„Das letzte Mal warst du aber hübscher“: Warum sich toxische Beziehungen schon beim Dating abzeichnen

  • Unglückliche Beziehungen können sich schon in der frühen Datingphase andeuten.
  • Denn oft zeigt einem der Weg in die Beziehung schon, ob man es mit einem verlust- oder bindungsängstlichen Menschen zu tun hat.
  • Wieso übermäßige Begeisterung und frühe Kritik oft die Ouvertüre für eine toxische Beziehungsdynamik sind, weiß Paartherapeut Christian Hemschemeier.
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Wenn wir über toxische Beziehungen reden, dann sollten wir auch mal darüber reden, wie man eigentlich typischerweise in diese Beziehungen gerät. Denn oft hat es damit zu tun, dass man bestimmte Kindheitsszenarien wiederholt (zum Beispiel sich für Liebe immer anstrengen zu müssen).

Das ist einem aber erst mal gar nicht so richtig klar, insbesondere in frühen Datingphasen, wenn ja eigentlich alles leicht ist oder sein sollte. Außerdem fällt es vielen schwer einzuschätzen, welche Folgen die Kindheit wirklich auf einen hat. Insofern kann man daraus erst mal gar nicht so viele Ratschläge ableiten.

Wer hungrig ist, kauft das Falsche

Ein anderer Weg in toxische oder anderweitig unglückliche Datingsituationen ist der, dass es einem gerade gar nicht gut geht im Leben. Vielleicht gibt es Todesfälle in der Familie, Jobverlust, Krankheit. Oder man ist es nach einem Jahr Pandemie einfach leid, immer allein zu sein. Vielleicht sehnt man sich jetzt besonders nach der Unterstützung eines romantischen Partners.

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Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan

Leider übersieht man aber dann auch besonders gerne „rote Flaggen“, wie ich sie gerne immer nenne, also auffälliges Verhalten eines Dates. Ich benutze immer gerne folgenden Vergleich: In solch einem Zustand zu daten ist wie hungrig einkaufen. Man steckt das Falsche in die Tasche, eher Pizza und Pommes als gesunden Salat, und denkt einfach nicht so viel nach.

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„Rote Flaggen“ meint dabei nicht nur, dass jemand vielleicht negative Absichten hat. Es meint vor allem, dass Menschen unsichere verlust- oder bindungsängstliche Muster haben und sich entsprechend unklar oder heiß/kalt verhalten. Vielleicht macht man das sogar selber manchmal! Aber gerade dann ist es wichtig, einen ausgleichenden sicheren Partner zu finden.

Auf „Lovebombing“ folgt Gleichgültigkeit

Aber gut, was sind denn nun Dinge, auf die man achten sollte? Nun, erstmal sollte man seine Erwartungen nicht so hoch schrauben, vor allem im Onlinedating. Jeder ist erstmal vorsichtig und etwas zurückhaltend (zumindest wenn man eine Beziehung sucht). Insofern ist nettes aufmerksames, aber auch ruhiges Verhalten erstmal etwas Gutes.

Auffällig ist es, wenn jemand sofort in den „Lovebombing-Modus“ übergeht, sein Gegenüber also auf ein Podest stellt und es plötzlich die oder der Einzige ist, obwohl man offensichtlich schon mehr Dates in einem Jahr hatte als der oder die Angebetete. Und wenn man selber emotional im Minus ist, ist man leider besonders anfällig für diese Strategie.

Jetzt kommt vielleicht die Frage auf: Ja, aber wenn mein Date nun mal so begeistert ist? Dann ist es immer noch „Lovebombing“ und eine Art Fantasiemodus, zumal man sich ja noch nicht wirklich kennt. Und oft haben diese lodernden Feuer keine lange Haltbarkeit und kippen schnell und plötzlich um in Gleichgültigkeit.

Konsistenz einfordern

Was auf jeden Fall ein Warnzeichen ist, ist schnelles Kritisiertwerden. Vielleicht heißt es bei Date zwei schon: „Du warst letztes Mal aber hübscher“ oder „Blau steht dir besser als grün“. Das ist völlig überflüssig! Niemand, der mit dem Herzen dabei ist, macht so etwas! Das ist das Ego, das sich meldet. Und es ist oft die Ouvertüre für eine toxische Beziehungsdynamik. Wenn jemand aus dem Nichts Kritik übt, sollte man sich zurückziehen und nicht beweisen wollen, dass man doch ganz toll ist.

Außerdem fährt man gut damit, extrem streng zu sein, was abgesagte oder verschobene Dates angeht. Es ist immer gut, sich zu fragen, ob das der andere auch machen würde, wenn er ein Vorstellungsgespräch für einen Traumjob hätte. Es muss nicht gleich hyperbegeistert losgehen, aber konsistent und vorhersehbar sollte es schon sein. Viel Spaß beim Daten!

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ ist 2019 im Handel erschienen. Der Titel von Christian Hemschemeiers aktuellem Buch lautet „Vom Opfer zum Gestalter: Raus aus toxischen Beziehungen – rein ins Leben“.

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