Paartherapeut: Wenn die Beziehung zu den eigenen Kindern toxisch wird

  • Wenn sich Paare mit erwachsenen Kindern trennen, wird der Kontakt zum Nachwuchs oft schwierig.
  • Auch die Beziehung zu erwachsenen Kindern könne toxisch werden, so Paartherapeut Christian Hemschemeier.
  • Welche Faktoren dazu führen und wie Sie mit so einer Beziehung umgehen, erklärt er in seiner neuen Kolumne.
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Nach Trennungen von Paaren mit gemeinsamen Kindern höre ich von Klientinnen und Klienten häufig, dass sich die Beziehung zu den eigenen Kindern sehr verändert. Nicht selten höre ich dann sogar, dass sich das Verhältnis zu erwachsenen Kindern in eine Richtung entwickelt, in der es kaum bis gar keinen Kontakt mehr gibt.

Auch die Beziehung zu den eigenen Kindern kann leider sehr toxisch werden. Die Frage ist, wie sich die Dinge so entwickeln konnten – und wie man da rauskommt.

In der Regel wünschen wir uns natürlich alle einen guten Kontakt zu unseren Kindern. Aber gerade nach toxischen Beziehungen scheint dies nicht immer einfach zu sein. Zum einen können gewisse genetische Faktoren eine Rolle spielen und Kinder erben gegebenenfalls bestimmte Temperamente. Zum anderen können auch erworbene Eigenschaften, genauer gesagt die ungünstigen erzieherischen Verstärkungen der Bezugspersonen, ein Faktor sein, der den späteren Umgang miteinander erschwert.

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Eine Frage der Genetik – und Erziehung

Wenn der andere Elternteil zum Beispiel nach einer Trennung ordentlich manipuliert, instrumentalisiert und versucht, das Kind auf seine Seite zu ziehen, dann scheint es fast unmöglich zu sein, eine gute Eltern-Kind-Beziehung zu entwickeln oder zu erhalten.

Da wir uns aber aus einer toxischen Beziehung zu unseren eigenen Kindern noch schlechter lösen können als aus Paarbeziehungen, entsteht oft eine ungünstige Dynamik. Ich erlebe, dass Eltern in eine Co-Abhängigkeit zum eigenen Kind geraten. Die Beziehung entwickelt sich in eine schlechte Richtung, man hat möglicherweise wenig Kontakt und versucht nun alles, um es dem Kind recht zu machen und bloß nicht in den Konflikt zu gehen.

Aber eine Beziehung ohne eine gewisse Reibung ist auch keine echte Beziehung. Natürlich geht es in der Eltern-Kind-Beziehung von oben nach unten. Das heißt, Eltern sind ein Stück weit mehr in der Pflicht sich um Kontakt und um die Beziehung zu bemühen. Aber Beziehung und Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

Wann Sie den Kontakt ruhen lassen sollten

Wenn ein Elternteil verlustängstlich einem erwachsenen Kind dauerhaft hinterherläuft ohne dass etwas zurückkommt oder sich das Kind komplett respektlos verhält, ist es manchmal besser, den Kontakt ruhen zu lassen. In letzter Konsequenz gelten für alle Beziehungen die gleichen „Regeln“ wie in klassischen Paarbeziehungen. Auch in der Beziehung zum eigenen Kind darf es irgendwann Standards und Dealbreaker geben.

Im Unterschied zu Ex-Partnerinnen oder -Partnern bin ich hier aber natürlich dafür, immer wieder Chancen zu geben und offen zu bleiben. Erwachsene Kinder können manchmal ihre Perspektive verändern, wenn sie zum Beispiel bei dem anderen Elternteil ausziehen oder selbst Kinder bekommen. Und manchmal gibt es dann doch die Möglichkeit eines Neuanfangs.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein aktuelles Buch „Vom Opfer zum Gestalter – Raus aus toxischen Beziehungen, rein ins Leben“ ist online und in allen Buchhandlungen erhältlich.

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