Toxische Beziehungen und Sucht: Wenn Alkohol und Drogen die Beziehung gefährden

  • Bei toxischen Beziehungen spielt das Thema Sucht nicht selten eine entscheidende Rolle.
  • Wo Alkohol und Drogen in der Kennenlernphase noch enthemmende Wirkung zeigen können, begünstigen sie später gefährliche Verhaltensmuster, erklärt Paartherapeut Christian Hemschemeier.
  • Eine Suchterkrankung macht – wie ein toxischer Partner oder eine toxische Partnerin – eine Beziehung auf Augenhöhe auf Dauer nicht möglich.
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Toxische Beziehungen selbst sind in der Regel Suchtbeziehungen. Sie machen mindestens einen von beiden liebessüchtig. Nicht umsonst vergleiche ich diese Sucht oft mit einer Drogensucht. Und nicht selten spielen in diesen Beziehungen auch andere Süchte eine große Rolle. Drogen und Alkohol legen sich wie ein Schleier auf unsere Emotionen.

Gerade am Anfang in der Dating- und Kennenlernphase gehört für viele von uns Alkohol einfach dazu. Wir gehen aus, trinken Wein, werden lockerer, reden mehr, sind offener und haben möglicherweise mehr Spaß miteinander. In einem gesunden Maß ist das natürlich noch nicht problematisch. Hier macht die Dosis das Gift.

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Suchtmittel können das Verhalten des Partners stark verändern

In Beziehungen – und besonders auch in toxischen Beziehungen – potenziert sich jeder Streit durch die Kombination mit Suchtmitteln. Besonders Alkohol macht viele Menschen streitlustig. Da reichen oft Kleinigkeiten aus und das Gegenüber explodiert.

So wie Alkohol im Datingprozess möglicherweise positiv enthemmt, so kann er innerhalb einer Beziehung, die im Fall von toxischen Beziehungen eh schon sehr schmerzhaft ist, auch impulsiv und aggressiv machen. Gefühle, die im Alltag sonst noch gedeckelt werden können oder sich durch passiv-aggressives Verhalten zeigen, kommen dann ungefiltert ans Tageslicht. Dabei muss es sich nicht einmal um eine Abhängigkeitserkrankung handeln. Oft reichen schon kleine Mengen aus, um in unglaublich schmerzhafte Konflikte zu geraten.

Als Paartherapeut haben mir viele Paare berichtet, dass sie sich ausschließlich unter Alkoholeinfluss streiten. Ich würde sogar sagen, dass sich auch Menschen, die sich sonst nicht toxisch verhalten, unter Alkohol toxische Verhaltensweisen zeigen können. Sie agieren dann unter anderem stur, uneinsichtig und interpretieren die Situationen auf ihre ganz eigene Weise und oft falsch, was auch zu Eifersuchtsattacken führen kann. Konflikte können dann rasend schnell völlig eskalieren.

Drogen- oder Alkoholkonsum ist keine Entschuldigung für Fehlverhalten

Besonders in toxischen Beziehungen fehlt am nächsten Morgen meist auch noch die Einsicht und Reue. Wenn wir davon ausgehen, dass Betrunkene tatsächlich die Wahrheit sagen, kann die Frage danach, ob der Partner oder die Partnerin die Dinge im betrunkenen Zustand wirklich so gemeint hat, sehr unangenehm werden.

Wenn der Alkoholkonsum als zusätzliche Entschuldigung für ein Fehlverhalten genutzt wird, befinden wir uns in einer weiteren Schleife der toxischen Dynamik. Alkohol kreiert kein neues Verhalten, er verstärkt nur Verhaltensweisen, die eh in uns angelegt sind. Bei richtigen Suchterkrankungen sollte man sich immer vor Augen führen, dass nicht der Partner oder die Partnerin an erster Stelle steht, sondern die Sucht.

Eine Suchterkrankung ohne den echten Willen zur Auseinandersetzung und Bereitschaft zur Überwindung macht eine Partnerschaft auf Augenhöhe unmöglich. Die Sucht macht aus jeder Beziehung eine Dreiecksbeziehung – und somit zu einer toxischen.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein aktuelles Buch „Vom Opfer zum Gestalter Raus aus toxischen Beziehungen, rein ins Leben” ist in allen Buchhandlungen erhältlich.

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