Trennung in Corona-Zeiten: Warum ein Liebesaus jetzt noch schmerzhafter ist

  • Eine Trennung tut immer weh, doch in der Corona-Pandemie ist der Schmerz noch größer.
  • Wegen der Einschränkungen im Lockdown fühlen sich viele Betroffene jetzt stärker zurückgeworfen und einsamer, berichtet Liebeskummer-Coach Heike Klopsch im Interview.
  • Die Suche nach einem neuen Partner erweise sich aktuell als schwierig – doch der Lockdown biete auch die Chance, den Blick nach innen zu richten.
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Ängste, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit begleiten viele Menschen durch die Pandemie. Noch schwieriger wird diese ohnehin schon belastende Zeit im Lockdown, wenn man einen Schicksalsschlag erlebt – zum Beispiel eine Trennung von einem einst geliebten Menschen. Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, wurde Betroffenen vor der Krise häufig empfohlen, unter die Menschen zu gehen, sich etwa auf einer Party abzulenken. Doch das ist aktuell nicht möglich. Wie kann man also in der Pandemie mit dem Trennungsschmerz umgehen? Heike Klopsch bietet in ihrer Herzkümmerei in Hamburg professionelle Hilfe bei Liebeskummer an – und hat wertvolle Ratschläge für Betroffene.

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Frau Klopsch, die Corona-Krise hat sich für viele Beziehungen als Zerreißprobe erwiesen. Gerade zusammenlebende Paare müssen zwangsläufig mehr Zeit miteinander verbringen – und das führt nicht selten zu Trennungen oder Scheidungen. Ist die Corona-Krise daran schuld?

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Die Pandemie ist nicht zwingend die Ursache, sondern eher der Katalysator. Die Paare, die vorher schon wackelig waren, die wackeln jetzt ganz besonders. Anzeichen und Spannungen hat es also wahrscheinlich schon vorher gegeben, nur werden diese jetzt durch diese äußeren Einflüsse verschärft. Das sind unter anderem Kurzarbeit, Homeoffice oder auch eine drohende Entlassung, die Zunder in die Beziehungen geben. Der Fokus hat sich stärker auf die Beziehung gelegt, weil man nicht mehr ausweichen kann – Paare werden also miteinander konfrontiert.

Dabei wünschen sich viele Paare eigentlich mehr Zeit zu zweit, die häufig auch als Quality-Time bezeichnet wird.

Ja, das lässt sich auch bei Paaren beobachten, bei denen die Beziehungsqualität sehr hoch ist. Sie kommen oft gut durch die Krise und werden zusammen noch stärker als vorher. Gerade Paare in kriselnden Beziehungen können aber nicht gut mit dieser Zweisamkeit umgehen. Auch vor Corona haben sich extrem viele Paare zum Beispiel nach Weihnachten getrennt. Ähnlich verhält sich das im Urlaub oder an Festtagen: Einerseits freut man sich darauf, Zeit mit dem Partner zu verbringen. Aber manche Paare nehmen die gemeinsame Zeit – und somit auch die Corona-Zeit – als besonders anstrengend und spannungsgeladen wahr. Obendrein neigen wir häufig dazu, dass wir uns bei den Menschen am schlechtesten benehmen, die wir eigentlich am liebsten haben. So entschließen sich manche Paare leider dazu, getrennte Wege zu gehen.

In dieser ohnehin schon belastenden Corona-Pandemie kann man eine Trennung wohl noch am wenigsten gebrauchen. Was macht es mit Menschen, sich inmitten einer Pandemie von einer nahestehenden Person verabschieden zu müssen?

Für die meisten ist eine Trennung jetzt noch schwieriger. Bei Liebeskummer rate ich den meisten normalerweise dazu, sich abzulenken und unter die Leute zu gehen. Das hilft vor allem in der ersten Zeit des tiefen Liebeskummers, aber aktuell ist es natürlich nicht wirklich möglich, mal auszugehen und etwas Größeres zu unternehmen. Und einen neuen Partner zu finden, ist in so einer Zeit auch gar nicht so leicht. Wer jetzt eine Trennung durchmacht, fühlt sich deshalb häufig besonders stark zurückgeworfen. Viele meiner Klientinnen und Klienten befürchten, dass sie nie wieder jemanden finden werden. Gerade in dieser Phase der Neuorientierung nach der beendeten Beziehung fühlen sich viele einsamer als vorher. Sie haben das Gefühl, ihnen ist ein Stück Leben genommen worden. Das ist natürlich auch so: Wenn man in einer langen Beziehung war, hat man durch die Trennung auch sein bisheriges Lebenskonzept verloren.

Heike Klopsch hilft Menschen in ihrer Hamburger Praxis Herzkümmerei, Liebeskummer zu überwinden. © Quelle: Heiderose Kay

Gerade für zusammenlebende Paare dürfte eine Trennung in der Pandemie schwierig sein.

Genau. Meist hat ja einer die Entscheidung getroffen, der andere wurde mit der Entscheidung konfrontiert – es sei denn, es ist eine einvernehmliche Trennung. Wenn Letzteres aber nicht der Fall ist, dann gibt es häufig einen, der besonders leidet. In so einer Phase rät man eigentlich immer zu möglichst viel Abstinenz. Denn jede Begegnung mit dem Partner tut dann einfach höllisch weh. Doch für manche ist es aktuell nicht so einfach, mal eben woanders unterzukommen oder eine neue Wohnung zu finden.

Und wenn getrennte Paare fürs Erste noch weiter zusammenleben, ist auch beispielsweise Homeoffice problematisch: Wenn man wenigstens ins Büro fahren könnte, hätte man zumindest tagsüber die Möglichkeit, mal rauszukommen. Ich würde also auf jeden Fall dazu raten, bei Möglichkeit vorübergehend zu jemand anderen zu ziehen – seien es Freunde oder die Eltern. Das sind alles keine perfekten Lösungen, aber es ist einfacher, als mit jemanden zusammenleben zu müssen, von dem ich mich eigentlich nicht trennen möchte. Wenn es wegen der Pandemie nicht möglich sein sollte, zu jemanden zu ziehen, sollte man sich zumindest räumlich vom Partner in der Wohnung trennen.

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Die Bars und Clubs sind geschlossen, größere Veranstaltungen mit Freunden fallen flach. Somit sind einige bekannte Bewältigungsstrategien gegen Liebeskummer aktuell nicht möglich. Fehlen dann nicht wichtige Wege, um mit dem Trennungsschmerz umzugehen?

Natürlich sind die Möglichkeiten aktuell begrenzt: Man kann nicht ausgehen und es ist auch schwieriger, sich ein neues Hobby zu suchen. Früher hätte ich beispielsweise bei Liebeskummer auch empfohlen, im Ehrenamt tätig zu werden und mit anderen Menschen zu arbeiten – auch das ist im Moment nicht für alle möglich. Aber trotz der Einschränkungen bleiben ja noch einige Mittel gegen Liebeskummer bestehen. Etwas härter ist das ja zum Beispiel in Frankreich: Eine Klientin aus Paris berichtete, wie abgeschnitten sie sich wegen der Ausgangssperre fühlt. Sie hatte sich vorher mit Museen, Galerien und Konzerten abgelenkt – das war sozusagen ihr Lebenselixier. Nun kann sie nicht mehr das machen, was ihr helfen würde. Die Situation ist in manchen anderen Ländern also teilweise noch schärfer. In Deutschland darf man sich ja immerhin noch mit einer Person treffen.

Was raten Sie Menschen im Umgang mit dem Liebeskummer in Corona-Zeiten?

Ich empfehle beispielsweise immer, sich wenn möglich mit einzelnen Freundinnen und Freunden zu treffen und sich abzulenken – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln. Sport oder Bewegung an der frischen Luft ist zudem ganz wichtig. Bei Liebeskummer ist es auch immer gut, sich neue Aufgaben zu suchen – etwas, das ein kleines Erfolgserlebnis schafft. Das kann ein etwa ein neues Hobby wie zum Beispiel Schreiben sein: Seine Gefühle aufzuschreiben und Tagebücher zu führen hat etwas Therapeutisches. Es lohnt sich außerdem, das große Onlineangebot zu nutzen. Man kann viele Hobbys auch durch Anleitungen im Internet erlernen oder gemeinsam mit anderen online Sport treiben.

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Apropos online: Auch das Dating verlagert sich coronabedingt zunehmend ins Netz. Das dürfte gerade für diejenigen relevant sein, die sich nach einer Trennung eine neue Bekanntschaft oder einen neuen Partner wünschen. Was halten Sie davon?

Um neue Menschen kennenzulernen, eignet sich das Onlinedating gut. Die Möglichkeiten für Treffen sind aber begrenzt und es läuft häufig auf einen Spaziergang hinaus. Viele Menschen vermissen einfach dieses zwanglose Kennenlernen – also beim Tanzen, in der Kneipe oder an der Bar, wo man jemanden auch schlicht ein bisschen einfacher kennenlernt. Das fällt alles gerade flach. Natürlich wünschen sich viele meiner Klienten einen neuen Partner, haben aber auch unabhängig von der Pandemie Schwierigkeiten, einen zu finden. Deswegen ist die Pandemie auch gar nicht so eine schlechte Zeit dafür, sich erst einmal um sich selbst zu kümmern und zu schauen, warum das denn so ist.

Bei Liebeskummer muss es also nicht immer nur Ablenkung mit anderen sein?

Nein, nicht unbedingt. Liebeskummer ist sogar noch eher eine Phase, in der man sich sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Das ist eine große Auseinandersetzung mit sich selbst, bei der man sich viele Fragen stellt. Was will ich? Wer bin ich und wer bin ich ohne den anderen? Auf was möchte ich bei zukünftigen Partnerschaften achten? Antworten auf diese Fragen zu finden ist sowieso ein etwas leiserer Prozess, den man auch in so einer erzwungenen Pause sehr gut umsetzen kann.

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