Tipps vom Paartherapeuten: So können Sie nach dem Beziehungsende gestärkt in die Zukunft steuern

  • Sind Beziehungen immer wieder schwierig, werden die Fehler dafür oft in der Vergangenheit gesucht.
  • Laut Paartherapeut Christian Hemschemeier wird die aber oft sehr subjektiv betrachtet.
  • Daher sollte besser in der Zukunft angesetzt werden.
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Wenn man in Beziehungen immer wieder in Schwierigkeiten gerät, kommt irgendwann der Tag, an dem man überlegt, ob das etwas mit der eigenen Biografie zu tun hat – also womöglich etwas mit der eigenen Vergangenheit. Das scheint natürlich sehr schlüssig und ist fast psychologisches Gemeingut. Könnte es an den Eltern liegen, am Mobbing in der Schule, an anderen schwierigen Erfahrungen?

Wahrnehmung aus der Vergangenheit steuert das Jetzt

Aber: Wo ist denn diese Vergangenheit? Können Sie sie sehen, anfassen? Ich behaupte mal: nein! Wie auch immer präsent uns unsere Vergangenheit erscheint, wir sind doch immer „nur“ in diesem Moment. Sie sagen vielleicht: Aber ich weiß doch genau, wie es war. Vielleicht sagen Sie auch: Meine Eltern haben mich nicht geliebt. Sind Sie sich da völlig sicher? Oder ist es einfach Ihr ganz persönliches Jetzt, in dem Sie diesen Glaubenssatz denken? Vielleicht haben Ihre Eltern Sie geliebt und ihr Bestes gegeben, aber konnten es Ihnen aufgrund ihrer Geschichte nicht richtig zeigen?

Darauf will ich hinaus, dass tatsächlich Ihre ganz persönliche, ganz subjektive Wahrnehmung Ihrer Vergangenheit Sie steuert – und sich natürlich auch verändern lässt. Identifizieren Sie Gedanken über Ihre Kindheit. Und dann denken Sie mal eine positivere Variante, die genau so gut darauf passt. Welche Sichtweise fühlt sich besser an?

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Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan

Selbst gesetzte Aufgaben lösen

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Aber was ist denn mit der Zukunft? Nun ja. Da verhält es sich natürlich genauso. Auch sie ist nicht sichtbar. Aber wie kann ich überhaupt mit der Zukunft arbeiten? Nun, ich kann zum Beispiel aus meinen Datingfehlern konsequent lernen und versuchen, außerhalb meines bisherigen Beuteschemas zu daten.

Oder, wenn man es etwas kleiner haben will: Ich lerne zum Beispiel, strenger zu werden beim Dating. Wenn ich vorher vielleicht über jede rote Flagge, also jede unangenehme Irritation, geflissentlich hinweggesehen habe, dann tue ich das jetzt nicht mehr. Dafür brauche ich nicht zwingend eine Auseinandersetzung mit meiner Kindheit.

Ich kann jetzt und hier anfangen, mich selber aus dem Sumpf zu ziehen. Und mit jeder selbst gesetzten Aufgabe, die ich gelöst habe, steigt mein Selbstwertgefühl. Mithilfe des besseren Selbstbewusstseins folgen wieder günstigere Glaubenssätze. Und wenn eines unsere Zukunft beeinflusst, dann sind das positive, kräftige Glaubenssätze.

Tagebucheinträge als erfolgreiche Technik

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Es gibt sogar eine interessante kleine Abkürzung. Sie können sich mal hinsetzen und sich bis ins kleinste Detail ein glückliches Beziehungsleben vorstellen. Mit allen Emotionen natürlich – und sich jetzt schon darauf freuen. Ich arbeite gerne mit fiktiven Tagebucheinträgen, bei denen man quasi in der Zukunft einen Tag beschreibt, aber so, als wäre er gerade heute passiert.

Vielleicht denken Sie, das wäre alles psychologischer oder spiritueller Quatsch? Dann lassen Sie sich gesagt sein, dass mit solchen Techniken erfolgreich in vielen Bereichen der Psychologie gearbeitet wird – zum Beispiel im Spitzensport.

Zu viel Vergangenheit begünstigt Opfergefühl

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Es ist schlicht Ihre Wahl, wo Sie ansetzen wollen. Es gibt da persönliche Vorlieben und kein absolutes Richtig oder Falsch. Letzten Endes arbeiten wir immer nur im Hier und Jetzt und versuchen, uns in einen Zustand zu versetzen, der neue positive Erfahrungen möglich macht.

Wie man an diesem Artikel sicherlich merkt, habe ich eine Schwäche für die Zukunft. Wenn man seinen Kopf zu tief in die Vergangenheit steckt, gerät man leicht in so ein Opfergefühl. Wenn ich nach vorne schaue, fällt es mir manchmal leichter, den Gestalter in mir zu spüren, mit all seiner Veränderungskraft. Was gefällt Ihnen besser? Letztlich ist nur eines wichtig: nicht stehen bleiben, sondern den Weg immer weiter gehen!

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein neues Buch „Vom Opfer zum Gestalter – raus aus toxischen Beziehungen“ ist bereits vorbestellbar und erscheint im April 2021.

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