Gegenüber sich vielleicht provozierend oder sogar grenzüberschreitend verhält. In dieser Situation schaut man nur auf den eigenen Schmerz, denn ohne diesen Schmerz könnte man sich ja einfach emotional abgrenzen.

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Das innere Kind trösten und mit ihm spielen

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Um in einer emotionalen Situation dann direkt mit diesem inneren Kind arbeiten zu können, muss man erst einmal einen Zugang dazu finden. Meiner Erfahrung nach helfen Fantasiereisen dabei recht gut. Ohne viel Umweg sieht man dann, was das Kind im Inneren eigentlich ausmacht. Wenn diese Verbindung hergestellt ist, übt man eine ganze Zeit daran, das innere Kind zu trösten, in den Arm zu nehmen, spielerisch mit ihm zu sein. Was das Kind in dem Moment nun einmal braucht.

Im Streit mit dem Schmerzkörper Kontakt aufnehmen

Der Hintergrund ist, dass wir uns im Erwachsenenleben tatsächlich selbst Liebe geben müssen, um sie in uns anzureichern. Der Partner reicht für diese Rolle nicht aus. Man beeltert dieses innere Kind nach. Wenn man diese Erfahrungen hat, kann man in einer stark aufgeladenen Streitsituation etwa die Entscheidung treffen, eben nicht zurückzuschlagen oder sich überhaupt zu rechtfertigen. Stattdessen kann man direkt mit dem inneren Kind und dem damit verbundenen Schmerzkörper Kontakt aufnehmen.

Etwas Glück kann manchmal helfen

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Tatsächlich arbeitet man in diesem Moment direkt an der Ausgangswunde. Am Ursprung vieler Themen, die einen beschäftigen – und das ist richtig schwer. Schließlich möchte der Schmerzkörper ja lieber direkt zurückschlagen. Wer aber exakt den richtigen Punkt trifft – manchmal gehört auch etwas Glück dazu –, kann in diesem Moment eine spürbare Heilung empfinden.

Für Selbstliebe braucht man nur sich selbst

Die wahrgenommene Verschmelzung deines jetzigen Ichs mit einer früheren Version von dir selbst – dem inneren Kind – führt dann zu einem Gefühl wahrer Liebe. Diese Emotion hast du dann selbst und direkt in dir hervorgerufen, ohne den Partner dafür gebraucht zu haben. Dieses Gefühl ist letztlich von einer starken Autonomie und der eigenen Selbstwirksamkeit geprägt.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Christian Hemschemeiers Buch „Der Liebescode“ (Luther-Verlag) ist 2019 im Handel erschienen.