Wenn aus Liebe Abhängigkeit wird – und wie man sie erkennt

  • Verliebt zu sein ist eines der schönsten Gefühle – doch daraus kann eine Abhängigkeit entstehen.
  • Süchtige fühlen etwa starke Depressionen, wenn sie nur kurz vom Objekt ihrer Begierde getrennt sind.
  • Studie: Wenn sich aus der Liebe eine starke Sucht entwickelt, sind Betroffene sogar zu Mord fähig.
Heidi Becker
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Jeder kann sich daran erinnern, wie ist ist, verliebt zu sein. Wenn der Bauch schon beim Gedanken an den anderen anfängt zu kribbeln, und man sich auf ein Wiedersehen freut, wie ein Kind auf Weihnachten.

Belohnungszentrum ist beim Verliebtsein aktiv

Mit dem Phänomen des Verliebtseins hat sich die Wissenschaft schon lange beschäftigt. Sogar medizinisch lässt sich Verliebtsein erfassen, da in diesem Zustand mehr Aktivität im Belohnungszentrum des Gehirnes zu sehen ist. In dem Teil des Gehirns übrigens, das auch bei Drogen aktiviert wird.

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Kann Liebe abhängig machen?

Genau aus diesem Grund haben sich die Wissenschaftler Brian D. Earp, Olga A. Wudarczyk, Bennett Foddy und Julian Savulescu der Oxford Universität in England mit der Frage beschäftigt, ob aus Liebe auch eine Abhängigkeit entstehen kann.

Die Forscher haben im Jahr 2017 über 60 bereits bestehende Studien zusammengefasst und neu ausgewertet und sind zu dem Schluss gekommen, dass es tatsächlich zwei verschiedene Arten gibt, abhängig von Liebe zu sein.

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Betroffene spüren eine stärkere Liebe als andere

Eine Art, abhängig von Liebe zu sein, wird als „abhängig im weiteren Sinne“ beschrieben. Diese Abhängigkeit lässt sich vom Verliebten noch kontrollieren – er spürt die Liebe für den anderen jedoch stärker als Menschen ohne Abhängigkeit.

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Wenn der Verliebte seinen Partner sieht, ist dies stets von Euphorie durchzogen. Trennungen sind geprägt von starker Trauer bis hin zur Depression. Ob es sich in diesem Fall um eine Sucht handelt, ist umstritten, da diese Art der Liebe dem Betroffenen nicht unbedingt schaden muss. Aber auch bei dieser Art von Abhängigkeit sind negative Folgen möglich – angefangen bei Selbstzweifeln und Vertrauensproblemen bis hin zur Beziehungsunfähigkeit. Manchmal kann schon bei dieser schwächeren Form der Sucht nur eine Therapie helfen, um wieder ein normales Leben führen zu können.

Wann ist eine Beziehung toxisch? Paartherapeut Christian Hemschemeier im Video:

Süchtige sind zu Stalking und Mord fähig

Bei der zweiten Art von Abhängigkeit handelt es sich um eine Sucht im engeren Sinn. Ohne einen Beziehungspartner fühlen sich Betroffene schmerzhaft allein. Sie suchen sich nach dem Ende einer Beziehung schnellstmöglich einen neuen Partner, um dieser Einsamkeit zu entkommen. Bei dieser starken Form der Sucht entwickeln die Betroffenen oft obsessive Gedanken und verhalten sich extrem. Im schlimmsten Fall stalken sie den geliebten Menschen. In Einzelfällen kann eine solche Abhängigkeit zu Gewalttaten bis hin zum Mord führen.

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Abhängige Menschen tolerieren Gewalt

Neurowissenschaftler machen für diese starke Form von Sucht und Abhängigkeit nach einem Menschen eine Veränderung des Belohnungssystems verantwortlich. Die britischen Wissenschaftler erklären, dass bei beiden Arten von Abhängigkeiten negative Konsequenzen folgen können, weil Partner, die abhängig von Liebe sind, oft auch Gewalt in Beziehungen tolerieren.

Behandlung besteht aus klassischer Therapie

Um eine starke Abhängigkeit von Liebe zu behandeln, gibt es den Wissenschaftlern der Oxford University zufolge mehrere Möglichkeiten. Für plausibel halten die Forscher etwa eine klassische Gesprächstherapie, die aus professioneller Beratung, Übungen für das kognitive Verhalten und Psychoanalyse besteht – Therapieansätze, die sich auf das psychische Verhalten auswirken. Medikamentöse Zusatztherapien gibt es noch nicht, diese könnten aber entwickelt werden, um Betroffenen beim „Entlieben“ zu helfen. Wichtig ist aber zunächst, dass sich Betroffene Hilfe suchen.

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