Paarpsychologin erklärt: Das macht der Lockdown mit Paaren

  • Der Lockdown setzt auch Paaren zu - seit Monaten hockt man aufeinander, Abwechslung gibt es kaum.
  • Laut einer Expertin muss Streit aber nicht unbedingt ein Alarmsignal sein.
  • Es komme vielmehr auf gegenseitiges Verständnis an.
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Baierbrunn. Finanzielle Sorgen, beruflicher Druck und Stress bei der Kinderbetreuung: Partnerschaften sind während des Lockdowns besonderen Belastungen ausgesetzt. Wenn es mit dem Partner derzeit häufiger Streit gibt als sonst, ist das aber nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine schlechte Beziehung, sagt Anne Milek. Sie ist Professorin für Paar- und Familienpsychologie an der Uni Münster.

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Das passiert, wenn Anspannung nicht abgebaut werden

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Momentan fallen viele Dinge weg, die Partner sonst als Ventil für ihre Anspannung nutzten, zum Beispiel abends eine Runde ins Fitnessstudio gehen oder sich mit Freunden treffen. Fallen solche ausgleichenden Mechanismen weg, sprechen Forscher von „Spill Over“-Effekten: „Stressoren aus dem Außen werden dann in die Partnerschaft eingeschleppt“, erklärt Milek auf der Website „apotheken-umschau.de“.

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Verständnis für Situation aufbringen

Das gereizte Verhalten des anderen wird dann schnell mal als Eigenschaft des Partners oder als Böswilligkeit gesehen, ohne die aktuellen Rahmenbedingungen „mildernd“ zu berücksichtigen. „Es ist eine Gefahr, dass unterschiedliche Faktoren wie Doppelbelastung durch Homeoffice und Kinderbetreuung in der Bestandsaufnahme in einen Topf geworfen werden und dass dann reflexartig Schlüsse gezogen werden wie: ‚Wir lieben uns nicht mehr.‘“

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Auch Gegenteil möglich: Krise schweißt zusammen

Insgesamt sei es noch zu früh für eine Einschätzung, ob Corona zu mehr Trennungen führen wird. Einige Studien geben laut Milek erste Hinweise, dass die Krise von Paaren keineswegs nur negativ erlebt wird. Manche berichten, dass diese Zeit sie zusammengeschweißt hat und ausgefallene Termine sowie weniger Mobilität mehr Nähe ermöglicht haben.

RND/dpa

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