Wegen Corona: Influencerin Luisa Lion muss Sommerhochzeit in der Toskana absagen

  • Die Influencerin Luisa Lion bereitete ein Jahr lang ihre Sommerhochzeit in der Toskana vor.
  • Wegen der Corona-Pandemie fallen die gesamten Hochzeitsvorbereitungen jedoch ins Wasser.
  • Wie sie trotzdem das Beste aus der Situation macht, erzählt Luisa Lion im Interview.
Silia Wiebe
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Sie wollten im August in der Toskana im großen Stil heiraten. Das Kleid und der Wein waren ausgesucht, das Weingut gebucht, die Einladungen an 90 Gäste aus aller Welt verschickt. Jetzt ist Italien Risikogebiet und Ihre Hochzeitsplanung liegt auf Eis. Was ärgert und was sorgt Sie am meisten?

Mich ärgert nichts, weil niemand Schuld hat. Aber mich sorgt, dass wir noch keinen vergleichbaren Ausweichtermin bekommen haben und dass sämtliche Termine unseres herrlichen Anwesen für das kommende Jahr ausgebucht sind. Mein Traum war, dass wir drei Tage Hochzeit feiern, damit unsere australischen, amerikanischen und deutschen Familienmitglieder genug Zeit haben, sich kennenlernen.

Sind Tränen geflossen, als Ihnen der Zusammenhang zwischen Corona und Ihrer Hochzeit klar wurde?

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Ich war schon sehr traurig. Wir haben so viel Herzblut in die Vorbereitung gesteckt, alles war fertig. Nun stehen wir wieder am Anfang. Mich beschäftigt aber auch, ob die Oma von meinem Freund mit ihren 80 Jahren beim zweiten Anlauf noch dabei sein wird. Und es ist deprimierend, wenn man nicht weiß, wann man überhaupt heiraten kann.

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Sie versuchen jetzt alles – vom Blumenschmuck über den Fotografen bis zur Hochzeitstorte – neu zu koordinieren. Was klappt und was klappt nicht?

Das Problem ist, dass wir italienische Verträge unterschrieben haben und in Italien andere Stornierungsgesetze gelten als hier. Das alles aufzudröseln kostet irre viel Zeit. Die Miete für unsere Location haben wir zu 70 Prozent angezahlt und hoffen jetzt, dass nicht alles Geld verloren ist und das Weingut nach der Corona-Krise überhaupt noch existiert, damit wir in den kommenden zwei Jahren nachfeiern können. Das Catering ließ sich problemlos verschieben. Schwieriger ist es mit unserem Hochzeitsfotografen und meiner Hair-Stylistin, nach denen ich ewig gesucht hatte und die fürs nächste Jahr schon ausgebucht sind.

Welchen Tipp haben Sie für die Bräute der Hochzeitssaison 2020, die jetzt vor der Entscheidung stehen: Absagen oder Abwarten?

Wenn sie in Deutschland ab Juli feiern wollen, ist Durchatmen und Abwarten eine gute Idee. In einigen Monaten sieht es hier mit Veranstaltungen vielleicht entspannter aus. Unser spezielles Problem ist ja der Hochzeitsort Italien und die vielen internationalen Gäste, die nicht einreisen dürfen.

Viele Kritiker von Influencern empören sich, dass Sie und Ihre Kolleginnen auf Instagram weiterhin unbeirrt Produkte anpreisen. Ist Werbung in Zeiten von Corona unethisch geworden?

Diese Kritik verstehe ich nur bedingt, solange die Werbung authentisch ist und thematisch zur aktuellen Situation passt. Und abgesehen davon, dass ich viel Geld durch die Hochzeitsverschiebung verloren habe, hängen an meinen Aufträgen auch die Lebensunterhaltskosten meiner Angestellten. Einem Magazin wirft auch keiner vor, dass es trotz Corona Werbung für Mode macht. Alle sind froh, wenn die Magazine die Krise überstehen.

Wie läuft das Influencer-Geschäft in Zeiten von Corona?

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Meine Einnahmen haben sich verringert, die Unternehmen müssen sparen. Aber ich versuche, das Positive zu sehen und bin kein Fan von komplettem Stillstand. Der berufliche Alltag geht weiter, wenn auch verändert.

Was hat sich bei Ihnen verändert?

Ich bin produktiver geworden, hecke mehr Projekte aus, nur eben von zu Hause aus. Ich nehme den Himmel und die Sterne intensiver wahr, wenn ich mit unserem Hund Gassi gehe. Weil ich gesund bin, geht’s mir gut.

Normalerweise reisen Sie von Shooting zu Businesstreffen und versorgen Ihre 500.000 Follower mit Fotos und Filmen von Sandstränden, Designerhandtaschen, Modeschauen, Konzerten, Meetings. Wie füllen Sie jetzt Ihren Instagram-Feed?

Mein Alltag zu Hause ist genauso unspektakulär wie der von anderen. Das macht aber nichts, denn die Menschen lieben die normalen Themen, sie wollen nicht ständiges Glamlife. Ich führe ihnen jetzt meine Sportoutfits vor und meine neue Couch, fotografiere mich im renovierten Wohnzimmer und filme mich bei Fitnessübungen. Ich diskutiere mit den Followern, was ich abends kochen könnte und präsentiere, was ich erfolgreich im Supermarkt ergattert habe.

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Mal ehrlich: Welche Lebensmittel haben Sie gehortet?

Keine – weder Mehl noch Trockenhefe. Aber ich habe mich gefreut, als es wieder Tomatenmark gab, und gleich zwei Tuben gekauft.

Interessieren sich die Leute für erfolgreiches Tomatenmark-Shopping in Ihren Storys?

Ja, weil sie merken, dass wir alle die selben Nöte haben. Es entsteht ein neues Gemeinschaftsgefühl in meiner Community. Das ist schön. Die Klickzahlen meiner Instagram-Storys sind eindeutig gestiegen. Das liegt auch daran, dass die Leute mehr Zeit am Handy verbringen und das Bedürfnis haben, sich abzulenken. Sie schreiben mir sogar noch häufiger als früher.

Was steht in den Nachrichten, die sie bekommen?

Viel Lob, weil ich auch mal über andere Themen rede als Corona. Fast 80 Prozent meiner Follower machen meinen Sport zu Hause mit und geben mir Feedback zu den Übungen. Sport ist gerade mega angesagt, die Leute wollen sich bewegen, wenn sie schon zu Hause festsitzen. Ich werde auch gefragt, wie ich mich am Schreibtisch diszipliniere, welchen Nachtisch ich esse und was ich tue, damit mein Freund und ich uns in der Wohnung nicht auf den Keks gehen.

Und, was tun Sie?

Wir hängen nicht den ganzen Tag zusammen, wir teilen uns auf. Ich arbeite in der Küche, er im Arbeitszimmer. Abends verabreden wir uns zum Kochen und richten den Tisch schön her, zünden eine Kerze an, stellen Blümchen auf als wären wir im Restaurant. Wir zelebrieren das Abendessen oder bestellen etwas Leckeres aus einem Restaurant und unterstützen so die Gastronomie, die ganz schön zu kämpfen hat.

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